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Frage

Lieber Pater Angelo,

ich würde gerne wissen, ob der vom heiligen Alfons Maria von Liguori  geprägte Leitsatz, letzten Endes immer stimmt, nämlich: wer betet, wird sicher gerettet; wer nicht betet, geht sicher verloren.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, ich warte geduldig auf Ihre Antwort.

Ich gedenke Ihrer im Gebet.


Antwort des Priesters

Lieber Leser,

1. da das Ende des christlichen Lebens darin besteht, Gott zu besitzen, wie Unser Herr sagte, als er beteuerte: “Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus” (Joh 17,3). Es versteht sich von selbst, dass ein solches Ziel nicht erreicht werden kann, wenn man nicht mit Ihm vereint ist.

So wie man sich fortbewegen muss, um an einen bestimmten Ort zu kommen, gilt dasselbe auch für den Besitz Gottes.

In unserem Fall handelt es sich nicht um körperliche Bewegung, obwohl beispielsweise beim Besuch der heiligen Messe auch dies erforderlich ist, sondern eher um Akte des Geistes und unserer Zuneigung.

Gregor der Große sagte, dass die Menschen in dieser Welt sich Gott mit Schritten oder Taten der Liebe nähern (gressibus amoris).

2. Dies ist für niemanden unmöglich. Auch ein Gelähmter kann diese innere Bewegung seiner Seele bewältigen.

Der heilige Augustinus hat Recht, wenn er sagt: “Gott befiehlt nichts Unmögliches, sondern wenn Er befiehlt, dann mahnt Er, zu tun, was man kann, und zu erbitten, was man nicht kann, und Er hilft, dass man kann” (De natura et gratia, 43, 50).

3. Aber das Gebet, bevor man von Verpflichtung spricht (nur diejenigen, die ziemlich vom Herrn entfernt sind, empfinden es als Verpflichtung), ist ein Bedürfnis unserer Seele.

In seinem Kommentar zur Regel sagt der hl. Benedikt, dass „das Gebet immer für die Gesundheit der Seele ebenso notwendig ist wie das Atmen für das Leben des Leibes“.

Atmen ist eine erzwungene Handlung nur für diejenigen, die in Lebensgefahr schweben. In dem Fall hilft man ihnen mit Sauerstoff oder sogar mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung.

4. Nur Verstorbene haben kein Bedürfnis mehr zu atmen.

Auf gleiche Weise können wir sagen, dass jeder, der nicht betet und nicht das Bedürfnis verspürt, zu beten, geistlich tot ist, so dass „letzten Endes“, um deinen blumigen Ausdruck zu verwenden, das gilt, was der heilige Alfons Maria von Liguori  in diesem schönen Büchlein mit dem Titel “Die Macht des Gebetes” geschrieben hat: “Wir wollen nun dieses erste Kapitel beschließen, indem wir aus allem, was bisher gesagt wurde, die Folgerung ziehen, dass derjenige, der betet, gewiss selig wird und wer nicht betet, ganz gewiss verloren geht (Die Macht des Gebetes, 1,1).

5. Der heilige Alfons fährt dann weiter fort “Alle Seligen im Himmel, die unmündigen Kinder ausgenommen, sind durch das Gebet selig geworden.

Alle Verworfenen sind zugrunde gegangen, weil sie nicht gebetet haben; hätten sie gebetet, so wären sie nicht zugrunde gegangen.

Und nichts wird in der Hölle ihre Qual und ihre Verzweiflung höher steigern als der Gedanke, dass sie sich durch ein so leichtes Mittel hätten retten können, da es nichts bedurft hätte, als Gott um seine Gnaden zu bitten, dass aber diese Gnadenzeit für immer vorüber und dass für sie keine Zeit mehr sei, Gott um Gnaden anzurufen.” (Ib.).

6. Wir verstehen also, warum Johannes Paul II. sagte, dass bei denen, die wenig oder schlecht beten, der Glaube gefährdet ist.

Geschweige denn, wenn man überhaupt nicht betet.

Das hier sind die genauen Worte des Heiligen Papstes: “Aber man ginge fehl, würde man annehmen, die gewöhnlichen Christen könnten sich mit einem oberflächlichen Gebet zufrieden geben, das ihr Leben nicht zu erfüllen vermag.

Besonders angesichts der zahlreichen Prüfungen, vor die die heutige Welt den Glauben stellt, wären sie nicht nur mittelmäßige Christen, sondern ‘gefährdete Christen’.

Denn sie würden das gefährliche Risiko eingehen, ihren Glauben allmählich schwinden zu sehen. Schließlich würden sie womöglich dem Reiz von „Surrogaten“ erliegen, indem sie alternative religiöse Angebote annehmen und sogar den seltsamen Formen des Aberglaubens nachgeben.” 

(Novo millennio ineunte 34). 

Ich wünsche dir, dass du immer diese Herzensliebe für unseren lieben Herrgott empfindest. Ich gedenke deiner im Gebet und segne dich.

Pater Angelo