Frage
Ich freue mich immer, Ihre Antworten auf die unterschiedlichsten Fragen zu lesen, und danke Ihnen herzlich für Ihre am 11. Februar veröffentlichte Antwort über die Kirche und ihre gegenwärtige Situation; aber der Grund, warum ich Ihnen schreibe, ist ein anderer, und ich entschuldige mich im Voraus für die Länge.
In meiner Jugend, während eines Urlaubs mit Freunden, hat jemand eine spiritistische Sitzung vorgeschlagen.
Damals glaubte ich überhaupt nicht an diese Dinge, die ich für einen Witz hielt, aber ich machte trotzdem mit; auf dem Tisch wurden Buchstaben des Alphabets ausgelegt und ein Gegenstand, an den ich mich nicht erinnere, bewegte sich als Antwort auf die Fragen des Gastgebers; der ‘Geist’ nannte sogar seinen Namen…
Ehrlich gesagt, musste ich lachen, denn ich fand das Ganze ziemlich blöd, aber ich machte mit, das war eben meine Dummheit! Irgendwann bat das Medium den hypothetischen Geist, eine Person zu wählen, und in diesem Moment blieb der Gegenstand genau vor mir stehen; und die Sitzung war zu Ende.
Damals hat mich die Tatsache, von einem hypothetischen Geist „auserwählt“ worden zu sein, ein wenig beunruhigt, aber dann beschloss ich, der Sache keine weitere Bedeutung mehr beizumessen.
Seit ich nun den Rosenkranz bete, stelle ich jedoch fest, dass eine der wohltuenden Wirkungen darin besteht, dass fast ohne mein Zutun Tatsachen und Erinnerungen über früheres sündhaftes Verhalten, das ich nie gebeichtet habe, wieder auftauchen.
Nun zu meiner Frage: Habe ich gesündigt, indem ich an dieser spiritistischen Sitzung teilgenommen habe?
Und außerdem: Sollte ich mir Sorgen darüber machen, dass dieser hypothetische Geist mich „auserwählt“ hat?
Vielen Dank, Herr Priester; seien Sie immer gesegnet und ich danke Gott dafür, dass ich die Amici Domenicani getroffen habe.
Mit freundlichen Grüßen
Maria Giuditta
Antwort des Priesters
Liebe Maria Giuditta,
- die Geisterbeschwörung ist wie jede andere Form der Wahrsagerei in der Heiligen Schrift strengstens untersagt.
So heißt es z.B. in Levitikus 19,26: „Wahrsagerei und Hellseherei sollt ihr nicht treiben, und auch in Lev 19,31: „Wendet euch nicht an die Totenbeschwörer und sucht nicht die Wahrsager auf; sie verunreinigen euch. Ich bin der HERR, euer Gott”.
Der Herr weist in Lev 20,6 auch auf das Übel hin, das durch diese Praktiken angerichtet wird: „Gegen einen, der sich an Totenbeschwörer und Wahrsager wendet, um ihnen nachzuhuren, richte ich mein Angesicht und merze ihn aus seinem Volk aus“.
Diese Worte, die eine ausgesprochen anthropomorphe Bedeutung haben, bedeuten, dass man sich durch diese Praktiken dem segnenden Antlitz und dem Schutz des Herrn entzieht, indem man sich implizit dem Teufel ausliefert, der, wenn er kommt, kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten” (Joh 10,10). - Diese strenge Belehrung, die die ganze Liebe Gottes zum Menschen zum Ausdruck bringt, damit er sich nicht seinem Widersacher ausliefert, klingt auch in Dtn 18,10-12 nach: „Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt. Denn jeder, der so etwas tut, ist dem HERRN ein Gräuel. Wegen dieser Gräuel rottet sie der HERR, dein Gott, aus”.
Ein Gräuel zu sein bedeutet, verworfen zu werden.
Obwohl nun geschrieben steht, dass man dem Herrn ein Gräuel ist, muss man doch sagen, dass Gott niemanden verwirft. Es sind immer nur die Menschen, die sich von ihm ausschließen.
Wenn man das tut, was der Herr einem strikt verbietet, begeht man in der Tat eine Apostasie, eine Abkehr, um sich dem Widersacher auszuliefern. - Es ist wahr, dass man oft, wie in deinem Fall, eine bestimmte Praxis als blöd, unbedeutend oder sinnlos beurteilt. Aber währenddessen öffnet man demjenigen die Tür, dem sie perfekt verschlossen bleiben muss, damit er uns nicht schadet.
Wenn man Gift trinkt und denkt, es ist Rosolio, führt das auch zum Tod. Es reicht nicht aus, etwas für blöd zu halten, um es tun zu dürfen. Dahinter könnte sich eine Falle verbergen. - Nun, die Geisterbeschwörung ist immer dasselbe wie die Dämonenbeschwörung. Als Saul zur Pythonin von Endor ging, um den inzwischen verstorbenen Samuel zu befragen (vgl. 1 Sam 28,7-25), erschien eine Gestalt, die Samuel glich. Diese prophezeite auch, dass Saul die Schlacht verlieren würde, was auch eintraf. Für Augustinus ist der Schatten Samuels jedoch eindeutig auf das Eingreifen des Teufels zurückzuführen.
- Petrus warnt uns, auf der Hut zu sein, denn unser Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann (1 Petr 5,8).
Er verschlingt sogar durch scheinbar unbedeutende Praktiken oder sogar gute Taten, um Informationen über die Zukunft zu erhalten oder um von einem Übel geheilt zu werden. - Der heilige Kirchenvater Cyprian sagt, dass sich Dämonen in den Statuen der Götter verstecken, die Eingeweide von Opfern beleben, Wahrsager inspirieren und den Flug der Vögel lenken (PL 4, 574).
Und der heilige Augustinus: “Wenn wir diese Wunder leugnen wollen, widersprechen wir der Wahrheit der heiligen Schrift, an die wir glauben… Der Dämon wird nicht wie ein Tier durch Nahrung angezogen, sondern wie ein intelligenter Mensch durch ein Zeichen” (PL 41, 716). - Es war also ein Fehler, sich an der spiritistischen Sitzung zu beteiligen. Es mag zwar stimmen, dass deinerseits die volle Erkenntnis fehlte. Aber so wie jemand, der aus Versehen Gift trinkt, auch vergiftet wird, so hast auch du dir durch die Teilnahme an dieser Sitzung selbst geschadet. Gott sagt in der Heiligen Schrift: „Wer sündigt, schadet sich selbst“ (Spr 8,36).
Es bleibt also nichts anderes, als auf die Barmherzigkeit des Herrn zu vertrauen, indem du dich dem Sakrament der Beichte näherst und dort das Geschehene bekennst. Im Sakrament der Beichte lässt Gott seine Gnade dort überfließen, wo man sich ihr durch die Sünde entzogen hat.
Mit dem Wunsch, dass die Gnade über dein Leben fließt, segne ich dich und gedenke deiner im Gebet.
Pater Angelo
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