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Frage

Sehr geehrter Pater Angelo Bellon,

ich bin ein frischgebackener Absolvent in Philosophie. Nachdem ich im Forum von Amicidomenicani gelesen habe, dass Sie sich dem christlichen Publikum zur Beantwortung vieler Fragen zur Verfügung stellen, wende auch ich mich nun an Sie, um Ihnen eine Last anzuvertrauen, die ich schon länger mit mir herumtrage, in der Hoffnung, Sie mögen mir verzeihen und beraten.

Meine innerliche aufgestaute Wut ist wahrscheinlich auf eine schlimme Kindheit zurückzuführen, wo, mit Ausnahme meiner Eltern, die meisten Menschen an meiner Seite sich über mich lustig machten, mich wegen meiner Schüchternheit beleidigten und manchmal sogar handgreiflich geworden sind.

Was mich aber am meisten quält, und weswegen ich mich schrecklich weit entfernt von Gott fühle, sind zwei Dinge, die meiner Meinung nach miteinander verbunden sind: mein entsetzlicher Mangel an Liebe… an wahrer Liebe, und eine, mit der Selbstbefriedigung verbundene, sexuelle Entfremdung.

Ich entschuldige mich für das skandalträchtige Thema. Aber ich brauche Ratschläge, wie ich diese sehr schwere Sünde überwinden kann. In meinem Herzen gibt es einen so erbarmungslosen Kampf zwischen Inspirationen, Glauben und Impulsen, dass ich manchmal definitiv in tiefe spirituelle Krisen falle. Lassen Sie mich erklären. Selbst über die Religion hinausgehend, erkenne ich in der Sexualität, in jeder Auffassung davon, eine ursprüngliche und echte Form des Bösen, sowie ich erkenne, dass es eine reine, ewige, unsterbliche Liebe gibt, die Gott entspricht. Ich weiß, dass sich diese Liebe in der ehelichen Liebe, in der Brüderlichkeit, in der Gerechtigkeit und so weiter manifestieren kann.

Aber meine materiellen Impulse ersticken die Seele, versklaven sie und alle meine Bemühungen, bereits im irdischen Leben einen spirituellen Zustand des Glücks und der Erleuchtung zu erreichen, verschwinden – diese Bemühungen betreffen das Studium, die poetische Inspiration, die ich hege, den Durst nach Gerechtigkeit -. 

Und wieso?

Weil ich nicht liebe … nie geliebt habe, denn die Liebe der Christen, Dichter und Philosophen bleibt immer unerwidert, weil ich ein so großes spirituelles Bedürfnis habe, eine Frau an meiner Seite zu haben, dass mich dieses Bedürfnis am Ende zu vulgären Phantasien, zu unreinen Handlungen, zum Lesen von zwar nicht-pornografischen, aber durchaus erotischen Zeitschriften, zu einer Senkung des Selbstwertgefühls, führt. Ich habe alles versucht – das kann ich vergewissern –, um diese Sünde zu überwinden: vom Gebet des Bußaktes bis hin zur Eucharistie, vom Vorsatz, nicht mehr in Versuchung zu geraten, bis zu echten Meineid Schwören … und schändlicherweise gebrochenen Versprechungen an Gott. Alles ist vergeblich und anstatt als Katholik, der sich in Gottes Gnade bewegt, fühle ich mich wie ein Protestant, ein Calvinist, ein von der Hölle vernichteter Mann. Hölle, die Gott für ihn vorherbestimmt hat, denn wenn es mir  trotz Anstrengung  nie gelungen ist über das Fleisch zu triumphieren, kann das auch bedeuten, dass Gott es nicht zulässt, dass Er seine Liebe zu mir abgelehnt hat. Ich möchte nicht lästern aber manchmal überkommen mich solche Gedanken. Und das ist an sich schon eine höllische Folter: die Existenz einer höheren Ordnung anzuerkennen, die Raum, Zeit und Materie transzendiert und zu wissen, dass man sie nie erreichen kann … zu erkennen, dass man ihrer unwürdig ist. Da ich weiß, dass die Hölle eine unglaubliche Entfernung der Seele von Gott ist, wenn meine nicht die Hölle ist, was ist es dann? …. Aber selbst wenn es keine Vorherbestimmung gäbe, wie könnte ich es wagen zu glauben, dass ich Gottes Liebe verdiene, wenn ich den Geist, der in mir ist, mit den zwielichtigen Kräften des Fleisches vernichte?

Deswegen brauche ich Ihren Rat, Ihre Meinung … einen Hoffnungsschimmer.

Ich hoffe, ich habe meine Last und die Finsternis in mir, klar genug dargelegt.

Freundliche Grüße


Antwort des Priesters

Lieber Besucher,

ich entschuldige mich zunächst für die lange Verzögerung, mit der ich dir antworte. Aber die E-Mails, die auf eine Antwort warten, gehen immer in die Hunderte.

1. Als guter Philosoph hast du sofort den Nagel auf den Kopf getroffen, dass sich alles um die Liebe dreht.

In Wirklichkeit ist das Phänomen der Selbstbefriedigung ein typisches Indiz dafür.

Ich glaube jedoch nicht, dass die Anwesenheit einer Frau in deinem Leben dazu führen würde, das Problem wie durch Magie zu überwinden. Vielleicht anfangs schon, aber das zugrunde liegende Problem bliebe ungelöst.

2. Um dieses Problem zu lösen, bedarf es keiner großen Überlegungen, die eines Philosophiewissenschaftlers würdig wären. Diese können irgendwie helfen, das Warum und die Verwüstung dieses Übels zu verstehen, was dir übrigens sehr gut gelungen ist, aber nicht, es zu lösen. 

Letztendlich gibt es viele, die es lösen konnten oder die nicht einmal davon berührt worden sind, auch ohne Philosophen zu sein!

3. Wie oben erwähnt, hast du den Grund dafür erfassen: der Mangel an Liebe.

Du sagst mir dann, dass du es auf viele Arten mit verschiedenen Gebeten und Praktiken versucht hast, aber ohne Erfolg.

Das Heilmittel liegt nur in einem: damit anfangen, Liebe zu zeigen, sich dem Nächsten widmen, in einer alterozentristischen Perspektive zu leben (Ausdruck von Johannes Paul II.).

4. Du musst zuallererst bei dem Gebet beginnen, bei deiner Beziehung zu Gott, um diese Perspektive einzunehmen.

So wie die einzelnen Glieder des Leibes nicht für sich selbst, sondern zum Wohle des Ganzen leben, so lebt auch der Mensch.

Zwar ist der Mensch nicht nur ein untergeordneter Teil des Ganzen, weil er seine eigene Beständigkeit und Subsistenz hat (vgl. die Unsterblichkeit der Seele), sondern er findet seine eigene Vollkommenheit oder Erfüllung nur indem er sich den anderen anvertraut und hingibt, indem er Liebe schenkt.

5. Du bist von Gott berufen, dich durch deine Arbeit am Schöpfungswerk zu beteiligen.

Aber in der Hingabe und Opfergabe deines Lebens und deiner Taten bist du außerdem dazu berufen, auch am Erlösungswerk Gottes mitzuwirken.

Dieser Grund sollte die Motivation sein, den eigenen Pflichten nachzugehen (und das ist höchstwahrscheinlich schon dein Fall), aber auch die Fähigkeit zur Geduld, das Ertragen widriger Situationen, das Hüten der Zunge, das Hören und den Blick zu schulen.

Gibt es einen wichtigeren Grund als das Unbehagen, das du empfindest, das dir aber hilft, widrige Situationen zu ertragen und dich innerlich hinzugeben ohne dich zu beschweren?

Es gibt Seelen, die gerettet werden müssen. Und wenn ich Seelen sage, denke ich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene, die der Gnade bedürfen, um nicht in den Abgrund und in die Sklaverei der Sünde zu verfallen…

Es gibt Sünden, für die man Sühne tun muss. Und wenn ich von wiedergutzumachenden Sünden spreche, denke ich an die sozialen, kirchlichen, kosmischen Auswirkungen und Verwüstungen die jede Sünde mit sich bringt. Wer denkt heute noch daran?

6. Das Gebet hat auch eine außergewöhnliche Wirkung: Es formt unsere Zuneigung und festigt gegen bestimmte Neigungen.

Das bedeutet, dass sich das Gebet dem Leben öffnet und zur Teilnahme auffordert.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt Gerede, das man sich nicht anhören sollte, es gibt Worte, die man nicht weitergeben sollte, es gibt Tatsachen, über die man hinwegsehen muss, kleine Dienste oder Gefälligkeiten, die wir ungefragt leisten können, Pflichten die wir treu einzuhalten haben, innere Inspirationen, die vom Herrn kommen, denen wir umgehend nachkommen müssen, es gibt Versuchungen zu überwinden …

Nun, woher kommt die Kraft, wenn nicht aus unserer Fähigkeit zu lieben?

Und da unsere Liebesfähigkeit nicht immer sehr groß ist und sogar versucht ist, sich auf sich selbst zu beziehen, müssen wir immer die größten und dringendsten Güter im Mittelpunkt unseres Interesses behalten: die Errettung der Menschen, das Abbüßen der Sünden, die Notwendigkeit der Gegenwart der Heiligen in der Kirche und in der Welt von heute …

7. Versuche also, dies zu tun: die Grundeinstellung deines Lebens so zu ändern, dass dein Tag voll von vielen und kontinuierlichen Akten der Liebe und Hingabe ist.

Du wirst bald eine Kraft und auch eine Gnade des Himmels erlangen, die dich dazu bringt, das Problem zu überwinden, das dich beunruhigt und das dich gefesselt hält.

Die sakramentale Beichte wird auch notwendig sein, um mit dem Priester auf dem von dir eingeschlagenen Weg einen kontinuierlichen Dialog zu führen und von ihm kontinuierlich unterstützt zu werden.

Ich versichere dir meines Gebets, das immer danach strebt, sich so weit wie möglich von den Bedürfnissen und Dringlichkeiten der Menschen und der Kirche inspirieren zu lassen.

Ich versichere dir auch meines Gedenkens bei der Darbringung meiner Handlungen an Gott, die auf diese Weise zu Opfern werden, dh zu heiligen Handlungen, die dem Herrn gehören, damit sie aus den Verdiensten Jesu universelle Wirksamkeit erhalten und so allen zugute kommen, eine Wirksamkeit, die für immer und ewig anhält.

Einen herzlichen Gruß und ich segne dich

Pater Angelo