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Frage

Hallo, 

mein Name ist …. Zuallererst möchte ich Ihnen zu Ihrem engagierten Dienst gratulieren, den Sie allen, insbesondere aber denen anbieten, die auf der Suche nach Gott sind, nach dem Weg  zu Seiner Liebe, zur Erlangung seiner Barmherzigkeit und damit des ewigen Heils, in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns in einem sehr kritischen und schwierigen Moment der Geschichte des Menschen und seiner Beziehung zu Gott befinden.

Ich hingegen bräuchte einige Klarstellungen/Überlegungen zu einem Problem, über das ich seit einiger Zeit nachdenke und das mich ziemlich beschäftigt …

Eine Verwandte von mir (praktizierende Katholikin, geht regelmäßig jeden Sonntag in die Kirche, zur Beichte und zur Kommunion), lebt seit vier Jahren getrennt und hat sich vor kurzem offiziell scheiden lassen. Sie war kirchlich verheiratet. Da ich die Situation, die zu ihrer Trennung geführt hat, gut kenne, kann ich mit Sicherheit sagen, dass “die Ursache des Vergehens” zu 50% ihrem ungläubigen Ex-Mann zugeschrieben werden muss.

Neulich ist sie eine neue Beziehung mit einem ledigen Mann eingegangen (der schon zwei Lebensgemeinschaften hinter sich hat).

Meine Frage ist nun folgende: leben diese Personen in schwerer Sünde oder nicht?

Und außerdem, wie hat sich des Weiteren ein Katholik (Mann oder Frau) zu verhalten, der in jungen oder auch älteren Jahren Opfer einer Scheidung wird, angesichts der Möglichkeit, eine neue Familie zu gründen? Müssen sie lebenslang Single bleiben?

Vielen Dank im Voraus und bitte beten Sie für alle, die Gottes Barmherzigkeit bedürfen und in ihrem Leben vor schwierigen Entscheidungen stehen.

Danke.


Antwort des Priesters

Lieber Besucher,

1. wenn nach einer gescheiterten Ehe die Partner wieder standesamtlich heiraten, werden sie zunächst von der Kirche aufgefordert, die Gültigkeit ihrer vorherigen, kirchlichen Trauung, zu überprüfen.

Tatsächlich gibt es sehr oft Gründe, welche die Ehe null und nichtig machen.

2. Dies kann durch einen informellen Austausch mit einem kirchlichen Richter erfolgen, um zu prüfen, ob es sich lohnt, ein Verfahren einzuleiten, das zur Nichtigerklärung der Ehe oder zur Auflösung einer ratifizierten und nicht vollzogenen Ehe führt.

Geht man von dieser ersten Herangehensweise zum Urteil des Kirchengerichts über und ist das Urteil günstig für denjenigen, der den Nichtigkeitsantrag gestellt hat, kann man seine Situation auf verschiedene Weise regeln: entweder durch eine sanatio in radice oder durch die Feier des Hochzeitsritus.

3. Handelte es sich hingegen bei der gescheiterten Ehe um ein gültiges Zustandekommen dieser, dann bleibt die einzige Lösung, getrennt oder geschieden zu leben, ohne eine zweite Ehe einzugehen.

Die Trennung oder Scheidung zu akzeptieren und keine neue Ehe einzugehen bedeutet, vor Gott anzuerkennen, dass die Ehe echt ist, und auch dann bestehen bleibt, wenn man getrennt oder geschieden lebt, und niemand auf Erden, nicht einmal der Papst, sie auflösen kann. 

4. Die Worte Jesu lassen keinen Zweifel zu: “Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie männlich und weiblich erschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen ». 

Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: «Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.” (Mk 10,6-12).

5. Viele fragen sich, warum die Kirche Geschiedenen und Wiederverheirateten nicht die heilige Kommunion gewährt, wenn sie wie Ehemann und Ehefrau zusammenleben oder auf die Gewährung dieser Möglichkeit durch einen Papst warten.

Sie bitten im Namen der Barmherzigkeit darum.

Nun, es muss gesagt werden, dass die Kirche wiederverheiratete Geschiedene mit großer Barmherzigkeit behandelt.

Die Barmherzigkeit besteht darin, dass sie nicht exkommuniziert werden, sondern dazu aufgefordert, aktiv am Leben der christlichen Gemeinschaft teilzunehmen, zu beten, karitative Handlungen zu vollbringen, ihre Kinder christlich zu erziehen, die heilige geistliche Kommunion zu empfangen, sich dem Herzen Christi und der Kirche nahe zu fühlen.

Aber die Kirche darf die Worte des Herrn nicht vergessen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch. Und deshalb lebt er oder sie in einer Situation des dauerhaften Ehebruchs.

6. Wenn wir darüber hinaus bedenken, dass durch die heilige Kommunion Kraft gespendet wird um den am Hochzeitstag eingegangenen Verpflichtungen treu zu bleiben, bemerkt man sofort den Widerspruch: in Wirklichkeit leben sie nicht in Übereinstimmung mit den eingegangenen Verpflichtungen.

7. Du fragst mich, ob die korrekte Verhaltensweise nach einer Trennung oder Scheidung einer echten Ehe darin besteht, weiterhin als Single zu leben.

Vielmehr würde ich sagen, dass man in Einheit mit dem Herrn leben muss.

Im Sakrament der Ehe ist die menschliche Liebe nämlich in der Liebe Christi verwurzelt und stellt dessen Erweiterung dar.

Es geht also darum, den Ehepartner, von dem man getrennt oder geschieden ist, weiterhin mit der gleichen Liebe zu lieben, mit der Christus die Kirche liebt.

Und Jesus liebt die Kirche mit unfehlbarer, unermüdlicher Liebe, auch wenn die Kirche oder einige ihrer Mitglieder nicht treu bleiben.

8. Nur wenn wir uns das Ziel der Heiligkeit vor Augen halten und die Tatsache, dass wir hier auf Erden keine dauerhafte Heimat haben, können wir diese Sprache verstehen, die selbst den Aposteln hart erschien, zumal sie, einmal nach Hause zurückgekehrt, den Herrn von Neuem in dieser Angelegenheit befragten. 

Aber der Herr, wie wir festgestellt haben, hat sich klar genug ausgedrückt.

Man könnte sagen, dass er sich für den beleidigten, zurückgewiesenen, geschiedenen Ehepartner eingesetzt hat, der in seinen Rechten verletzt worden ist: “Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.” (Mk 10,10-12)

Ich grüße dich, versichere dir mein Gebet und segne dich. 

Padre Angelo