Frage

Lieber Pater Angelo,

bitte entschuldigen Sie vorab meine unangemessene Ausdrucksweise (ich komme mir vor wie ein Kind zu sprechen, obwohl ich schon 28 bin), aber ich frage mich: können unsere Angehörigen uns von oben aus sehen? Kann es sein, dass sie darunter leiden, wenn sie sehen, dass es uns schlecht geht?

Ist es möglich, dass mein sechsundzwanzig-jähriger Freund, der bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, es bedauert, ein so kurzes Leben gehabt zu haben?

Ich bedanke mich im Voraus VON GANZEM HERZEN für Ihre Antwort.


Antwort des Priesters

Liebe Besucherin, 

um deine Frage angemessen beantworten zu können, müsste man schon einmal im Jenseits gewesen sein.

Niemand kann über etwas sprechen, von dem er weder etwas gesehen noch gehört hat. 

Allerdings kam Jesus vom Jenseits und hat zu uns gesprochen. 

Unsere Antwort bezieht sich daher auf Seine Aussagen.

1. Allein die Heiligen sehen Gott und lesen direkt in Seinen Gedanken.

Allein diejenigen, die in Gott (d. h. im Himmel) sind, können in Gottes Gedanken sehen.

Darüber hinaus können, je nach Verdienst und Grad der Liebe, zwei Dinge in Gott erkannt werden: das eigentliche Wesen Gottes und all die anderen Dinge, die Gott kennt.

Das erste Wissen bildet die wesentliche Herrlichkeit der Gerechten, die im Paradies sind.

Das zweite Wissen ist Teil der akzidentellen Herrlichkeit.

Das Wissen um die Dinge hier auf Erden gehört zu der akzidentellen Herrlichkeit, und jeder genießt sie gemäß dem Grad seines Verdienstes.

Ich hoffe, dein Freund ist bereits im Himmel und erfreut sich auch an diesem Wissen.

2. Abschließend fragst du mich, ob jemand sein kurzes Leben möglicherweise bedauert.

Liebe Besucherin, wer im Paradies ist, hat nichts zu bedauern, denn das Paradies ist ein Ort vollkommenen und ewigen Glücks.

Ein Gefühl des Bedauerns verspüren wir womöglich im Augenblick des Urteils, sobald wir vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen, um unser Urteil entgegenzunehmen.

Und wie ein großer katholischer Schriftsteller sagte: Wenn wir am Ende unseres Lebens eines bedauern werden, dann das, nicht in dem Maße Heilige zu sein, wie Gott es gewollt hätte und es sich von uns erwartete.

Ein Reuegefühl verspüren auch diejenigen, die im Fegefeuer oder in der Hölle sind.

Diejenigen, die im Fegefeuer sind, bedauern es, nicht die Zeit genutzt zu haben, die der Herr ihnen gewährt hatte.

Diejenigen, die in der Hölle sind, bedauern die verpasste Gelegenheit des gegenwärtigen Lebens, als Ursache ihrer endlosen Qualen.

Lass uns gemeinsam beten, dass dein 26-jähriger Freund so bald wie möglich Gottes Angesicht sehen und die Herrlichkeit des Himmels genießen kann.

Ich segne dich.

Pater Angelo

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