Frage

Hochwürdiger Pater,

ich habe einige Fragen zum Kreuzzeichen:
1.) Warum „machen wir das Kreuzzeichen“? Wir tun es mehrmals am Tag (vor dem Gebet, beim Betreten der Kirche, zu Beginn der Heiligen Messe, bei der Segnung und anderem). Wir sind seit unserer Kindheit daran gewöhnt, und daher geschieht es fast automatisch.
2.) Welche Bedeutung hat es? Ist es richtig oder falsch, die Geste als Zeichen der Öffnung zu betrachten (= ich öffne die Tür, um aus der Welt hinauszugehen und in Kontakt mit Gott zu treten)?
3.) Seit wann ist das Kreuzzeichen in der täglichen Praxis bekannt?

Ich danke Ihnen für Ihre stets erhellenden Antworten, und möge Gott Sie segnen.
CARLO


Antwort des Priesters

Lieber Carlo,

  1. Das Kreuzzeichen ist das Symbol Christi und kennzeichnet wie ein Siegel die Inbesitznahme unsererseits durch Jesus, den Heiland. Es ist das Zeichen des Christen. Es ist das erste Zeichen, das wir zu Beginn des Taufritus auf die Stirn empfangen.
    Mit dem Kreuzzeichen werden wir getauft: das Wasser wird nämlich dreimal unter Kreuzzeichen über uns gegossen.
    Das Kreuzzeichen zu machen entspricht also einem Glaubensbekenntnis.
    Der heilige Augustinus schreibt: „Wenn man zu einem Katechumenen sagt: Glaubst du an Christus?, antwortet er: Ja, ich glaube, und macht das Kreuzzeichen“ (Tract. in Joan. II,3). Der Katechismus der Katholischen Kirche besagt, dass „Das Kreuzzeichen zu Beginn der Feier zum Ausdruck bringt, daß Christus dem, der ihm angehören soll, sein Zeichen aufprägt. Es bezeichnet die Erlösungsgnade, die Christus uns durch sein Kreuz erworben hat“ (KKK 1235).
  2. Durch das Kreuz hat Christus uns erlöst, uns der Herrschaft des Teufels entrissen, ihn besiegt und begonnen, ihn auszutreiben. Deshalb sagt der heilige Thomas, dass es das triumphale Zeichen des Sieges Christi über die Dämonen ist. Daher wird es angemessen verwendet, um die Dämonen zu besiegen, insbesondere bei Exorzismen und um Versuchungen und Unheil fernzuhalten. Der KKK sagt: „Das Kreuzzeichen stärkt uns in Versuchungen und Schwierigkeiten“ (KKK 2157).
  3. Da Christus uns durch das Kreuz alle Gnaden, die wir brauchen, teuer erkauft hat, spendet die Kirche ihre Segnungen (ihre Ausgießung von Gaben und Gnaden) mit dem Kreuzzeichen. Der heilige Leo der Große sagt: „Das Kreuz ist die Quelle aller Segnungen und die Ursache aller Gnaden“ (Serm., 59,7).
    Daher ist Segnen dasselbe wie ein Kreuzzeichen zu machen und das Sprechen eines Gebetes. In der Regel wird das Kreuzzeichen mit den Worten „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ begleitet.
    Deshalb „beginnt der Christ seinen Tag, seine Gebete und seine Werke mit dem Kreuzzeichen «Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen». Als Getaufter weiht er den Tag der Ehre Gottes und ruft die Gnade des Erlösers an, die es ihm ermöglicht, im Heiligen Geist als Kind des Vaters zu handeln“ (KKK 2157).
  4. Die drei Hauptbedeutungen des Kreuzzeichens sind also: die Zugehörigkeit zu Christus zu bekennen, die Vergegenwärtigung unserer Erlösung, um Dämonen und Unglück fernzuhalten sowie Quelle von Gnaden und Segnungen zu sein.
  5. Es ist schwierig, genau sagen zu können, wann es eingeführt wurde. Sicher ist, dass um das Jahr 200 das Kreuzzeichen in der ganzen Kirche gebräuchlich war und bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten gemacht wurde. Origenes schreibt: „Das Alte Testament lehrt, dass der Buchstabe Thau (Ez 9,4) eine Darstellung des Kreuzes ist und eine Vorankündigung dieses Zeichens, das bei den Christen auf die Stirn gezeichnet wird und das die Gläubigen vor jeder Arbeit und besonders beim Beginn der Gebete und der heiligen Lesungen machen“ (vgl. Monum. Eccl. liturgica, 1369). Und Tertullian (Ende des zweiten Jahrhunderts) sagt: „Bei jedem Anfang, bei jeder Bewegung, beim Hineingehen und Herausgehen, beim Anziehen, beim Baden, beim Hinsetzen zum Tisch, beim Anzünden der Lampen oder beim Zubettgehen; beim Hinsetzen und bei jeder Gelegenheit zeichnet man das Kreuzzeichen auf die Stirn“ (vgl. Monum. Eccl. liturgica, 1809).
  6. Schon zu dieser Zeit wird das Kreuzzeichen als wesentlicher Ritus bei der Firmung verwendet und wird bald in allen liturgischen Riten seinen Platz haben. Der heilige Augustinus schreibt: „Wenn dieses Zeichen nicht auf die Stirn der Gläubigen gesetzt wird, oder auf das Wasser, das sie wiedergeboren macht, oder auf das Öl, mit dem sie wie mit einem Chrisam gesalbt werden, oder auf das Opfer, von dem sie sich nähren, wird nichts davon regelgerecht vollzogen…; es ist durch das Kreuz Christi, dass uns jedes Gut ‚übergeben‘, das heißt geschenkt wird“ (Tract. in Joan. II,8,5).
  7. In den ersten Zeiten handelte es sich nur um das „kleine“ Kreuzzeichen, das mit einem Finger (selten mit mehreren Fingern) der rechten Hand in Form eines T oder eines + gemacht wurde. Im Mittelalter, nach dem 9. Jahrhundert mindestens, machte man dieses Zeichen (und segnete damit die Dinge) mit drei Fingern zu Ehren der Dreifaltigkeit. Wann das „große“ Kreuzzeichen eingeführt wurde, lässt sich nicht genau sagen; es ist aber bereits im 11. Jahrhundert als private Andachtsübung nachweisbar.

Ich segne dich jetzt aus der Ferne mit dem Kreuzzeichen, um jede Widrigkeit von dir fernzuhalten und dich mit allem Guten zu erfüllen. 

Ich versichere dir auch mein Gebet.
Pater Angelo

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