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Frage

Lieber Pater Angelo,

mein Name ist Marco, ich danke Gott für diese Gnade, uns Priester zu Verfügung zu stellen, die uns ihre Zeit widmen.

Seit ein paar Jahren habe ich den Weg des Glaubens eingeschlagen, nach einem überwältigenden Aufruf des Herrn, der mich dazu veranlasst hat, mich ernsthaft zu Ihm zu bekehren.

Ich lese jeden Tag die Heilige Schrift und versuche täglich an der Heiligen Messe teilzunehmen, obwohl ich nicht immer die Bedeutung der Heiligen Schriften verstehe, wenngleich ich mich immer mehr im Leseverständnis übe.

Aber manchmal gibt es einige Sätze, die der Herr wiederholt, die ich vom theologischen Aspekt her nicht begreifen kann, insbesondere wie im letzten Sonntagsevangelium, dass von den Menschen spricht, die versuchen werden, in das Reich einzutreten, der Herr ihnen aber sagt: “Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! “ Die Tatsache, dass sie rausgeschmissen werden und der Satz “dort wird Heulen und Zähneknirschen sein” sind mir nicht ganz klar: bezieht sich das “Heulen und Zähneknirschen” auf das Fegefeuer oder auf die Hölle?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Marco.


Antwort des Priesters

Lieber Marco,

1. ich teile zutiefst deine Freude, dem Herrn begegnet zu sein und auf seinen Ruf gehört zu haben.

Du antwortest Ihm nicht so sehr mit Seufzern deiner Seele, sondern mit Tatsachen, weil du Ihn gerne jeden Tag bei der Heiligen Messe treffen möchtest, die zweifellos zum höchsten und gewinnbringendsten Moment deines Tages geworden ist.

Dort erwartet dich der Herr jeden Tag und erneuert dich in deinem Herzen und Verstand. Ich bin überzeugt, dass du mittlerweile nicht mehr darauf verzichten kannst.

Dies ist eine der schönsten Gnaden, die du bisher in deinem Leben erhalten hast. Du erhältst jeden Tag neue Erleuchtungen und Inspirationen. Jeden Tag wiederholst du die Erfahrung der Emmausjünger, die zueinander sagten: „Brannte nicht unser Herz in unseren Brüsten, als er mit uns redete?“

Es freut mich auch, dass du jeden Tag die Heilige Schrift liest, denn dies ist auch ein konkreter Weg, dem Herrn zu begegnen. Es ist, als vereinbarest du ein Treffen, wenn du dieses Buch öffnest. Er kommt dir näher und während du  deinen Blick auf das dort Geschriebene richtest, spricht Er zu dir, erweitert deine Intelligenz und bewegt dein Herz.

Das christliche Leben besteht im Wesentlichen aus diesem inneren Leben: aus inneren Erleuchtungen, aus Eifer, aus heiligen Zuneigungen, die sich dann ändern, ohne dass unser Alltag etwas davon mitbekommt.

2. Kommen wir  jetzt zur Erklärung des Verses, den du mir zitiert hast und der zutiefst bedeutungsvoll ist.

Vorab möchte ich für unsere Leser daran erinnern, dass die Rede des Herrn mit der Frage eines Schriftgelehrten begann: ”Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?”

Jesus antwortet, indem er sagt, er solle sich bemühen, durch die enge Tür zu gelangen. Dann warnt er, dass viele versuchen werden, da hineinzukommen, aber es nicht schaffen würden, schon allein deshalb, weil diese enge Tür nicht für immer offen bleibt, sondern zu einem bestimmten Zeitpunkt geschlossen wird. Und dann kann es passieren, dass einige vom Himmel ausgeschlossen werden.

Diejenigen, die zu spät kommen, werden eindringlich anklopfen und den Herrn bitten, ihnen zu öffnen, mit der Begründung, mit Ihm vertraut zu sein („wir haben an Deinem Tisch gegessen und getrunken und auf unseren Plätzen auf Dein Wort gehört“). Aber von innen wird der Herr erwidern: “Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!”

3. Wie du siehst, garantiert der Herr die ewige Erlösung nicht, nur weil wir getauft sind oder an der Messe teilnehmen oder der heiligen Predigt zuhören.

 Ein unersetzliches Element für die Erlösung ist der Gnadenzustand.

Deshalb sagt Jesus nicht:  “Macht was ihr wollt; ihr, die ihr getauft seid, seid euch des Himmels gewiss”.

So mögen vielleicht Muslime denken, die sich sicher sind, dass sie, allein dadurch dass sie Muslime sind, in den Himmel kommen, selbst wären sie die größten Verbrecher dieser Welt oder die verdorbensten Menschen.

So mögen vielleicht Protestanten denken, die sagen: „Der Glaube allein reicht aus. Auch wenn einer die schlimmsten Sünden dieser Welt begeht und in diesen Sünden bis zuletzt ausharrt, allein durch seinen Glauben, ist er gerettet“.

Nein, so hat der Herr sich nicht ausgedrückt.

Der Herr hat nicht gesagt, dass der Glaube ausreicht oder dass es ausreicht, sich taufen zu lassen, um in den Himmel zu kommen. Es ist notwendig, mit Ihm befreundet zu sein. Und Sein Freund ist man, wenn man in Gnade lebt, im Einklang mit Gedanken und Willen, mit einem offenen Herzen für die Liebe Gottes und für die Liebe jedes einzelnen unserer Nächsten.

4. Weg von mir, “dort wird Heulen und Zähneknirschen sein”“: das ist ein Ausdruck, der eindeutig die Hölle andeutet.

Wer ins Fegefeuer geht, wird nicht hinausgeworfen. Diese werden bereits von Gott willkommen geheißen, aber vorerst müssen sie, wenn du mir den Ausdruck erlaubst, im Vorzimmer verbleiben und sicherstellen, dass das Brautkleid, das sie bereits tragen, perfekt und makellos ist, denn „nichts “Unreines” wird in den Himmel kommen“ (Ap 21,27).

Ich wünsche dir, den Weg, den der Herr dir so kraftvoll und mit einem besonderen Zug der Liebe gewiesen hat, weiterzugehen.

Ich versichere dir mein Gebet, grüße dich herzlich und segne dich.

Pater Angelo