Frage

Lieber Pater Angelo,

in diesem Monat habe ich wieder einmal an Gottes Liebe und Energiequelle aufgetankt, so sehr dass ich mich davon gesättigt fühle, obwohl der Durst nach der Liebe Gottes nie ganz gestillt werden kann.

Ich hätte folgende Frage an Sie:

“Ich bin überzeugt, ich glaube an Gott, der Liebe ist und ich glaube noch überzeugender, wenn Er sich in den schmerzlichsten Situationen unseres Lebens, vor allem durch Leid und Schmerz bei Kindern zeigt, und in Kriegen oder jedenfalls durch Akte der Zerstörung und Nihilismus (beispielsweise durch Massenmedien und Fernsehprogramme) des Menschen, insbesondere der Schwächsten und Bedürftigsten. Aber kommen wir zur Sache. Wie kann ich anderen, vor allem den Leidenden, Ungläubigen, Agnostikern, verständlich machen, dass Gott selbst Seinen Sohn am Kreuz sterben ließ? und dass aus dieser Opferung eine Wiedergeburt zum ewigen Leben des Menschen erfolgt ist? und dass Jesus, indem Er sich selbst zur Sünde machte, die Menschheit erlöst hat? und dass dies alles nichts anderes ist als der Gott der Liebe?“

Ich grüße Sie und nehme Sie, mit Jesus in der Mitte, ins Gebet.

Paolo


Antwort des Priesters

Lieber Paolo,

1. es bedarf einer Unterscheidung zwischen den verschiedenen Beteiligten, von denen die Rede ist.

Einige (die Leidenden) können es verstehen. Andere (Ungläubige oder Agnostiker) verstehen vielleicht weniger oder gar nichts.

2. Dem Leidenden fällt es leichter, vom göttlichen Plan des Leids zu sprechen, weil Gott selbst in der Person des Sohnes unsere Erfahrung weitergeben wollte und ihr eine sehr hohe Bedeutung im Hinblick auf die Erlösung und Gabe zugeschrieben hat.

Es ist einfacher zu verstehen, weil es sich nicht einfach um schmerzbezogene Überlegungen handelt, sondern um einen wahren Mensch, der mehr gelitten hat als sie: der gekreuzigte Jesus Christus.

Auf den anfänglichen Einwand: “Was habe ich getan, um dieses Leid durchstehen zu müssen“, antworten wir: „Und was hat Er denn getan?“

Mit diesen einfachen Worten treten wir in eine Logik der Sühne und Erlösung ein: auf der Welt gibt es das Leid, weil es die Sünde gibt. Wenn Gott Leid zulässt, müssen wir es akzeptieren und dafür sorgen, dass es der gesamten Menschheit, sowohl den Lebenden als auch den Toten, zugute kommt.

3. Es ist relativ einfach, noch einen Schritt weiter zu gehen: Der Herr lässt Leid zu, damit es Liebe ausströmen lässt.

Die Liebe strömt sich in denen aus, die sich den Leidenden widmen.

Und sie strömt sich auch in den Leidenden aus, indem sie dazu angeregt werden, Jesus nachzuahmen, der eine Tragödie (in der Nacht, da er verraten ward) in eine ewige Gnadenquelle verwandelt hat: Er hat die Eucharistie eingesetzt, durch die er weiterhin lebt und unter uns wirkt.

Dies ist die Lehre, die uns Gott-der Liebende über das Leid erteilt: die Tragödie in eine ewige Quelle der Gnade zu verwandeln. Er lehrt uns nicht mit Worten, sondern mit Taten.

4. Schwieriger ist es jedoch, Ungläubigen und Agnostikern, auch im Leid, von der Liebe Gottes zu sprechen.

Man könnte sagen, dass die Verkündigung der Liebe Gottes für sie einen ähnlichen Skandal darstellt wie bei den Griechen und Juden, als Paulus vom gekreuzigten Christus sprach: ”Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit” (1 Kor 1,22-24).

Indem sie Christus jedoch ablehnen, erhalten sie keinen Vorteil dafür.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt zu Recht in Gaudium et spes: “Angesichts des Todes wird das Rätsel des menschlichen Daseins am größten” (GS 18) und “Durch Christus und in Christus also wird das Rätsel von Schmerz und Tod hell, das außerhalb seines Evangeliums uns überwältigt” (GS 22).

Und weiter: “Denn das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts.… Überdies wird das Geschöpf selbst durch das Vergessen Gottes unverständlich” (GS 36).

5. Das einzige, was wir für diese Menschen tun können, ist, für sie zu beten und,  in Gemeinschaft mit dem gekreuzigten Christus, die Widrigkeiten und Leiden des Lebens zu ertragen, indem wir sie für sie aufopfern.

Keine Rede ist so gut wie diese Praktiken.

Ich danke dir, grüße dich, versichere dir mein Gebet und segne dich.

Pater Angelo

Questo articolo è disponibile anche in: Italienisch