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Frage

Sehr geehrter Padre Angelo,

vor ein paar Tagen haben mir einige Protestanten erzählt, dass Jesus uns darum gebeten hat, nur in unserem eigenen Zimmer zu beten und nicht an einem  ӧffentlichen Platz, wo man von Allen gesehen wird. 

Sie haben mir folgende Stelle aus Matthäus 6,6 zitiert: “Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten”.

Sie haben mich auch gefragt: “Warum hat man euch beigebracht, dass es besser ist, in der Kirche zu beten, dass dies der am besten geeignete Ort wäre? Damit auch dein Pfarrer dich sieht und er sich über dich freuen kann!”.

Sie haben mir auch gesagt, dass die Juden im Alten Testament zum Beten in den Tempel gingen, weil Gott sich dort finden ließ  (vgl.  Hannah in 1. Sam. 1,9).

Aber im Neuen Testament hat Jesus der samaritischen Frau gesagt:  “Weder in Jerusalem, noch auf diesem Berg! Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten” (Joh.  4).

Deshalb gibt es keinen heiligen Ort mehr, an dem man beten kann, aber man muss in Harmonie mit dem Geist Gottes sein, um zu beten.  Der richtige Ort sei, laut Jesus, das Schlafzimmer! Wo dich keiner sieht, und Gott auf dich hört.

Außerdem haben sie mir gesagt, dass der Herr uns lehrt, zu wem wir beten sollen: und zwar zum Vater. Während wir Katholiken zu den Heiligen, und zur Muttergottes und ihrer zahlreichen Bezeichnungen beten.

Katholiken würden auch behaupten, dass man zur Muttergottes beten soll “weil sie eine weibliche Figur ist, eine Mutter, die unsere Probleme besser versteht…”.   Und sie haben hinzugefügt: “Brauchen wir eine Gӧttin? Ist Gott etwa männlich?”  Unser Herr Jesus Christus lehrt uns, zum Vater zu beten!

Sie haben mir auch gesagt, dass all diese Dinge auf ihrer Internetseite geschrieben stehen und dass, wenn der Herrgott Papst wäre, Er sagen würde: “Bete nicht mehr zur Muttergottes, sondern zu deinem Vater!”

Nun, wie Sie sehen, findet ihre heftige Kritik an der katholischen Kirche, dem Heiligen Vater, der Jungfrau Maria, in einigen Versen des Evangeliums, “anscheinend” Bestätigung.   

Ihre Kritik richtet sich daher letztlich gegen den Wert, den die katholische Kirche der Tradition beimisst. Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege.

Padre, ich bitte Sie aus ganzem Herzen, diese berüchtigten Thesen zu widerlegen, die mich krank machen.   

Bitte, antworten Sie mir! Ich bin mir sicher, Ihre Antwort wird mich noch mehr in meinem Glauben stärken.

Einen lieben Gruß

Titti


Antwort des Priesters

Liebe Titti,

die Protestanten  (oder, besser gesagt, einige von ihnen) fokussieren sich auf einen Vers aus der Heiligen Schrift und vergessen den Rest. 

Ich beantworte ihre Kritik Punkt für Punkt. 

1. Jesus hat privat aber auch ӧffentlich gebetet. 

Jedes Jahr ging er mit seinen Eltern über die Feiertage in den Tempel: ”Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.” 

(Lk. 2,41.42).

Jesus hat ӧffentlich gebetet, als er am Kreuze die Worte der Psalmen wiederholte:  “In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist” (Ps. 31,6),  Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen” (Ps. 22,1).

Jesus hat mit den Aposteln gebetet, als Er sie das “Vater Unser” gelehrt hat.

Beim letzten Abendmahl, nachdem er die letzte große Rede vor den Aposteln gehalten hatte, erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: “Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht” (Joh.  17,1).   Und er setzte sein langes Gebet vor allen fort.  

Hat sich Jesus hier vielleicht widersprochen?

Nach der Auferstehung Christi, oder besser gesagt, nach Pfingsten, “gingen Petrus und Johannes  zur Gebetszeit um die neunte Stunde in den Tempel hinauf” (Apg. 3,1).

Haben also auch Petrus und Johannes einen Fehler gemacht?

In der Apostelgeschichte lesen wir:  “Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.” (Apg. 2,42). Das heißt, dass die ersten Christen auch gemeinsam beteten, nicht nur in ihrem eigenen Zimmer..

In der Apostelgeschichte lesen wir an vielen Stellen, dass sie  gemeinsam beteten.

Beten die Protestanten selbst, auch wenn sie sonntags an ihrem Gottesdienst teilnehmen, in ihrem Zimmer?

2. Vor allem müssen wir bedenken, dass Jesus mit seiner Bitte, im Zimmer zu beten, sich auf das heuchlerische Verhalten der Pharisäer bezieht, die Er gerade im vorherigen Vers zurechtweist “Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler! Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.” (Mt 6,5).

Nun siehst du, wie klug diese Protestanten sind.  Da kommen sie mit ihrem Zitat von Mt 6,6 daher, ohne anzugeben, in welchem Kontext Jesus gerade spricht, sie lassen dich nicht lesen, was Er im vorherigen Vers gesagt hat.  

Es stellt sich die Frage, ob das einfach aus Unwissenheit geschieht.  

3. Tatsache ist, (die katholische Kirche lehrt dies seit jeher) dass das was zählt, nicht der Ort ist, wo wir beten, sondern wie wir beten. Was zählt, ist das Gebet, das aus einem reinen und versӧhnten Herzen heraus kommt.

Gebetsstätten sind wichtig, um die betende Gemeinschaft zu versammeln und die notwendige Konzentration zu begünstigen. 

Es muss auch gesagt werden, was wir  überall Gott in Geist und Wahrheit anbeten und unser Handeln zu einem gottgefälligen Opfer machen müssen.

4. Die Protestanten behaupten fälschlicherweise, Katholiken würden aus der Muttergottes eine Gӧttin machen.    

Gibt es vielleicht ein einziges Dokument im Lehramt der Kirche, das Maria nicht als Geschöpf bezeichnet, sondern sie zu einer Göttin macht?

Sie argumentieren: wenn ihr zur Muttergottes betet, dann macht ihr aus ihr eine Gӧttin, weil Jesus gesagt hat, dass wir zu Seinem Vater beten sollen!

An dieser Stelle sei daran erinnert, welche Rolle Jesus seiner Mutter gegeben hat.  Hat Er denn am Kreuz nicht Johannes gebeten, sich Maria anzuvertrauen und Maria darum, sich um Johannes zu kümmern?

Stellt denn Johannes, dessen Namen verschwiegen wird, und der als der Jünger bezeichnet wird, den Jesus liebte, nicht jeden von uns dar?

Und hat Maria, seit sie in den Himmel gekommen ist, vielleicht gerade aus diesem Grund, aufgehӧrt zu lieben?

Marias Mutterschaft ist universell und bleibt für ewig.  Maria ist ein Geschenk, das Jesus allen überreicht hat. 

Ich halte es für selbstverständlich, dass Maria vom Himmel aus ihre Mutterschaft fortsetzt und dass wir uns von der Erde aus an eine so große und mächtige Mutter wenden.  

5. Die katholische Kirche weiß, dass nur Gott angebetet wird, denn Er allein ist Grund der Gnade und Herrlichkeit. 

Und sie lehrt, dass die  Gebete zu den Heiligen als Fürsprache an Gott zu verstehen sind.  

Daher richtet sich das Gebet letztlich immer an Gott.

Sagt die Kirche etwa nicht: “Heilige Maria, bete für uns”? Und so weiter in allen Marianischen Litaneien?

6. Was das Gebet an die Heiligen anbelangt, hat Gott selbst uns befohlen, auf ihre  Gebete zu verweisen.

So machte er es mit Hiobs Freunden, als er sagte: ”O nehmt nun sieben Jungtiere und sieben Widder, geht hin zu meinem Knecht Ijob und bringt ein Brandopfer für euch dar! Mein Knecht Ijob aber soll für euch Fürbitte einlegen, denn auf ihn nehme ich Rücksicht, sodass ich euch nichts Schlimmes antue, denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Ijob.” (Hiob. 42,8).

Und Hiob ist nicht der einzige, der bei Gott Fürsprache einlegt.  

Haben etwa nicht auch Abraham für Sodom und Gomorra Fürsprache eingelegt  (1.Mose 18-22-32; 20,7)?  Haben etwa nicht auch Moses (2.Mose.  32,11), Samuel (1. Sam 7,5, 12,19), Amos (Am 7,2-6), Jeremia (Jer 11,14; 37,3; 2 Mac 15,14)  Fürsprache eingelegt?

Und wenn die Menschen schon an die Gebete der Gerechten appelliert haben, können sie sich dann nicht auch an die Gebete derjenigen wenden, die Er uns selbst als Mutter gegeben hat?

7. Zum Schluss sagen sie noch, dass sich die Katholiken an Maria wenden,  “weil sie eine weibliche Figur ist, eine Mutter, die unsere Probleme besser versteht……”.

Was ist das für ein Unsinn! Wo würden Katholiken diese Dinge sagen?

Katholiken wissen sehr gut, dass unsere Gebete und auch die der Heiligen nicht dazu dienen, Gott unsere Nöte mitzuteilen. Gott weiß alles, noch bevor wir Ihn um etwas bitten.  

Aber wir sind überzeugt, dass wir es nicht wert sind, von Gott erhört zu werden.  Das Gebet zu den Heiligen lässt uns vor Gott demütig sein, und erinnert uns daran, dass wir versuchen müssen, sie nachzuahmen und ernsthaft nach Heiligkeit zu streben.

8. Wie du siehst, sind die Gründe des katholischen Glaubens gut fundiert. 

Ehrlich gesagt, stammen diese Motivationen nicht nur von der katholischen Kirche, sondern auch von den orthodoxen Kirchen.

Warum sagen die Protestanten immer wieder: “die katholische Kirche sagt …”?  Warum sagen sie nicht: “Alle anderen Christen außer uns, sagen…”?

9. Wenn der Herrgott Papst wäre,  würde Er das Gleiche sagen, was der Papst sagt.   Ihm hat er nämlich Unfehlbarkeit im Glauben und in der Lehre versprochen: “Simon, Simon, siehe, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf.  Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder! “” (Lk. 22,31-32).

Jesus hat nicht den Protestanten den Auftrag gegeben, uns im Glauben zu bestärken, sondern er hat ihn Petrus gegeben!

Den Protestanten garantierte Christus nichts. Petrus hingegen garantierte er viel.

Daher liebe Titti, bete für sie, damit sie sich ihrer Irrtümer und Blindheit bewusst werden und sie bereuen.

Gerne schließe ich mich deinem Gebet an.  Ich segne dich.

Padre Angelo