Lieber Padre Angelo,

ich bin ein sechzehnjähriger Junge und wollte Sie schon seit einiger Zeit fragen, ob es  wichtig ist, jeden Sonntag an der Hl. Messe teilzunehmen und sich nicht einfach mit einem Gebet zu begnügen.

Vielen Dank.

Alberto


Lieber Alberto,

die Hl. Messe ist nicht irgendein Gebet. Wäre es das, hättest du recht. Ich möchte dir in zehn Punkten alle, in der Messe enthaltenen, Schätze aufzählen, für die es sich lohnt, am größten Werk der Geschichte teilzunehmen. 

Hier sind sie.

1. Die Hl. Messe ist die Verewigung des Kreuzesopfer Christi auf unseren Altären.

In der Hl. Messe wird das von Jesus für uns vollbrachte Opfer am Kreuz vergegenwärtigt.

Auf unseren Altären verewigen wir seinen erlösenden Tod, sein Sühnopfer.

Unmittelbar nach der Konsekration, sprechen wir diese Worte aus: “Wir verkünden deinen Tod, Herr …”.

Das Kreuz Christi hat es ermöglicht, dass die Welt, mit all ihren Sünden, nicht in dem Nichts versinkt , dem sie entnommen wurde.

Von daher die Aussage des Hl. Pater Pio von Pietrelcina, die Welt könne eher ohne Sonne bestehen, als ohne das heilige Messopfer.

Wir können Gott kein Gebet, kein Lob, kein größeres Opfer geben als das, was Christus in unseren Händen gelassen hat: sein Opfer am Kreuz.

2. Durch das Messopfer werden wir von vielen Übeln befreit.

Das Opfer Jesu wurde im Alten Testament durch das Lamm vorgezeichnet, das die Juden in der Nacht aßen, als sie Ägypten verließen.

Mit dem Blut dieses Lammes färbten sie auf Gottes Befehl die Türen ihrer Häuser und blieben durch dieses Blut vom Todesengel verschont.

Die Heiligen Väter kommentierten: Wenn aufgrund des Blutes von einem Lamm, das nur ein Symbol für das Blut Christi darstellte, die Juden vom Todesengel verschont blieben, von wie vielen Übeln der Seele und des Körpers werden wir denn dann befreit, wenn man bedenkt, dass hier nicht vom Symbol des Blutes Christi die Rede ist, sondern von seinem eigenen Blut?

3. In der Messe genießen wir Seine wirkliche Gegenwart, dank derer wir uns im Gebet 

mit den Verdiensten Seines Leidens und Todes vereinen, die während der Konsekration verewigt werden.

Don Bosco sagte einmal zu seinen Jungen: „Wisst ihr, wann der Herr am meisten unsere Gebete erhört? Während der Konsekration! “

Der heilige Pfarrer von Ars sagte, wenn wir während der Wandlung für eine bestimmte Person beten, sendet der Heilige Geist in diesem Moment Strahlen und Lichter, um das Herz und den Geist der Person zu berühren, für die wir gerade beten.

Diese Person können auch wir selbst sein.

Nun verstehst du, dass niemand dies alles von sich selbst tun kann. Es braucht den Priester, weil nur der Priester die Macht hat, zu konsekrieren. Jesus sagte zu den Aposteln: “Tut dies zu meinem Gedächtnis”. Und das passiert in der Messe.

4. Bei der Messe kann man die heilige Kommunion empfangen

Jesus sagte: “Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm”. Kommt es dir wenig vor, dass Gott in uns lebt? 

Der heilige Paulus sagte: “Wenn Gott mit uns ist, wer wird gegen uns sein?”

Eine Heilige unserer Zeit (Hl. Faustina Kowalska) hörte den Herrn zu ihr sagen:

“Wenn ich für die heilige Kommunion in dein Herz komme, sitze ich dort wie auf einem Thron der Gnaden und sage ununterbrochen zur Seele: bitte um soviel, wie du willst” 

Wie du siehst, kann man dies nur bei der Messe erleben.

5. Bei der Messe lehrt uns Gott durch Sein Wort und Seine Lehre

Er weiß, wohin er uns führen muss, er weiß, welches Licht unser Geist braucht.

Es muss auch gesagt werden, dass der Herr, während er spricht, sich nicht damit zufrieden gibt, uns nur zu erleuchten, sondern gleichzeitig alles, was er uns sagt, in unser Herz einfließen lässt, weil sein Wort wirksam, lebendig und schärfer ist als ein zweischneidiges Schwert.

Jesus sagte: “Ihr seid rein, durch das Wort, das ihr gehört habt.”

Und sicherlich reinigt sein Wort unseren Geist von so viel Dreck und reinigt auch unser Herz.

6. Bei der Messe versammelt sich die Kirchengemeinschaft und wird sichtbar gemacht.

Kirche zu sein ist nicht nur eine innere Tatsache. Wir sind geistig miteinander verbunden und zeigen vor der Welt, dass wir ein Körper sind.

Gleichzeitig erinnern wir alle (auch jene, die nicht zur Messe gehen), schon allein durch unsere Anwesenheit, dass der Sinn unseres irdischen Lebens darin besteht, eine Pilgerreise zum ewigen Leben zu unternehmen, und dass wir hier kein dauerhaftes Zuhause haben. 

Unser auf dem Weg sein, erinnert uns daran, dass wir unsere Nahrungsvorräte auffüllen müssen, um unterwegs nicht zu versagen.

7. Bei der Messe, besonders sonntags, möchte der Herr uns alles geben, was er den ersten Brüdern am Tag der Auferstehung gegeben hat: seine Gegenwart, sein Wort, seine Freude, seinen Geist.

Wenn Christen von der Messe zurückkehren, fühlen sie etwas in ihrem Herzen. Sie verlassen die Kirche nicht auf dieselbe Weise, wie sie sie betreten haben: Sie wurden mit der Kraft Seiner Auferstehung ausgestattet (was am ersten Tag nach dem Sabbat geschah), erhielten Seinen Geist (“Empfangt den Heiligen Geist!” Joh 20,22), Seinen Frieden (“Friede sei mit euch!” Joh 20,19), Seine Freude (“Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen” Joh 20,20).

8. Bei der Messe werden wir auf die Bedürfnisse der Brüder aufmerksam gemacht.

Für Christen ist seit apostolischen Zeiten die sonntägliche Versammlung ein Moment des brüderlichen Austauschs mit den Ärmsten. Der Hl. Paulus sagt: “Jeder soll immer am ersten Tag der Woche etwas zurücklegen und so zusammensparen, was er kann  (1 Kor 16,2).

Ausgehend von der Sonntagsmesse beginnt eine Welle der Nächstenliebe, die unsere Lebensweise als Christen belebt und uns eine Vielzahl von Gnaden anzieht.

9. In der Messe machen wir aus unserem Leben ein Opfer für Gott, in Vereinigung mit dem Opfer Jesu.

Im Offertorium werden Gott nicht nur ein wenig Brot und ein paar Tropfen Wein angeboten. Brot und Wein sind Zeichen einer viel wichtigeren Darbringung: die unseres ganzen Lebens. Ein Opfer zu bringen bedeutet, eine Realität heilig zu machen, sie in Gottes Dienst zu stellen und sie in unser eigenes Leben zu übertragen.

Was gibt es größeres, als aus unseren armseligen Handlungen etwas Heiliges zu machen, sie in die Welt Gottes zu übertragen und ihnen einen universellen und ewigen Wert zu geben?

Was wir Gott in Vereinigung mit dem Opfer Jesu anbieten, wird allen und für alle Ewigkeit zur Verfügung gestellt. Was im Wunder der Brotvermehrung geschah, wird hier immer wieder wiederholt.

Welch unschätzbaren Wert die heilige Messe mit sich bringt! Sie kommt allen zugute. In diesem Sinne sagen die Gläubigen: “Der Herr nehme das Opfer an aus deinen Händen  zum Lob und Ruhm seines Namens,  zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche“.

10. Bei der Messe bekommen wir Gottes Segen.

Von Anfang an lesen wir in der Heiligen Schrift, dass Gott den siebten Tag gesegnet und geweiht hat (Jo 2,3).

Nun ist der Segen, den Gott uns auch durch die Hand des Priesters gegeben hat, nicht nur ein Wunsch, sondern ein Verströmen von Gaben, er ist wirksam und irreversibel. 

Also, lieber Alberto, in dies allem besteht meine Antwort.

Ich danke dir für deine Frage und hoffe, dass die Antwort deine Teilnahme an diesem, dem höchsten und fruchtbarsten Akt unserer christlichen Religion, überzeugender macht. Ich versichere dir mein Gebet und segne dich.

Padre Angelo

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