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Frage

Guten Tag Pater,

ich schreibe Ihnen erneut, weil ich ein paar tröstende Worte brauche. Ich habe eine Freundin und liebe sie über alles, versuche, für sie zu leben und mit ihr eine “felsenfeste” Beziehung aufzubauen. In dem Sinne, dass wir keusch leben, oft zusammen beten und uns unendlich lieben. Wir gehen zusammen in die Messe, manchmal sogar unter der Woche und am Donnerstag nehmen wir oft am Kirchenchor teil. Wir beteiligen uns auch an vielen gemeinsamen Aktivitäten außerhalb der Gemeinde, und ich bin sehr glücklich mit ihr. Und doch weiß ich nicht, warum ich Angst habe, sie zu verlieren, andererseits mein Stolz mich jedoch davon ausgehen lässt, dass wir bestimmt heiraten werden.

Vorausgeschickt, dass es mein Traum ist, mit ihr das Sakrament der Ehe einzugehen, wollte ich wissen, ob mein Vertrauen berechtigt ist, in der Annahme dass: „Es reicht, in Keuschheit zu leben und zu beten, um automatisch zur Ehe zu gelangen“. Liege ich damit falsch? Ich würde sie einfach gerne heiraten und mit ihr 90 Jahre alt werden, weil ich sie so sehr liebe.

Allen jungen Leuten, die Ihre tägliche Kolumne verfolgen, möchte ich raten, diesen Weg einzuschlagen. In der Vergangenheit habe ich andere Freundinnen gehabt und falsche Beziehungen aufgebaut, aber in Keuschheit zu leben und eine Person in ihrer Integrität zu respektieren, stellt eine ganz besondere Beziehung her, die es wert ist, gelebt zu werden. Man hat nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen.


Antwort des Priesters 

Lieber Jacopo, 

1. erst heute bin dazu gekommen, deine E-Mail vom vergangenen 3. Oktober zu beantworten und ich bitte dich um Entschuldigung. 

Das Leben in Keuschheit gibt sicherlich mehr Sicherheit für die zukünftige Ehe, weil man sich bewusst ist, dass der Mensch, den man liebt, tugendhaft ist, Herr seiner selbst und seine Gefühle unter Kontrolle hat, anstatt sich von ihnen regieren zu lassen.

2. Darüber hinaus profitieren christliche Verlobte, die sich dem gemeinsamen Gebet widmen und einen guten spirituellen Weg gehen, von einer besonderen Hilfe Gottes: durch die Sakramente und Gnade erhalten sie eine übernatürliche Kraft, die ihnen hilft, treu zu bleiben und ohne es zu ahnen, werden sie von vielen Versuchungen befreit.  

Wenn ihr gemeinsam das VaterUnser betet, sagt ihr zum Schluss: “sondern erlӧse uns von dem Bӧsen”.

Jesus, der Autor des VaterUnsers, ist auch unser Herr, der Eine, der uns als Gott erhört.

Wir können uns daher sicher sein, dass derjenige, der uns gelehrt hat, auf diese Weise zu beten, uns gleichzeitig wachsamer macht, uns aber auch erhört.

3. Mit einem Wort kӧnnte ich sagen, dass zwei christliche Verlobte eine Zustandsgnade genießen.  

In eurem Fall handelt es sich um die Gnade der Verlobung, durch die der Herr euch immer mehr zu einer reinen, heiligen und treuen Liebe befähigt. 

4. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass Tugenden nichts Träges sind, das, wenn man es auf den Tisch legt, dort bleibt, bis man es entfernt.   

Tugenden sind lebende Wesen. Und wie jedes Lebewesen auf dieser Welt brauchen sie Nahrung, um wiederbelebt zu werden. 

5. So liebt auch ihr euch immer mehr, indem ihr eure Erfahrung des Lebens in Christus, miteinander teilt, und euch gegenseitig die wahren Reichtümer schenkt, die das Herz erfüllen.

Auf diese Weise werdet ihr immer schöner und faszinierender und ihr werdet euch immer mehr lieben.

Indem ihr euch gegenseitig mit dem Wort Gottes beschenkt, belebt ihr euch innerlich und erwärmt euer Herz. Ihr spürt, dass euch Jesus durch eure Person liebt und während Er spricht, euer Herz brennen lässt.  

In jenem Moment werdet ihr euch völlig glücklich fühlen, weil ihr spürt, dass gerade euch eine so große und unschätzbare Gnade zuteil geworden ist. 

6. Dieses unendliche Wachstum der gegenseitigen Liebe darf eure Wachsamkeit nicht beeinträchtigen.   

Da wir wissen, dass unser Widersacher wie ein brüllender Lӧwe herumgeht und sucht, wen er verschlingen kann, müsst auch ihr demütig bleiben und dürft euch nicht auf eure Kraft verlassen, sondern daran denken, was der Heilige Geist durch den Mund des heiligen Paulus sagt: “Wer steht, der hüte sich, nicht zu fallen” (1 Kor 10,12).

Gerade diese Demut vermeidet es, eure Liebe und vor allem die schönste Realität, die ihr besitzt, zu vermasseln: Jesus in eurem Herzen.

Ich danke euch für dieses schöne Zeugnis, schließe euch in mein Gebet ein und  segne euch.

Pater Angelo