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Frage

Lieber Padre Angelo Bellon,

ich, 45, habe mich erst seit Kurzem wieder dem Glauben genähert, nach Jahren sogenannter “religiösen Lethargie”. Während dieser Zeit hatte ich den Glauben zwar nicht diffamiert, er war mir aber völlig gleichgültig…

Es geschah dann in einer Zeit, in der ich große Angst und Qual durchlebte, dass ich mich schluchzend und außer Atem in der Dunkelheit meines Zimmers wiederfand, und bettelnd um die Hilfe des Herrn und des seligen Johannes Paul II bat…

Von da an empfand ich das Bedürfnis, die Werte und Sakramente des Glaubens nach und nach wiederzuentdecken, „verloren“ wie ich war, in meiner immensen Unwissenheit und geringen „Erfahrung“ im Bereich religiöser Angelegenheiten. 

So habe ich allmählich wieder begonnen, regelmäßig an der heiligen Messe teilzunehmen, mehr zu beten, zur Beichte und zur heiligen Kommunion zu gehen und versuche, auch übers Internet, mir eigenständig Kenntnisse zuzulegen, um das Wort Gottes besser zu verstehen, neu zu erlernen, und so meinen „Hunger nach Gebet und Glauben“ zu „stillen“. 

Gestern während der Predigt sagte der Priester: „Glaube ohne Werke der Nächstenliebe ist toter Glaube.“ Meine Fragen: Tue ich gut daran, im Internet zu recherchieren und alles zu lesen, was mir helfen kann, auf meinem Glaubensweg weiterzukommen? Haben Sie sonst noch Ratschläge?

Außerdem wollte ich fragen, worin in der heutzutage frenetischen und konsumistischen Welt, die Werke der Nächstenliebe bestehen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und grüße Sie herzlich.

Lory


Antwort des Priesters

Liebe Lory,

1. Der Ausdruck „Glaube ohne Werke ist“ tot „stammt vom heiligen Jakobus (Jak 2,26). 

Der heilige Paulus sagt: „der Glaube wirkt durch Liebe” (Kor 5,6). 

2. Die Nächstenliebe bringt die Gegenwart Gottes in die Seele. 

Aus diesem Grund ist die Nächstenliebe das Prinzip des spirituellen Lebens, des Gnadenlebens.

Der heilige Johannes ist in diesem Punkt sehr klar.

Er sagt nämlich: “Gott ist Liebe (Nächstenliebe); wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm” (1 Joh 4,16).

Hier greift der Apostel auf, was er selbst im Dialog beim letzten Abendmahl aus dem Mund Jesu zu hören bekommen hat: “Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen” (Joh 14,23).

Des weiteren: “Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren” (Gv 14,21).

3. Die Todsünde besteht darin, Gottes Willen nicht zu tun und die Gebote nicht zu halten.

Aus diesem Grund führt die schwerwiegende Übertretung eines Gebotes Gottes zum Verlust der Nächstenliebe, des Gnadenzustands.

4. Unter „Nächstenliebe“ sind keine besonderen Werke der Almosengabe zu verstehen (obwohl zweifellos auch diese dazu gehören).

„Nächstenliebe“, auf Griechisch „agàpe“, bedeutet, mit dem Herzen Gottes zu lieben.

Die heiligen Autoren, wenn sie von dieser Art des Liebens sprachen,  verwendeten nicht den allgemeinen Begriff „Liebe“, sondern den Begriff „Agàpe“, was bedeutet, mit dem Herzen Gottes zu lieben.

Der heilige Paulus sagt:”… die Liebe Gottes (griechisch: agàpe, lateinisch: Caritas) ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (Röm 5,5).

5. Im 13. Kapitel des ersten Briefes an die Korinther erklärt der heilige Paulus, wie man konkret mit dem Herzen Gottes liebt.

Dies seine Worte: “Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand” (1 Cor 13,4-7).

6. Also praktizieren wir Nächstenliebe, das heißt, wir lieben mit dem Herzen Gottes, wenn wir geduldig sind, wir nicht in unserem eigenen Interesse handeln, uns nicht rühmen, uns nicht aufbauschen, nicht wütend werden, das Böse anderer abdecken…

Wir sündigen hingegen gegen die Nächstenliebe, wenn wir ungeduldig werden, wütend oder nicht großmütig sind, nicht erdulden, wenn wir tratschen …

7. Wie du siehst, ist es nicht notwendig, das Haus zu verlassen, um Nächstenliebe zu üben. Vielmehr ist es gerade in unserer Familie und in der christlichen Gemeinschaft, der wir angehören, wo die Nächstenliebe beginnt.

8. Es ist vollkommen angebracht, das Internet zu nutzen, um im Glauben zu wachsen. Du solltest jedoch darauf achten, die Zuverlässigkeit der verschiedenen Webseiten zu überprüfen.

Sobald sie ein wenig von der Lehre der Kirche abweichen, lasse es besser sein. Sie bringen dich nur vom rechten Weg ab.

9. Es freut mich sehr, dass Gott auf so außergewöhnlicher Weise in dein Leben eingebrochen ist.

Ich bin sicher, es scheint dir, als wärst du wiedergeboren und dass du alles auf eine vollkommen neue Art und Weise siehst.

Glauben ist, wie der heilige Thomas sagt, dasselbe wie mit Gottes Augen zu sehen!

Und diese einzigartige Gnade hat Gott dir geschenkt.

Ich versichere dir mein Gebet, damit der Herr sie dir bewahrt und immer mehr erweitert.

Ich grüße dich und segne dich.

Padre Angelo