Guten Tag Padre Angelo,


Mein Name ist  Alessandro und bräuchte ein paar Erklärungen über die Gültigkeit der heiligen Messe.   Während eines Gesprächs mit einem Freund bezüglich der Gültigkeit der heiligen Messe, hat er darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, die Messe in den Anliegen der Kirche zu feiern, ansonsten sei sie ungültig. Ich antwortete, dass die Sakramente “ex opere operato” sind (in deutscher Sprache wörtlich: “aus dem vollzogenen Werk”) und dass, das was zählt, die Substanz und Form sind, in der heiligen Messe also das Brot und der Wein, und die Formel: “Nehmet und  esset alle davon; das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird…” 

Mein Freund hat betont, dass, wenn der Priester nicht in den Intentionen der Kirche zelebriert, d.h. er nicht an den Opfercharakter des Gottesdienstes glaubt, dieser ungültig sei (er selbst hat bei einem Priester nachgefragt, ob er an das Messopfer glaube, und eine, bedauerlicherweise, negative Antwort erhalten). Wer bewusst an so einem Gottesdienst teilnimmt, der nicht in den Intentionen der Kirche gefeiert wird, würde außerdem eine Todsünde begehen.

Nun ist meine Frage folgende:
Wenn mein Freund Recht hätte, wie ist es möglich für einen Gläubigen zu erfahren, ob der Priester laut Intentionen der Kirche feiert oder nicht? Müsste er dazu den Priester vor jeder Messe befragen?

Ich danke Ihnen und schließe Sie in mein Gebet ein.


Lieber Alessandro,

1. Für die Gültigkeit eines Sakraments, also auch der Eucharistiefeier, die schlechthin das Größte aller Sakramente ist, sind die Substanz, die Form und auch die Intention ausschlaggebend.   

2. Die Substanz besteht aus den empfänglichen und materiellen Elementen, mit denen das Sakrament gefeiert wird. Dabei handelt es sich um Brot und Wein. 

3. Die Form besteht aus den konsekrierten Worten.
Hier sind es die ausgesprochenen Worte bezüglich des Brotes: “Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird” und bezüglich des Weines: “Nehmet und trinket alle daraus: das ist der Kelch des Neuen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird, zur Vergebung der Sünden”.

4. Die Absicht (Intention) der Abhaltung ist allerdings genauso notwendig und ausschlaggebend. Es handelt sich nämlich nicht um eine magische Abhaltung, sondern um die persönliche Intention  des Priesters,  sich mit dem äußersten Hauptminister, dem ewigen Hohepriester Christus zu vereinigen, der durch den Priester auf unseren Altären das Opfer des Kreuzes sakramental gegenwärtig macht, zum Wohle aller Anwesenden, in den Anliegen einzelner Gläubiger und zum Nutzen aller Lebenden und Toten.

5. Man darf nämlich nicht vergessen, dass bei der Feier der Sakramente, der menschliche Minister nie auf völlig autonome und unabhängige Weise handelt, so als wäre er der Eigentümer. 

Er ist ein, von Christus berufener Mensch, um mit ihm zusammenzuarbeiten, zur Verlängerung  seines Priesteramtes und zur Heiligung der Menschen. 

Der Priester akzeptiert bewusst, sich mit Christus zu vereinen und zusammenzuarbeiten. In der Tat nimmt er die Einladung des Herrn an, mit der  Absicht nach seinem Willen und dem Willen der Kirche zu handeln.  Diese Absicht ist unbedingt erforderlich, weil man sich nur so mit Christi vereinigen kann. 

6. Der Heilige Thomas stellt klar, dass die Absicht auch wegen der Art des Werkzeuges unerlässlich ist, wobei es hier um ein menschliches Werkzeug handelt.

Während nun für ein lebloses Werkzeug der Impuls des Hauptagenten ausreicht (beispielsweise der Pinsel wird beim Malen von der Hand gesteuert), ist für ein „menschliches, freies, Werkzeug“ die Absicht, mit dem Hauptagenten, nämlich Christi und der Kirche zusammenzuarbeiten, von grundlegender Bedeutung.

7. Die Absicht ist notwendig auch wegen der Natur der heiligen Sakramente. Wenn sie nicht natürlich sind ( das Feuer ist z.B. Zeichen von etwas, das brennt), sind sie einer besonderen Bedeutung bedürftig (das Wasser kann z.B. für verschiedene  Zwecke angewendet werden).

8. Die Absicht, das zu tun, was der Herr beabsichtigt zu erreichen, wird in den, bei der Abhaltung ausgesprochen Worten, angegeben (die Form).
Über die Notwendigkeit der Absicht hat sich das Konzil von Florenz ausgesprochen (1439): “Alle Sakramente werden dank drei Realitäten perfekt gemacht: Der Elementen als Substanz, der Worte als Form und der Person des Kirchenministers, der das Sakrament in der Absicht der Kirche feiert: fehlt eine dieser Realitäten, hat das Sakrament keine Wirkung. ” (DS 1312).
Alexander VIII hat dann folgende Aussage verurteilt: “Die Taufe gilt als gültig, wenn sie im äußeren Ritus durch den Priester vollzogen worden ist, auch wenn er in seinem Herzen sagt: “ Ich will nicht das tun, was die Kirche tut” (DS 2328).

9. Der Priester, von dem du in deiner E-Mail gesprochen hast, glaubt nicht an das Sakrament der  Eucharistie, die er feiert. Tatsache ist, dass er so eine sehr schwere Tat begeht, nämlich eine Gotteslästerung, weil er ohne moralische Gesinnung  feiert, doch feiert er gültig. 

Durch die bloße Tatsache, dass er am Altar das Sakrament der Eucharistie feiert,  lässt er sich von der Intention der dort vorhandenen Kirche bestimmen. 

Er beabsichtigt dies zu tun was in der  Absicht der Kirche liegt, auch wenn er selbst nicht daran glaubt.

10. Nur in einem Fall wäre das Sakrament ungültig: wenn er in seinem Herzen  sagen würde: “ich will weder konsekrieren”, “noch will ich mich vom Willen der vorhandenen Kirche bestimmen lassen.“ 

Wenn er so handeln würde, würde es niemand bemerken. Das Sakrament würde nur in seinem äußeren Merkmal  gefeiert werden.

Es wäre eine Farce.

Es bleibt zu hoffen, dass niemals ein Priester beabsichtigte oder beabsichtigen wird,  dies zu tun. 

Ich bedanke mich bei dir für diese Frage, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.

Padre Angelo

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