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Frage

Lieber Padre Angelo,

ich lerne gerade an der Uni die evangelische Reformation um mich auf eine Prüfung vorzubereiten,  und möchte Sie um einige Klarstellungen bitten.  Welche wesentlichen Unterschiede gibt es denn eigentlich zwischen Protestanten und Katholiken?

Ich danke Ihnen und grüße Sie ganz herzlich

Andrea


Antwort des Priesters

Lieber Andrea,

man bräuchte einen ganzen theologischen Traktat, um deine Frage ordentlich zu beantworten.  

Protestanten unterscheiden sich von Katholiken praktisch in fast allem. 

Aber die Hauptpunkte sind zwei und beziehen sich auf die Konsistenz der Göttlichen Offenbarung und auf die Art und Weise, Gnade zu verstehen.

1. Denn es gibt einen wesentlichen Unterschied in der Bedeutung der Göttlichen Offenbarung, die für Protestanten mit der nach freier Prüfung ausgelegten Sola Scriptura gleichgesetzt wird.

Obwohl sie selbst die Heilige Schrift aus der Tradition der Kirche erhielten, die vom Lehramt bestätigt worden ist, das authentische Schriften von apokryphen Schriften unterscheidet.

In dieser Hinsicht stehen sie in klarem Widerspruch zu sich selbst.

Im Übrigen steht nirgendwo in der Heiligen Schrift geschrieben, dass das einzige Kriterium das von sola Scriptura ist.

Für Katholiken hingegen, aber auch für Orthodoxen, wurde die göttliche Offenbarung durch die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift vermittelt.

Diese Tradition wird dann vom Lehramt der Kirche sanktioniert, das auf der Heiligen Schrift gründet und von der Heiligen Überlieferung bezeugt wird.

2. Aus diesem Grund wird im II. Vatikanischen Konzil gesagt:  “Es zeigt sich also, daß die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluß Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind, daß keines ohne die anderen besteht und daß alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dienen.” (Dei Verbum, 10).

Und in seinem  Fides et ratio schreibt Johannes Paulus II.: «Nachdem die Konstitution Dei Verbum darauf hingewiesen hat, daß das Wort Gottes sowohl in den heiligen Texten als auch in der Überlieferung gegenwärtig ist, führt sie mit Nachdruck aus: »Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes. Voller Anhänglichkeit an ihn verharrt das ganze heilige Volk, mit seinen Hirten vereint, ständig in der Lehre der Apostel«. Die Heilige Schrift ist daher nicht der einzige Anhaltspunkt für die Kirche. Denn die »höchste Richtschnur ihres Glaubens« kommt ihr aus der Einheit zwischen der Heiligen Überlieferung, der Heiligen Schrift und dem Lehramt der Kirche zu, die der Heilige Geist so geknüpft hat, daß keine der drei ohne die anderen bestehen kann.”  (Fides et ratio 55).

3. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Auffassung der Gnade, die für Protestanten nur ein äußeres Wohlwollen ist, das den Menschen nicht innerlich verwandelt, sondern ihn dauerhaft in der Todsünde belässt und ihn an daran hindert, verdienstvolle Werke zu vollbringen. 

Für Katholiken hingegen, verwandelt die Gnade den Menschen innerlich, indem sie die Sünde auslöscht und am übernatürlichen Leben Gottes teilnehmen lässt, wie der heilige Petrus sagt. (2 Pt 1,4).

Die Gnade ist  “Gottes Same” (1 Joh. 3,9), den das Wohlwollen Gottes in uns legt.

Es handelt sich also um die Ausgießung einer übernatürlichen Realität, einer neuen Schӧpfung, so wie es der Hl. Paulus verstehen lässt, als er sagt : “Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung” (2 Kor. 5,17) aber auch  “Denn seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus zu guten Werken erschaffen” (Eph. 2,10).

Und der Hl. Johannes: “Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden… aus Gott sind sie geboren” (Joh 1,12-13).

Da er ein göttlicher Same ist, muss er zum Keimen gebracht werden, damit er Früchte trägt. 

Wir sollten nicht vergessen, dass der Herr den Mann verurteilt hatte, der das erhaltene Talent nicht investierte (Mt. 25,25).

4. Es besteht ein wesentlicher Unterschied in der Glaubensauffassung, die für Protestanten die reine Erkenntnis ist, dass Gott aufgrund der Verdienste Christi Seinen Plan mit dem Menschen verändert hat, ihn aber nicht zu einem Leben in Übereinstimmung mit dem Evangelium und der Gnade verpflichtet, weil unsere Werke keine Auswirkungen auf unsere ewige Rettung haben.   

Wie der Herr gesagt hat:  “Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut” (Mt 7,21). 

5. Des Weiteren gibt es einen wesentlichen Unterschied in den Sakramenten, welche die Protestanten auf nur zwei reduziert haben (Taufe und Eucharistie) und die ihrer Fähigkeit entleert werden, Gnade zu vermitteln und den Menschen zu heiligen.

6. Folglich besteht auch ein wesentlicher Unterschied bei der Feier des Gottesdienstes, den Protestanten einfach nur Heiliges Abendmahl nennen.  Für sie ist er nicht das Gedächtnis der Passion Christi, so wie die Heilige Schrift ganz klar lehrt : “Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.” (1 Kor. 11,26).

7. Deshalb wird auch die Beichte abgeschafft, weil man ja sowieso immer in der Todsünde verweilt. 

8. Das Weihesakrament wird auch abgeschafft, weil seine Diener keine Gnade vermitteln, kein gӧttliches Leben.  

9. Demzufolge wird auch die hierarchische Struktur der Kirche aufgehoben, während Pastoren beauftragt werden, die sich nicht von den gewöhnlichen Gläubigen unterscheiden, da sie über keine göttlichen Befugnisse verfügen.

10. Die Möglichkeit, den Toten zu helfen, wird auch eliminiert, denn welchen Wert hat denn wohl das Gebet eines Menschen, der in Todsünde verharrt?

11. Das Fegefeuer gibt es auch nicht, denn seine Existenz würde die Mӧglichkeit voraussetzen, dass man für das eigene Heil mitwirken kann.   

12. Folglich wird auch die Heiligenverehrung abgeschafft, denn wie kӧnnten Heilige für uns Fürsprache einlegen oder ein Beispiel für andere sein, wenn auch sie immer sündhaft gelebt haben und alles, was sie getan haben, Todsünde war? Dieser Ausdruck stammt von Martin Luther.

Wir könnten auf ganzer Linie fortsetzen, aber was ich dir gesagt habe, reicht schon mal, um zu verstehen, dass es sich nicht um Kleinigkeiten handelt, besonders wenn man bedenkt, dass die von Gott offenbarten Wahrheiten, heilbringende Wahrheiten  sind.   

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Prüfung, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich. 

Padre Angelo