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Frage

Guten Tag,

ich heiße Assunta und bin 26 Jahre alt. Ich habe eine Frage, mit der ich mich seit einiger Zeit herumschlage. Wir dürfen Gott Vater nennen, denn durch Jesus Christus sind wir zu Kindern Gottes geworden. 

Wenn Gott nun in unserer Menschheit gegenwärtig wird, wie kann ich Ihn als Vater erkennen und mich als Sein Kind fühlen, wenn ich aus menschlicher Sicht nicht weiß, was das bedeutet? Ich komme aus einer problematischen Familie, mit abwesenden Eltern, wo ich in jeder Situation immer auf mich allein gestellt war! Ich habe immer alles alleine durchgestanden, aufgrund dessen es mir schwerfällt, Gott als Vater zu erkennen. Ich nicht weiß, was es bedeutet, einen Vater zu haben, wie es sich anfühlt, geliebt zu werden, denn mein Vater hat mir immer vorgehalten, eine Versagerin zu sein, eine Enttäuschung, dass ich weder mir noch meinen Nächsten von Nutzen sein kann und viele andere schlimme Sachen, die ich hier nicht auflisten möchte. So bin ich mit einem großen Gefühl von Unsicherheit aufgewachsen und habe mich immer so einsam gefühlt! Bis heute trage ich die Wunden dieser Worte mit mir herum, was mich hindert, mich Gott als Vater erkennen zu lassen. Manchmal denke ich, warum Gott das zulässt? Vielleicht weil auch Er mich nicht liebt, so wie mein Vater es nicht tut. Was für ein Gott ist Er dann? Ich habe blutende Wunden in meiner Seele, die noch offen sind! Und sie lassen mich zweifeln, wohin Gott mich führen will. Mein Glaube schwankt, obwohl ich glaube, dass Gott irgendwie gegenwärtig ist, auch wenn ich es nicht verstehe.

Danke.

Assunta


Antwort des Priesters

Liebe Assunta,

1. manchmal sagen wir, dass wir die Vaterschaft Gottes nicht sehen, aber vielleicht nur, weil sich ein Schleier über die Augen unseres Geistes gelegt hat und uns am Sehen hindert.  

Vater ist der, der es uns an nichts mangeln lässt. 

Nun, erkennst du nicht die Vaterschaft Gottes in der Sonne, die jeden Morgen für dich aufgeht?

Erkennst du sie nicht an der Luft, die du einatmest, am Wasser, am Feuer, an der Erde, an den Früchten, am Grün, an den Landtieren und an den Vögeln?

Es ist der Herr, der all diese Geschöpfe für dich vorbereitet hat.

Wir laufen Gefahr zu glauben, dass uns all diese Dinge automatisch zustehen. Sie sind stattdessen eine Gabe, ein Zeichen der Zärtlichkeit Gottes für jeden von uns.

2. Du könntest einwenden: aber mein Vater oder meine Mutter sind nicht, wie ich es gerne hätte. 

Hier was die Heilige Schrift dazu sagt: “Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf.” (Ps. 27,10).

Wenn du die Heilige Schrift aufschlägst, insbesondere die Evangelien, wirst du feststellen, dass es der Herr ist, der zu dir spricht.

Wenn du beichten gehst, findest du dort den Herrn, der dich reinigt.

Wenn du in den Gottesdienst gehst, findest du dort den Herrn, der dir die Nahrung für das geistige Leben gibt.

3. Die heilige Teresa von Avila schreibt am Anfang ihres Lebens: “Ich erinnere mich, als meine Mutter starb, war ich knapp zwölf Jahre alt. Sobald ich den großen Verlust begriff, ging ich traurig zu Füßen einer Madonnenstatue und bat sie unter vielen Tränen, meine Mutter sein zu wollen.  

Es scheint mir, dass dieses so einfach gemachte Gebet wohlwollend aufgenommen wurde, denn es gab nichts, in dem ich dieser Souveränen Jungfrau empfohlen wurde, ohne dass meine Antwort sofort erhört wurde.

Schließlich hat sie mich ganz zu ihrem eigenen gemacht. (Leben I,7)

4. Würden doch wir uns auch an Maria wenden und uns ihr anvertrauen!

Sie wurde uns als Mutter in jeder Notlage gegeben.

Kӧnnten wir doch auch mit der Hl. Teresa von Avila sagen: “Es gab nichts, in dem ich dieser Souveränen Jungfrau empfohlen wurde, ohne dass meine Antwort sofort erhört wurde.”

5. Dasselbe tat die Hl. Theresia vom Kinde Jesu, die Heilige aus Lisieux, die mit viereinhalb Jahren ihre Mutter verlor.  

In ihrer Biografie mit dem Titel Geschichte einer Seele schreibt sie: “Manchmal, wenn mein Geist so trocken ist, dass es mir unmöglich ist, daraus einen Gedanken zu schöpfen, um mich mit dem guten Gott zu vereinigen, sage ich ganz langsam ein “Vater unser” auf und dann den Engelsgruß (es ist das Ave Maria, Anm. d. Red. auf; dann entzücken mich diese Gebete, nähren meine Seele weit mehr, als wenn ich sie hundertmal hastig aufgesagt hätte. 

Die Heilige Jungfrau zeigt mir, dass sie mich nicht verschmäht, sie beschützt mich immer, sobald ich sie anrufe.

Wenn ich eine Sorge oder eine Schwierigkeit habe, wende ich mich sofort an sie, und sie kümmert sich immer wie die zärtlichste aller Mütter um mein Anliegen.

6. Versuch auch du, es so wie die Hl. Theresia von Lisieux zu machen: “Manchmal, wenn mein Geist so trocken ist, dass es mir unmöglich ist, daraus einen Gedanken zu schöpfen, um mich mit dem guten Gott zu vereinigen, sage ich ganz langsam ein “Vater unser” auf und dann den Engelsgruß.  

Du wirst sofort die gӧttliche Vaterschaft und außerordentliche Mutterschaft der Muttergottes spüren.   

Du wirst nie wieder sagen: ich bin verlassen worden. Ich bin von der Erde und auch vom Himmel vergessen.

Du wirst dich sofort wie in einer Muschelschale in den Händen des Vaters gehalten fühlen und du wirst die Liebkosungen und Fürsorge dieser Mutter spüren, mehr als eine Mutter auf Erden es tun kann.

Ich wünsche dir einen schӧnen Mai, der, wie du weißt, der Muttergottes gewidmet ist.  

Ruf sie an, durch das tägliche Rosenkranzgebet, damit sie zu dir kommt, um deine Mutter zu werden.     

Du wirst merken, dass sie kommt und auf ihre Art, der der Zärtlichkeit, eingreifen wird.

Ich wünsche dir alles Gute, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.  

Pater Angelo