Sehr geehrter Padre Angelo,
in der Hoffnung, bald von Ihnen eine Antwort zu bekommen, schreibe ich Ihnen, weil ich Sie um die Lösung eines Dilemmas bitte, in dem ich mich befinde.

Der Papst wird auch als Bischof von Rom definiert und seine Würde als Vikar Christi beruht auf der Tatsache, dass er Nachfolger Petri ist.  Wenn es so ist, frage ich mich, wie es beispielsweise zu erklären ist, dass Papst Adrian V., der ungefähr einen Monat nach seiner Wahl, ohne Bischofsweihe,  gestorben war, trotzdem Papst war, wenn auch nur für sehr kurze Zeit.
Ich danke Ihnen.


Mein Lieber,

1. Man muss berücksichtigen, dass zu jener Zeit, und zwar in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, die Sakramentalität des Episkopats noch nicht bestimmt worden war.  Das Sakrament der heiligen Weihe wurde in zwei Typen unterteilt. 

Es gab  drei hӧhere Weihen: Priesterweihe, Diakonat und Subdiakonat.
Es gab vier niedere Weihen: Ostiarier, Akolyth, Lektor und Exorzisten.
Erst im Zweiten Vatikanischen Konzil teilt man die heilige Weihe in den Stufen Episkopat, Priesterweihe und Diakonat. 

Vorher wurde das Episkopat nicht als Sakrament sonder als Sakramentalie betrachtet.

2. Außerdem schienen Episkopat und Priesterweihe in der primitiven Kirche gleichwertig zu sein.

Wie ein Theologe der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts  bemerkte, “ ist es nicht einfach, zu beweisen, dass in der, an Timotheus zugeteilten und vom Heiligen Paulus erwähnten Priesterweihe, eine spezifische Priesterweihe zu erkennen sein sollte, getrennt von einer vorhergehenden Priesterweihe;  sollte es doch so sein, wie behauptet wird, warum hätten so  viele katholische Theologen die Sakramentalität des Episkopats leugnen oder heute noch in Frage stellen sollen?” (Gutberlet, Dogmatik, X, S. 265).

3. Auch in der Vergangenheit waren sich alle darin einig, dass das Episkopat den anderen Weihen überlegen war, aber es hätte sich um eine Vortrefflichkeit des Episkopats, der pastoralen Leitung für das Seelenheil, gehandelt.
Der Hl. Thomas sagte, dass das Episkopat  eine unvergängliche Macht verleiht, aber nicht den Charakter.

Heute wird jedoch angenommen, dass das Episkopat doch auch Charakter verleiht.
Der Hl. Thomas sagte des weiteren, dass der Bischof alles tut, was ein normaler Priester “in seiner Pfarrei tut”, nur  vollständiger  (IV Sententiae, d. 17, q. 3, a. 3, q. 5).

4. Aus diesem Grund wurde  in der Papstwahl einem Priester  sowohl eine grӧßere Macht als auch eine grӧßere Gnade verliehen. 
Diese Macht und Gnade kommen von der Wahl und nicht von der bischöflichen Weihe, die als Sakramentalie, aber nicht als Sakrament betrachtet wurde. 

5. Adrian V. war daher ein wahrer Papst, obwohl er nur einen Monat lang Papst war.  Er wurde zum Bischof von Rom gewählt.  Aber er war schon vor der Weihe Papst, weil die Bischofsweihe nur als Sakramentalie angesehen wurde.  

Ich wünsche dir alles Gute, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.  

Padre Angelo

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