Frage

Lieber Padre Angelo,

seit ungefähr einem Jahr habe ich das Gefühl, dass Gott mich im Leben zur Einhaltung seiner Gesetze gerufen hat, und mir gebot, zu den Sakramenten zurückzukehren, nicht länger den Lebensstil zu leben, der meine Vergangenheit charakterisierte, sondern nach der Predigt vom heiligen Josefmaria Escrivà, als er das Opus Dei schuf.

Von diesem Moment an habe ich durch Seine Gnade zunehmend das Bedürfnis, häufig die Heilige Schrift zu lesen, mich mit den Priestern zu konfrontieren und schließlich bin ich auch in die katechumenale Gemeinschaft meiner Pfarrei St. Johann Leonardi eingetreten. Natürlich bin ich sehr zufrieden mit all diesen Ereignissen und danke Ihm immer wieder für diese Gaben.

Ich lese Bücher über Katechismus und stellte fest, je mehr ich lese, umso ignoranter fühle ich mich.

Ich denke viel über die universelle Liebe zu jedem Bruder in Christus nach und fühle, dass Jesus mir bei diesen Überlegungen zur Seite steht. Gerade deswegen habe ich das Bedürfnis nach einer theologischen Klärung. Jesus sagte, liebt alle Brüder, einschließlich der Feinde, und Gott inspirierte mich, indem er mir den Grund dafür zu verstehen gab.

Das heißt, wenn wir uns nicht so verhalten würden, wie er gesagt hat, dann würden wir in die zahlreichen Fallen des Teufels geraten, der im Hass, Wut, Rache und der Unfähigkeit zur Vergebung, seine Stärke beweist.

Dies vorausgeschickt, damit Sie verstehen, warum ich das Bedürfnis nach einer Antwort auf folgende Frage verspüre: 

aus Ihren Antworten weiß ich, dass jeder, Christ oder Andersgläubige, von Geburt an einen Schutzengel hat, unabhängig von seiner Religion. Diese Information erfüllte mich mit Freude, weil wir alle, ohne Unterschied, jemanden haben, der unsere Gedanken vor Gott bringt und uns fortwährend hilft. Aber dann frage ich mich, ob die himmlische Barmherzigkeit selbst denen, die keine Christen sind, einen Schutzengel gegeben hat.

Wie können andere, ohne die christlichen Sakramente, in der Gnade Gottes sein?

Und wenn sie sich nach einer Sünde nicht versöhnen und nicht in Gottes Gnade leben können, wie werden sie dann im Jenseits die Nähe zu Gott genießen? 

Mit anderen Worten, Padre, wie werden sie es schaffen, den Himmel im irdischen Leben zu erobern?

Ich frage mich das, denn wenn ich für alle Seelen bete, möchte ich verstehen, wie ich es vermeiden kann, falsch über Andersgläubige zu denken und wie man es vermeidet, über die Ungenauigkeiten in Bezug auf die Offenbarungen nachzudenken, an denen Gott uns teilnehmen lassen wollte.

Gott ist Vollkommenheit und ich habe das Gefühl, er möchte, dass ich mich auch in meinen Gedanken und vor allem, wenn ich mit ihm spreche und bete, immer mehr verbessere.

Padre Angelo, ich danke Ihnen unendlich für die Zeit, die Sie dem Lesen und Antworten widmen werden, und ich werde jeden Tag für Sie beten, das was Sie für uns alle tun.

Möge Gott immer mit Ihnen sein !!!

Einen ganz lieben Gruß.


Antwort des Priesters

Mein Lieber, 

es tut mir aufrichtig leid, dir so spät zu antworten. Ich bitte dich um Entschuldigung.

1. Der Katechismus der katholischen Kirche erinnert an die Notwendigkeit, einer Kirche anzugehören, um gerettet zu werden.

Die Kirche ist die Arche der Erlösung, deren Symbol und Vorbild die von Noah gebaute Arche ist.

In der dogmatischen Konstitution  Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils steht geschrieben: “ Das heilige Konzil lehrt…gestützt auf die Heilige Schrift und die Tradition, dass diese pilgernde Kirche zum Heile notwendig sei. Christus allein ist Mittler und Weg zum Heil, der in seinem Leib, der Kirche, uns gegenwärtig wird; indem er aber selbst mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont hat (vgl. Mk 16,16; Joh 3,5), hat er zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Türe eintreten, bekräftigt.

Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten” (LG 14).

2. Wie du vielleicht bemerkt hast, sagt das Konzil: “Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen”.

Aber für diejenigen, die es nicht wissen, benutzt Gott andere, sogenannte außergewöhnliche Mittel, um ihnen das Heil zukommen zu lassen.

3. Das Konzil sagt außerdem: “Wer das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott jedoch aufrichtigen Herzens sucht und seinen durch den Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in den Taten zu erfüllen versucht, kann das ewige Heil erlangen. ” (LG 16).

4. Des Weiteren: “Das gilt auch für alle Menschen guten Willens, in deren Herzen die Gnade unsichtbar wirkt. Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung des Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein” (Gaudium et spes 22).

5. Dies wurde von der Kirche immer so geglaubt.

Bereits der heilige Thomas sagte: “Trotz der Tatsache, dass alle Menschen, ihrerseits verpflichtet sind, an einige Wahrheiten explizit zu glauben, um sich zu retten, spricht nichts dagegen, dass jemand im Wald oder unter wilden Tieren lebt.

Da es zur göttlichen Vorsehung gehört, für jeden die für die Errettung notwendigen Dinge bereitzustellen, es sei denn, man verhindert dies seinerseits. Wer also, gemäß der Vernunft erzogen, sich so verhält, dass er das Gute übe und vor dem Bösen fliehe, kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass Gott ihm durch innere Inspiration die Dinge offenbart, an die er unbedingt glauben muss, oder er wird ihm einige Prediger des Glaubens schicken, wie er es mit dem heiligen Petrus und Cornelius getan hatte (At 10,1 55)” (De Veritate, 14, 11, ad 1)

6. In diesem Erlösungswerk für alle, auch für Nichtchristen, spielt der Schutzengel eines jeden Menschen sicherlich eine wichtige  Rolle.

Wenn Nichtchristen sündigen, können wir uns gut denken, dass ihr Engel ihnen inspirierende Gedanken der Reue und Wiedergutmachung einflüstert.

Ebenso können wir uns vorstellen, dass ihr Engel sie innerlich bewegt, um die heiligende Gnade zu begrüßen, die durch die Beseitigung der Sünde den Menschen wieder in die Gemeinschaft mit Gott bringt.

Auf diese Weise werden sie durch die Annahme der geheimen Inspirationen ihres Engels, auf außergewöhnliche Wege zur Erlösung geführt.

7. Man nennt sie außergewöhnliche Wege in Bezug auf uns, weil wir sie ja nicht sehen.

Während die Sakramente und die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche die gewöhnlichen Wege darstellen.

Ich danke dir für das Gebet, das du mir “jeden Tag” versicherst. Es ist sehr wertvoll für mich.

Ich wünsche dir einen fruchtbaren Weg des Advents, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.

Padre Angelo

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