Frage
Lieber Pater Angelo,
ich schreibe Ihnen, weil ich gerade eine schwere Zeit durchmache.
Vor einigen Tagen habe ich einen Priester aufgesucht, um meine Beichte abzulegen. Mein Glauben und also meine Beziehung zu Gott befindet sich in einer etwas schwierigen Phase, und alles wurde noch dadurch verstärkt, dass der Priester mir nicht die Absolution erteilt hat, weil ich mit meinem Partner zusammenlebe, ohne Hochzeitsplanung.
Ich weiß, dass nach der katholischen Lehre Paare, die in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft leben, nicht das Recht haben, die Eucharistie zu empfangen, aber trotzdem hat mir die Begegnung mit dem Priester viel Schmerz bereitet, und durch die Worte des Priesters fühlte ich mich Gott gegenüber unwürdig.
Ich dachte, dass sich ein kleiner Lichtblick aufgetan hätte, auch dank der Worte von Papst Franziskus gegenüber zusammenlebenden Paaren, aber offensichtlich habe ich seine Worte missverstanden.
Ich danke Ihnen.
Daniela
Antwort des Priesters
Liebe Daniela,
- es geht nicht darum, Türen zu öffnen, sondern zu verstehen, was Sakramente sind und wofür sie da sind.
Das Sakrament der Beichte oder der Versöhnung drückt die Reue des Beichtenden aus, über seine Sünden und die Bereitschaft, sein Leben zu ändern und den Herrn nicht mehr zu beleidigen. - Wer unverheiratet zusammenlebt, verhält sich in Bezug auf die Sexualität nicht, wie es dem Plan Gottes entspricht.
Das Zusammenleben ist ein Zeichen von Unsicherheit. Es ist Ausdruck der Unsicherheit, sich für immer hinzugeben.
In einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft ist man in gewisser Hinsicht auf Probe. - Aber die sexuelle Beziehung, auf der das Zusammenleben beruht, deutet an sich auf etwas Größeres hin: Sie drückt den Willen aus, sich selbst für immer zu verschenken, für immer dem anderen anzugehören.
In der Tat setzt sie bereits eine Übergabe oder eine Enteignung des einen an den anderen voraus. Das geschieht im Moment der ehelichen Zustimmung.
Andernfalls ist es eine Täuschung. - Dies gilt umso mehr, weil das Zusammenleben in der Regel den zeugungsfähigen Aspekt ausschließt, der dem eigentlichen Zweck des Geschlechtsverkehrs innewohnt.
Auch dies ist auf seine Weise eine Verfälschung von Gottes Plan für die menschliche Liebe und Sexualität.
Johannes Paul II. sagte: „Während die geschlechtliche Vereinigung ihrer ganzen Natur nach ein vorbehaltloses gegenseitiges Sich-Schenken der Gatten zum Ausdruck bringt, wird sie durch die Empfängnisverhütung zu einer objektiv widersprüchlichen Gebärde, zu einem Sich-nicht-ganz-Schenken.
So kommt zur aktiven Zurückweisung der Offenheit für das Leben auch eine Verfälschung der inneren Wahrheit ehelicher Liebe, die ja zur Hingabe in personaler Ganzheit berufen ist“ (Familiaris Consortio 32c). - Nun, jemand, der mit jemandem zusammenlebt, kann zur Beichte gehen, aber nur, um zu sagen, dass er bereut, was er getan hat, und dass er bereit ist, sein Verhalten zu ändern.
Wenn er mit diesen Voraussetzungen zur Beichte geht, kann er vom Priester freigesprochen werden. - Aber wenn die in einer eheähnlicher Beziehung lebende Person beichten geht, und nicht über diese Voraussetzungen verfügt, was bringt es dann zu beichten?
Das Sakrament der Beichte ist das sichtbare Zeichen unserer Umkehr zu Gott und unserer Bereitschaft, unser Leben zu ändern. - Es kann auch vorkommen, dass der Konkubinatspartner sagt, dass er seinen Schritt bereut, dass er entschlossen ist, enthaltsam zu leben, dass es aber im Moment schwierig oder unmöglich ist, das Zusammenleben zu beenden.
In diesem Fall könnte der Priester die Absolution erteilen, mit der Ermahnung, die heilige Kommunion nicht in der vertrauten Pfarrkirche zu empfangen, wo man sich kennt, um keine Verwirrung und keinen Skandal unter den Gläubigen zu stiften, die (insbesondere die schwächeren) denken könnten, dass die nichteheliche Lebensgemeinschaft eine gute Sache sei, auch weil es den Zugang zu den Sakramenten ja nicht ausschließe. - Papst Franziskus sagt, dass wir auch den Zusammenlebenden nahe sein sollen, um ihre Liebe reifen zu lassen und sie auf die Ehe auszurichten, vor allem, wenn in einer solchen Lebensgemeinschaft auch Kinder geboren werden.
Hier die Worte von Papst Franziskus: „All diese Situationen müssen in konstruktiver Weise angegangen werden, indem versucht wird, sie in Gelegenheiten für einen Weg hin zur Fülle der Ehe und der Familie im Licht des Evangeliums zu verwandeln.
Es geht darum, sie mit Geduld und Feingefühl anzunehmen und zu begleiten. Das tat Jesus mit der Samariterin (vgl. Joh 4,1-26): Er sprach ihre Sehnsucht nach wahrer Liebe an, um sie von allem zu befreien, was ihr Leben verfinsterte, und sie zur vollen Freude des Evangeliums zu führen” (Amoris laetitia, 294). - Deshalb würde ich in deiner derzeitigen Situation von dem ausgehen, was ich unter Punkt 7 gesagt habe.
Auf diese Weise öffnest du dich Gott, indem du in seiner Gnade lebst.
Das ist das Wichtigste, wofür sich jedes Opfer lohnt, besonders wenn es um Sünde geht. - Auch hier gilt, was Jesus in der Bergpredigt gesagt hat: „Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 30 Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt“ (Mt 5,29-30).
Hier kann unter Auge oder rechter Hand auch eine sexuelle Beziehung außerhalb der Ehe verstanden werden.
Deshalb fang mit dem an, was ich dir gesagt habe.
Der Herr gibt denen Kraft, die ihn darum bitten.
Ich erbitte sie für dich, indem ich dir mein Gebet versichere.
Ich segne dich.
Pater Angelo
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