Frage
Guten Tag, lieber padre Angelo,
ich schreibe Ihnen erneut, nachdem Sie mir schon im Januar eine Frage beantwortet haben.
Ich bedanke mich nochmals für die Hilfe, die Sie durch Ihre Arbeit anbieten.
Diesmal bräuchte ich Ihre Meinung, um mir Klarheit darüber zu verschaffen, wie sich heutzutage ein Laie zu verhalten hat, sowohl im Internet, als auch gegenüber seinen Mitmenschen.
Eine Zeitlang habe ich zunächst einfach zugesehen und abgewartet, dann habe ich aber begonnen, in den sozialen Medien eine aktivere Haltung zum Thema Moral und Ethik der heutigen Welt einzunehmen. Als Bekehrter kann ich bestätigen, dass das Leben ohne Glauben schrecklich ist und wie unbeschreiblich schön es hingegen ist, in Versöhnung mit dem Herrn zu leben.
Obwohl ich kein großer Internet-Fan bin, insbesondere was die verschiedenen Online-Plattformen angeht, muss ich zugeben, dass es uns ermӧglicht, immer über viele interessante Themen informiert zu sein.
Mitunter habe ich in Foren oder auf Facebook-Seiten gepostet, um meine Meinung zu äußern und die Liebe des Herrn und zu seinem Gesetz zu bezeugen, mit dem Ergebnis: ich wurde attackiert und beschimpft, was mich sehr verbittert hat. Indem ich meinen Glauben verbreiten wollte, wurde ich “von den Dornen erstickt oder von den Vӧgeln gefressen”.
Manchmal kam es zu heftigen Diskussionen, auch sei es nur, um nicht zu verschweigen, welche Wahrheiten ein Christ immer im Auge behalten muss.
Leider stelle ich fest, dass manche christlich orientierte Webseiten, oft von Provokateuren ins Visier genommen werden oder von denen, die (hoffentlich unabsichtlich) zu den Versuchern gehören. Jedenfalls bemerke ich eine verbreitete christophobische Stimmung, sowohl im Web als auch auf der Arbeit…
kurzum, fast überall trifft man auf scheinbar ruhige Menschen, die jedoch nicht darauf verzichten, ihre Abneigung gegen die Kirche oder ihren Unglauben gegenüber dem Herrn zu äußern, oft pro Abtreibung, Euthanasie, Ehebruch, Unzucht, Unkeuschheit, Laster, sind …
Ganz ungläubig lese ich manchmal Leserbeiträge auf christlich orientierten Seiten, die sich durch Sensationslust kennzeichnen, wo unter Katholiken Anschuldigungen ausgetauscht werden wie in den schlechtesten Talkshows.
Manche beharren starr auf ihrer Meinung und verurteilen das Verhalten anderer, andere wiederum befürworten Dinge, die noch vor 15 Jahren völlig undenkbar gewesen wären.
Ist denn heutzutage herzloses Verhalten in öffentlichen Beiträgen Synonym für Stärke?
Sind der Wunsch nach friedlichem Zusammenleben oder Gemütsruhe etwa ein Zeichen von Lauheit?
Wenn sich mir die richtige Gelegenheit bietet, versuche ich, meinen Glauben leibhaftig weiterzugeben, aber ich habe das Gefühl, dass dies nicht genug ist und ich mehr tun könnte.
Ich fürchte, dass ich wertvolle Zeit damit verliere, bestimmten Aspekten Aufmerksamkeit zu schenken oder versuche, mich auf bestimmten Websiten immer auf dem Laufenden zu halten. Ich bin mir nicht sicher, ob es für jeden von uns im Internet angebracht ist, seine Zeugenaussage zu hinterlassen, mit dem Risiko, “Provokateure” zu entfesseln, ohne Ergebnisse zu erzielen.
Wie hat sich ein Christ heute in sozialen Netzwerken zu verhalten und wie ist die Reaktion gegenüber denen abzuwägen, die gegen uns sind?
Manchmal liest man blasphemische Äußerungen unter den Kommentaren zu Videos die Glaubensthemen betreffen. Also, was tun: Perlen vor die Säue werfen, Schwert des Wort Gottes, oder sollte man sie ignorieren und abwarten, dass das Feuer von selbst erlӧscht?
Nach Jahren relativer religiöser Überzeugung finde ich nun, dass Laien nicht nur wie Zuschauer dastehen sollten, schon allein daher, weil leider immer weniger Priester im Umlauf sind.
Aber mir ist nicht ganz klar, ob es besser ist, in der Defensive zu stehen, wie es bei vielen Pfarrgemeinden der Fall ist, das heißt, abwarten, bis der Sturm vorbei ist, und versuchen, das Boot irgendwie zu steuern, das manchmal zu kentern scheint, oder auftauchen und sich engagieren, sich der Evangelisierung widmen, und so den Nächsten zur Erettung führen.
Ich danke Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit und schließe Sie in mein Gebet ein.
Antwort des Priesters
Lieber Besucher,
erst heute komme ich dazu, deine E-Mail vom letzten August (2017) zu beantworten.
Ich bitte dich um Entschuldigung.
1. Ich finde es angebracht, dort einzugreifen, wo man dialogbereite Menschen vorfindet.
Denn in diesem Fall ist man bereit, sich ohne Feindseligkeit zu konfrontieren, man respektiert die Ideen anderer, auch wenn man sie nicht teilt, und hat vielleicht sogar den Mut, vorsichtig seine Meinungsverschiedenheit zu äußern.
Der Dialog sollte also immer aufrecht erhalten werden, in dem Moment, wo wir auf Menschen guten Willens treffen.
2. Andererseits, wenn man sieht, dass das Klima aggressiv, intolerant und beleidigend ist, ist es besser, seine Freizeit im Gebet für diese Menschen zu verbringen.
Wir dürfen die Lehre des Herrn nicht vergessen: “Denn darin besteht das Gericht: Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.” (Joh. 3,19-21).
3. Durch diese Worte hat uns der Herr den Grund der Aggressivität einiger Menschen genannt: “Jeder, der Böses tut, hasst das Licht”
Wie du siehst, hat der Herr von Hass gesprochen, einer authentischen Feindseligkeit.
Was ist der Grund für diesen Hass?
Der Hl. Thomas antwortet: “Keiner, der das Bӧse nicht verlassen will, eträgt, getadelt zu werden. Er will dem Vorwurf entgehen und er hasst ihn. Das bestätigt der Prophet Amos, wenn er sagt: “Sie hassen den, der im Tor zur Gerechtigkeit mahnt, und wer Wahres redet, den verabscheuen sie” (Am. 5,10). Im Buch der Sprüche liest man: “Ein Zuchtloser liebt es nicht, dass man ihn rügt, zu weisen Menschen begibt er sich nicht.” (Spr. 15,12).
4. Warum manche die Finsternis dem Licht vorziehen?
Der Hl. Augustinus kommentiert so: “Viele haben ihre Sünden geliebt und viele haben ihre Sünden gestanden.
Wer seine Sünden bekennt und sie verurteilt, der ist schon in Übereinstimmung mit Gott. Gott verurteilt deine Sünden; wenn du sie auch verurteilst, vereinst du dich mit Gott.
Der Mensch und der Sünder sind zwei verschiedene Sachen: der Mensch ist das Werk Gottes, der Sünder ist das Werk von dir selbst, einem Menschen.
Zerstӧre was du gemacht hast, damit Gott rettet, was Er gemacht hat. Es ist notwendig, dass du dein Werk in dir verabscheust, und das Werk Gottes in dir liebst.
Wenn du beginnst, deine Taten zu bedauern, dann beginnen deine gute Taten, denn du verurteilst die schlechten Taten. Die guten Taten beginnen, wenn man die schlechten Taten gesteht. Wenn du die Wahrheit tust, kommst du zum Licht.
Was ich damit meine: wenn du die Wahrheit tust? Damit ist gemeint, dass man sich nicht selbst betrügt, sich nicht schöntut, nicht umschmeichelt; nicht behauptet, Recht zu haben, wenn man schuldig ist. So beginnt man, die Wahrheit zu betreiben, dann kommt das Licht, damit es offensichtlich wird, dass unsere Werke in Gott gemacht wurden.
Deshalb tut es dir um deine Sünde Leid, und es hätte dir nicht Leid getan, wenn Gott dich nicht erleuchtet hätte und Seine Wahrheit es dir nicht offenbart hätte.
Wer aber, nachdem er getadelt wurde, weiterhin seine Sünden liebt, der hasst das Licht, das ihn tadelt, und flieht davor, damit seine bösen Werke, die er liebt, nicht aufgedeckt werden.
Wer hingegen die Wahrheit tut, verurteilt seine schlechten Taten in sich selbst; er verschont sich nicht, vergibt sich nicht, damit Gott ihm vergibt. Er selbst erkennt, was ihm von Gott vergeben werden muss, kommt auf diese Weise ans Licht und dankt ihm dafür, dass es ihm gezeigt hat, was er an sich hassen musste” (Kommentar zum Johannisevangelium 3,20).
5. Tatsache ist, dass einige so hartnäckig das Böse betreiben, dass sie damit prahlen, für das sie sich eigentlich schämen sollten.
Sie sind so in die Finsternis hineingeraten, dass sie sie mit dem Licht verwechseln.
Jegliche Wiedererlangung des Guten scheint unmӧglich und jeder Dialog ist vergeblich.
Christen besitzen aber Geheimwaffen, die besonders mächtig sind und die zweifellos stärker sind als die Mächte der Finsternis.
In seiner Enzyklika Evangelium vitae hat Johannes Paulus II. geschrieben: “Jesus selber hat uns durch sein Beispiel gezeigt, daß Gebet und Fasten die hauptsächlichen und wirksamsten Waffen gegen die Kräfte des Bösen sind (vgl. Mt 4, 1-11), und hat seine Jünger gelehrt, daß manche Dämonen sich nur auf diese Weise austreiben lassen (vgl. Mk 9, 29). Finden wir also wieder die Demut und den Mut zum Beten und Fasten, um zu erreichen, daß die Kraft, die vom Himmel kommt, die Mauern aus Betrug und Lüge zum Einsturz bringt, die die perverse Natur lebensfeindlicher Verhaltensweisen und Gesetze vor den Blicken vieler unserer Brüder und Schwestern verbergen, und ihre Herzen für die Vorschläge und Absichten öffnet, die sich an der Zivilisation des Lebens und der Liebe inspirieren. (EV 100).
Ja, “Gebet und Fasten sind die hauptsächlichen und wirksamsten Waffen gegen die Kräfte des Bösen” (Mt 4,1-11) und “manche Dämonen lassen sich nur auf diese Weise austreiben” (Mk. 9,29).
Das hat auch die Hl. Therese vom Kinde Jesu erfassen, als sie mit einfachen aber klaren Worten schrieb: “Ach, Gebet und Opfer bilden meine ganze Kraft. Sie sind die unschlagbare Waffen, die mir Gott gegeben hat, sie berühren die Seelen mehr als Worte, ich habe es oft erlebt” (Geschichte einer Seele, 315).
Ich wünsche dir, dass du darin umfangreiche Erfahrungen sammeln kannst, versichere dir mein Gebet und segne dich.
Padre Angelo
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