Lieber Padre Angelo,

wer Ihnen schreibt, ist ein Junge, der noch die Oberschule besucht. Ich möchte Ihnen ein paar Fragen stellen, die mich beschäftigen und auf die ich deshalb gerne eine Antwort hätte.

Mir ist nicht ganz klar, was Gott von Homosexuellen hält – ob wir alle Kinder Gottes sind; ob es Gottes Wille ist, dass eine Person homosexuell auf die Welt kommt; ob sie Ihm willkommen sind, vorausgesetzt, sie haben keinen Geschlechtsverkehr; ob die Zeugnisse von Homosexuellen wahr sind, die behaupten, sich durch Konversion und Gebet von ihrer Orientierung befreit zu haben; dann, ob es Sünde ist, Gay su sein, wenn man nicht Geschlechtsverkehr praktiziert; homosexuelle Phantasien zu haben, ohne sie jedoch auszuüben; ob Gay Gottes würdig sind. Vor allem aber möchte ich, dass Sie mir den zweiten Brief des Heiligen Paulus an die Korinther erklären, in dem gesagt wird, dass Gott sie in schändliche Leidenschaften dahingegeben hat, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht erben werden und dass diejenigen, die so ungerecht waren – wie die der Heilige Paulus aufzählt –, im Namen Jesu rein gewaschen, geheiligt und gerecht geworden sind.

Des weiteren möchte ich, dass Sie mir Aufschluss darüber geben könnten, was die Sodom-Sünde ist und letztendlich, was zu tun ist, sollte man sich selbst homosexuell entdecken? Keusch leben, beten…

ich hätte gern, dass Sie mir diese Fragen in derselben Reihenfolge beantworten, in der ich sie gestellt habe. Vielen Dank im Voraus für Ihre Hilfsbereitschaft.


Lieber Leser,

ich werde versuchen, alle deinen Fragen kurz zu beantworten.

Die Antwort steht in Kursivschrift.

1. Mir ist nicht ganz klar, was Gott von Homosexuellen hält

Er hält sie für Menschen, die man, wie alle anderen auch, lieben soll.

Christus hat sich, ohne Unterschied, bis zum Ende, für alle hingegeben.

2. Ob wir alle Kinder Gottes sind

Diese Formulierung ist ziemlich zweideutig. Aus biblischer und theologischer Sicht wird man nämlich nicht als Kind Gottes geboren, sondern man wird es im Laufe des Lebens. Und man wird es in dem Moment, wo man das heilige und übernatürliche Leben Gottes in sich aufnimmt.

Das sagt das Evangelium: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12).

Im vollen Sinne sind Kinder Gottes daher alle diejenigen, die zum übernatürlichen Leben der Gnade erweckt worden sind.

Das schließt nicht aus, dass Gott einen jeden wie ein Vater liebt, weil er alles tut, was in seiner Macht ist, damit jeder Mensch sein heiliges Leben in sich aufnehmen kann.

Wenn du hingegen mit “Kinder Gottes” meinst, dass wir alle Geschöpfe Gottes sind, das sind wir dann alle vom ersten Augenblick unserer Existenz an.

Aus biblischer und theologischer Sicht ist das Konzept der göttlichen Sohnschaft jedoch viel prägnanter und unabhängig vom Geschlecht und der sexuellen Neigung.

3. Ob es Gottes Wille ist, dass eine Person homosexuell auf die Welt kommt

Über die Entstehung der Homosexualität sind sich selbst die Wissenschaftler nicht einig.

Auf jeden Fall ist die Aussage, dass “ein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird”, nicht korrekt.

Wäre die Entstehung der Homosexualität genetischer Natur, könnte man sagen, Gott lässt dies zu.

Aber es ist falsch zu sagen, dass Gott es will.

4. Ob sie Ihm willkommen sind, vorausgesetzt, sie haben keinen Geschlechtsverkehr

Ja, Ihm sind alle diejenigen willkommen, die Sein heiliges Leben in ihren Herzen aufnehmen, das heißt, wenn sie in der Gnade leben.

Das gilt nicht nur für Homosexuelle, sondern für alle.

Daher können auch diejenigen, die homosexuelle Neigungen haben, Heilige und sogar große Heilige werden.

5. Ob die Zeugnisse von Homosexuellen wahr sind, die behaupten, sich durch Konversion und Gebet von ihrer Orientierung befreit zu haben

So wie du die Frage formuliert hast, stimmt diese Aussage nicht.

Viele Homosexuelle, die sich bekehrt haben, bleiben nämlich trotzdem bei ihrer Neigung.

Die homosexuelle Neigung schließt jedoch die Aufnahme des heiligen Lebens Gottes im Herzen nicht aus.

6. Ob es Sünde ist, Gay su sein, wenn man nicht Geschlechtsverkehr praktiziert

Laut  Kirchenlehre ist die homosexuelle Neigung eine Unordnung, aber nicht sündhaft.

Dies gilt nicht nur für die homosexuelle Neigung, sondern für jede andere Neigung. Nur Taten sind Sünden.

7. Ob es Sünde ist, homosexuelle Phantasien zu haben, ohne sie jedoch auszuüben

Sicherlich ist es nicht Gottes Wunsch, aber es kann sich auch nur um einen Trieb, eine Neigung oder um eine Versuchung handeln.

Es hängt alles von der Reaktion der Person ab.

8. Ob Gay Gottes würdig sind

Zur Wiederholung: Wenn sie das heilige Leben Gottes in sich aufnehmen, sind sie willkommen, wie alle anderen Menschen, die in Gnade leben.

Es gibt keinen Unterschied aufgrund der sexuellen Neigung.

9. Vor allem aber möchte ich, dass Sie mir den zweiten Brief des Heiligen Paulus an die Korinther erklären, in dem gesagt wird, dass Gott sie in schändliche Leidenschaften dahingegeben hat.

Zuallererst handelt es sich nicht um den zweiten Brief an die Korinther, sondern um den Brief an die Römer.

Außerdem spricht der Heilige Paulus von denen, die Gott nicht anerkennen wollten, obwohl sich Seine Existenz und einige Seiner Vollkommenheiten in den Werken manifestieren, die Er getan hat.

„Er hat sie verlassen“: das heißt, er erlaubte ihnen, sich von Ihm zu entfernen.

Aber sich selbst Gottes zu berauben ist wie sich selbst seines Zentrums, seines Schwerpunkts zu berauben. Wenn nun die Zentrifugalkraft nicht durch die Zentripetalkraft ausgeglichen wird, kommt es zu vielen Katastrophen.

Und diese Katastrophen sind vom Heiligen Paulus erwähnt worden: „Und da sie es nicht für wert erachteten, sich gemäß ihrer Erkenntnis an Gott zu halten, lieferte Gott sie einem haltlosen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört: Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern, sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen“ (Röm 1, 28-31).

10. Dass die Ungerechten nicht das Reich Gottes erben werden 

Der Heilige Paulus erklärt es in 1 Kor 6,9. Mit seinen Worten erinnert er uns daran, dass Ungerechtigkeit eine schwere Sünde ist.

Der Grund: weil sie direkt der Nächstenliebe widerspricht, die zu übernatürlicher Liebe zu Gott und zum Nächsten führt. 

Wenn es jedoch keine schwerwiegende Materie zum Gegenstand hat, bleibt die Ungerechtigkeit zwar Ungerechtigkeit, es handelt sich dabei aber nicht um Todsünde.

11. Dass diejenigen, die so ungerecht waren – wie die der Heilige Paulus aufzählt –, im Namen Jesu rein gewaschen, geheiligt und gerecht geworden sind

Der Heilige Paulus spricht davon in 1 Kor 6,11: Das sind diejenigen, die nach der Konversion vom Heidentum, die Taufe empfangen haben.

Durch die Taufe sind sie von ihren Missetaten befreit worden.

Sie wurden geheiligt und gerechtfertigt, weil sie durch die Ausgießung des Heiligen Geistes ein neues Leben erhalten haben, das heilige Leben Gottes in sich.

12. Des weiteren möchte ich, dass Sie mir Aufschluss darüber geben könnten, was die Sodom-Sünde ist 

Das ist die Sünde, die von den Einwohnern Sodoms begangen wurde und die in Gen 19,1-8 beschrieben ist.

13. Und letztendlich, was zu tun ist, sollte man sich selbst homosexuell entdecken?

Wie jeder andere ist er dazu berufen, zu lieben, sich vollständig zu geben, weil der Mensch nur durch die Gabe seiner selbst verwirklicht wird.

14. Keusch leben, beten…

Jeder ist dazu berufen, gemäß den Eigenschaften seines Lebenszustands, in Keuschheit zu leben.

So wie für alle, gilt das Gebot: Du sollst nichts Unkeusches tun.

In gleicher Weise ist jeder dazu verpflichtet zu beten, wenn er für Gott offen bleiben will.  

Ich hätte gern auf diese Fragen eine Antwort, in derselben Reihenfolge, in der ich sie Ihnen gestellt habe. Vielen Dank im Voraus für Ihre Hilfsbereitschaft.

Ich habe nun alle beantwortet und hoffe, dir hiermit etwas Klarheit verschaffen zu haben.

Ich wünsche dir alles Beste, segne dich und schließe dich in mein Gebet ein

Padre Angelo


Übersetzt von Katia Piredda

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