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Frage

Guten Tag,

ich bin ein 19-jähriger Junge. In meinem Leben habe ich immer versucht, den Glauben zu behalten und den Idealen zu folgen, die Gott uns gelehrt hat. 

Dabei habe ich oft Fehler gemacht, gelegentlich aber auch Gutes oder Richtiges getan. 

Durch das Gebet habe ich immer versucht, eine Beziehung zu Gott aufzubauen. Ich betete morgens und abends und ging zur Messe.  

Momentan mache ich aber schwierige Zeiten durch: obwohl es mir zwar nicht an Zeit fehlt, finde ich für Gott keine Zeit mehr. Es ist, als hätte ich die Lust verloren, zu Ihm zu beten, Ihm um Hilfe zu bitten oder Ihm zu danken.

Ich “vergesse” das Morgen- und Abendgebet und wenn ich mich daran erinnere, ist das Gebet lau und oberflächlich.   

Wie gesagt, sind dies schwierige Zeiten, ich bin müde, niedergeschlagen, depressiv, traurig. Ich bekomme öfters am Tag Panikattacken und Angstzustände, die mir das Leben schwer machen.

Ich halte mich für dumm, unfähig und frage mich „wozu bin ich da“ oder „ich wäre lieber nie geboren worden“, „ich wäre lieber jemand anders als der, der ich bin“.

Wegen eines Problems musste ich mich im Krankenhaus einer OP unterziehen und eine weitere OP steht noch bevor. Ich fühle mich keiner Sache gewachsen. Ich fühle mich stets unterlegen und minderwertig im Vergleich zu anderen.

Eine große Angst, die jeden Tag mein Herz durchdringt, ist, dass ich früher oder später sterben muss, was ich nicht will, denn so hart dieses Leben auch sein mag, es gefällt mir und sogar sehr.

Ich kann keinen Sinn darin finden, dass am Ende alles zu Ende geht. 

Auch wenn ich an das Leben nach dem Tod denke, macht es mir Angst.   

Der Tod macht mir Angst. Ich habe meine Träume, meine Leidenschaften und möchte sie verwirklichen, habe aber Angst zu scheitern, entweder weil ich nicht gut genug bin oder weil ich sterben werde. Ich würde gerne ohne Sorgen leben.  

Ich bin ein sensibler Mensch. Wenn ich zum Beispiel einen kleinen Jungen sehe, fühle ich mit ihm mit, was der Verlust einer nahestehenden Person für ihn darstellen würde, kurzum, ich leide nicht nur für mich, sondern mit den anderen mit. Ich habe einen großen Traum, und Gott kennt ihn, aber ich möchte jeden Tag glücklich sein und nicht auf diese Sache warten müssen, die mir so wichtig ist und der ich mein Leben widme, um glücklich zu sein.

Ich habe gelesen, dass Gott den Menschen Leid schickt, damit sie Ihm näher kommen aber ehrlich gesagt scheint es mir furchtbar dumm und sinnlos. 

Warum hat Er kein Mitgefühl und vor allem, warum greift Er nicht ein, um den Kindern zu helfen, die jeden Tag sterben. Wo war Er während der Geschehnisse in Auschwitz ?  

Ich denke, Gott lässt der Natur freien Lauf, ohne einzugreifen. 

Außerdem glaube ich, dass der Tod am Kreuz nicht der grausamste Tod auf dieser Welt ist. Es gibt Menschen, die 5 Jahre lang gegen Krebs kämpfen und diesen Kampf verlieren oder über Jahre hinweg bettlägerig sind, wo das einzige, was sie sehen, das Fenster eines Krankenzimmers ist. 

Es gibt zu viel Leid.

 Zu einfach, so die Rolle Gottes zu spielen…

Entschuldigen Sie, wenn ich zu viel Ihrer Zeit in Anspruch genommen habe.

Freundliche Grüße


Antwort des Priesters

Lieber Besucher,

1. “Zu einfach, so die Rolle Gottes zu spielen…”.

So beendest du deine E-Mail, in der von Anfang bis Ende viel Leid durchscheint, weil es so aussieht, als würde Gott nicht zuhören und nicht zugunsten der Leidenden und Unschuldigen eingreifen.

Du sagst dann, die Lust am Beten verloren zu haben.  

Du schreibst nämlich: “Momentan mache ich schwierige Zeiten durch: obwohl es mir zwar nicht an Zeit fehlt, finde ich für Gott keine Zeit mehr. Es ist, als hätte ich die Lust verloren, zu Ihm zu beten, Ihm um Hilfe zu bitten oder Ihm zu danken”.

Vielleicht liegt gerade in den letzten Worten deines Satzes der Kern des Problems: „Es ist, als hätte ich die Lust verloren, zu Ihm zu beten, Ihm um Hilfe zu bitten oder Ihm zu danken”.

Es ist eine Vorstellung von Gott, die nicht die Richtige ist: Er wird nur angerufen, wenn man sich Seine Hilfe erwartet oder um zu danken.  

Offensichtlich auch, um Seine Hilfe zu bekommen. 

Aber ist das der Grund, warum Gott uns erschaffen hat?

Hat er deshalb zu uns gesprochen?

Ist das der Grund, warum er gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist?

2. Ich glaube, dass deine Krise sehr gelegen kommt. 

Ich neige sogar zu der Annahme, dass sie von Gott selbst hervorgerufen wurde, damit du dir ein richtiges Bild von Ihm machst und folglich den Sinn des Lebens verstehst.

Die Wahrheit des Lebens kann nur im Licht Gottes verstanden werden, besser gesagt des wahren Gottes.

Denn oft machen sich die Menschen ein Bild von Gott, das nicht der Wahrheit entspricht.

3. Wozu hat Gott uns also geschaffen?

Jesus hat den Grund der  Schöpfung und Erlösung ganz deutlich mit den folgenden Worten zum Ausdruck gebracht: “Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; weil du mich schon geliebt hast vor der Grundlegung der Welt” (Joh. 17,24).

4. Das Zweite Vatikanische Konzil, das sich mit dem Grund der Offenbarung Gottes an die Menschen befasst, offenbart auch den Grund, warum Gott sie erschaffen hat: “um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen” (Dei Verbum 2).

Daher sagt der heilige Thomas, dass Menschen und Engel die einzigen Geschöpfe sind, die von Gott für sich selbst gewollt und regiert werden,  während die anderen Geschӧpfe zu derem Vorteil geschaffen worden sind. Tatsächlich liebt Gott den Menschen nicht einfach so, wie der Handwerker sein eigenes Artefakt liebt, sondern wie ein Freund einen Freund liebt, weil er will, dass das, was seine Herrlichkeit und Glückseligkeit ausmacht, auch die Herrlichkeit und Glückseligkeit des Menschen ausmacht (Hl THOMAS, Summa contra gentiles, III, 112, 7; II Sent. d. 26, I, I, ad 2).

5. Was in deiner E-Mail fehlt, ist also die Perspektive einer übernatürlichen Ordnung, die sich aus der Offenbarung Gottes an die Menschen ergibt, die des Glaubens, die uns das Leben aus einer ganz anderen Perspektive betrachten lässt, nach Gottes Horizont.  

Die Frage: Wo war Er während der Geschehnisse in Auschwitz? ist eine heidnische Frage.  

Es ist die Frage derer, die bereit sind, Gott für die von den Menschen verursachten Verbrechen verantwortlich zu machen.

Ich könnte sagen: Wo waren die Menschen, als man in Deutschland während des Nationalsozialismus General Ludendorf, der mit seiner Frau eine der dechristianisierenden Strömungen anführte, sagen lies: „Mit aller Kraft meiner germanischen Seele hasse ich das Christentum, diese Religion des Ostens, die von einem jungen idealistischen Juden gepredigt wird und in der das jüdische Alte Testament, obwohl überarbeitet, immer noch ein verhasstes und verächtliches Werk bleibt. Alle Leiden des deutschen Volkes, das Zwielicht der Geschichte, sind der jüdischen Rasse und dem Christentum zuzuschreiben, das sich daraus entwickelte.” (vgl. I. GIORDANI, Die sozialen Enzykliken der Päpste, s. 506)?

I. Giordani kommentierte: “Das ist der Grund, der den zweiten Weltkrieg ausgelӧst hatte, der dem deutschen Volk und allen das ……. Glück bescherte, das wir alle kennen: diese Anti-Christen waren auch die größten Sammler militärischer und politischer Katastrophen” (ebd.).

6. Hör zu, was hingegen die heilige Katharina von Siena gesagt hat, die sich stets bemühte, die Ereignisse des Lebens mit den Augen des Glaubens zu lesen, das heißt, nach Gottes Blick und nicht mit der menschlichen Kurzsichtigkeit. 

“Manchmal lässt Gott Trübsal zu, damit wir erkennen, dass wir alles, was wir besitzen, Leben und Gesundheit, Frau und Kinder, Reichtum, Stellung und weltliche Freuden, nicht als unser Eigentum besitzen, sondern als Dinge, die Gott uns zum Gebrauch geliehen hat, und als solche müssen wir sie benutzen. Das wird uns klar, wenn wir bedenken, dass alles, was uns gehört, uns auch wieder weggenommen werden kann, außer der Gnade Gottes. (…).

Ihr seht also, dass Gott aus Liebe Trübsal zulässt, damit wir mit männlichem Herzen schnell von den weltlichen Sachen Abstand nehmen, und mit Herz und Zuneigung mehr nach unsterblichen Gütern suchen und die Erde mit all ihrem Gestank verlassen.

Denn wir sind nicht dazu geschaffen, uns von der Erde zu ernähren, sondern sie als Pilger zu bewohnen, damit wir immer mannhaft auf unser Ziel, das ewige Leben, zulaufen, ohne auf dem Weg anzuhalten, wegen des Wohlstand oder dem Vergnügen, das die Welt uns geben wollte.”  (Brief an Marco Bindi, Händler; L 13).

7. “Was Gott uns in diesem Leben gibt oder zulässt, sei es Mühsal oder Trübsal oder Angst, Er tut alles, um uns zum höchsten Gut zu führen, und damit wir unser Wohl in Ihm und nicht in der Welt suchen.   

Tatsächlich ist es weder in der Welt noch in ihren Reichtümern oder Zuständen und Freuden zu finden, sondern es gibt Bitterkeit und Traurigkeit und Entbehrung der Gnade für diejenigen, die solche Dinge außerhalb des Willens Gottes besitzen.

Deshalb lässt Gott Trübsale zu einem guten und vollkommenen Zweck zu.

Aber der von Leidenschaft geblendete Mensch hält das Gute für das Böse, und die Schuld, durch die er von Gott und dem Leben in Gnade getrennt wird, scheint er nicht für etwas Böses zu halten: aber so betrügt er sich selbst.” (Brief an Misser Ristoro Canigiani; L 301).

8. Die Hl. Katharina berichtet auch, was Gott selbst ihr über das Trübsal im Leben gesagt hat: “Weißt du, was ich tue, wenn meine Diener sich dem wahren Weinstock angeschlossen haben, um der Lehre des süßen und liebevollen Wortes zu folgen?

Ich beschneide sie, damit sie viel Frucht bringt (Joh. 15,2) und damit ihre Frucht geprüft ist und nicht wild wächst; Ich mache es wie mit der Rebe, die mit dem Weinstock verbunden ist. Der Arbeiter beschneidet ihn, damit er besseren und reichlicheren Wein ergibt; und was keine Frucht bringt, schneidet er ab und legt es ins Feuer: So tue ich, ein wahrer Arbeiter.   

Meine Diener, die in mir sind, beschneide ich durch viele Trübsale, damit sie reichere  und bessere Früchte tragen und ihre Tugend bewährter wird” (24. Dialog).

9. Und zuletzt: “Gott ist ein gerechter und barmherziger Arzt, Der uns die nӧtigen Medikamente gegen unseren Gebrechen gibt. (…).

Er gibt sie jedem durch das Feuer der gӧttlichen Liebe, wie es unsere Wunden brauchen.  

Manchmal entzieht Er uns Blut, wenn Er uns die Dinge wegnimmt, die unserer Gesundheit schaden und zwischen Gott und uns stehen. So lässt Er bei einigen zu, dass ihnen ihre Kinder weggenommen werden, anderen zeitliche Güter, die Gesundheit oder ihre soziale Stellung. (…).

Und das tut Er nicht aus Hass, sondern aus einzigartiger Liebe: Er beraubt uns der vergänglichen Freuden im irdischen Leben, um uns in vollem Maße die Güter des Himmels zu gewähren” (Brief an Matteo di Giovanni Colombini; L 48).

10. Deshalb ist deine Krise zu begrüßen.

Der Herr ruft dich auf, auf deinem Glaubensweg einen Sprung nach vorne zu machen und ermutigt dich, die Ereignisse des Lebens unter einem neuen Blickwinkel zu beurteilen, nämlich dem von Gott selbst.

Und dann wirst du nicht mehr lange zögern, die Bedeutung jener Worte zu verstehen, die der Herr so oft wiederholt hat: “Die Letzten (für die Welt) werden die Ersten  (für Gott),  und die Ersten (für die Welt) die Letzten (für Gott) sein”.

Damit du diesen Sprung bald schaffst und trotz allem dem Leben gelassener und optimistischer entgegen siehst, versichere ich dir mein Gebet und segne dich.

Pater Angelo