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Frage

Lieber Pater,

ich wollte Sie etwas fragen, und zwar, wieso ich nach der Beichte immer fühle, wie die Gnade Gottes in mir aufsteigt, durch das Rosenkranzgebet ein paar Tage lebendig bleibt, dann aber wieder beginnt zu schwinden…

Wenn sie schwindet, stecke ich wirklich in Schwierigkeiten.

Wenn Gottes Hilfe nachlässt, fällt es mir schwerer zu beten, zur Messe zu gehen usw…. aber warum? Was habe ich falsch gemacht? Willenhaft habe ich dabei ja keine schwerwiegende Sünde begangen… Ich möchte um jeden Preis von der Sünde absehen….ich gebe mir jedenfalls Mühe, manchmal mehr, manchmal weniger … und trotzdem, ich verstehe es nicht!

Dann gehe ich eben jeden Tag beichten, damit ich ein hohes Maß an Gnade habe! Kurzum, ich möchte so wenig wie möglich sündigen, ich möchte in Gottes Liebe bleiben, bei Ihm … aber wenn er mir Seine Hilfe nicht zukommen lässt, was soll ich dann? Passiert das auch anderen Christen? Ich verstehe, dass es Prüfungen gibt, aber ich bedarf wirklich einer hohen Gnade, denn nur so kann ich Gutes tun !!! 🙂

Tschüss…


Antwort des Priesters

Lieber Besucher,

1. nach dem baden fühlt man sich frisch. Diese Frische kann jedoch nicht lange erhalten bleiben, da unser Körper neuen Schweiß abgibt.

So ist es auch für das Sakrament der Beichte: es gibt in unserem Leben unweigerlich jeden Tag kleine Elende, auch ohne eine Todsünde zu begehen. Und das reicht schon aus, damit der Eifer nachlässt.

Obwohl sie uns nicht der Gnade beraubt, führt die lässliche Sünde dennoch dazu, dass sie dadurch ihre Kraft verliert.

So sagt der Katechismus der Katholischen Kirche:

“Die lässliche Sünde bricht den Bund mit Gott nicht, schwächt aber die Liebe. In ihr verrät sich eine ungeordnete Neigung zu geschaffenen Gütern. Sie verhindert, dass die Seele in der Übung der Tugenden und im Tun des sittlich Guten Fortschritte macht” (CCC 1863).

2. Genau aus diesem Grund stimmen die Lehrer des geistlichen Lebens darin überein, die Gläubigen zur häufigen Beichte einzuladen: mindestens alle 14 Tage. Besser noch, einmal die Woche.

Du verstehst also, warum die ersten Dominikaner jeden Tag das Bedürfnis zur Beichte verspürten. So machten es der heilige Dominikus, der heilige Thomas, und auch die heilige Katharina von Siena.

3. Das erstaunt uns: weil die Heiligen, die wir gewöhnlich als Menschen mit einem hohen Maß an Gnade sehen, oft zur Beichte gehen, während andererseits Menschen, die üblicherweise fern von Gott und in einem Zustand schwerer Sünden leben, diese nie bekennen.

Es ist erstaunend, weil man eher meinen möchte, dass es die Sünder sind, die als erste das Bedürfnis verspüren müssten, ihre Sünden zu bekennen, was aber nicht der Fall ist.

Wie kommt das?

4. Um das Bedürfnis  der Beichte zu verspüren, muss man die Erfahrung der Gnade gemacht haben.

Wenn jemand weiß, was es heißt, in Gnade zu leben, wenn er die persönliche Gegenwart Gottes und der Heiligen Dreifaltigkeit in seinem Herzen spürt, sobald dann wegen der lässlicher Sünden und Unvollkommenheiten die Inbrunst schwindet, möchte er sie sofort durch das Sakrament der Beichte wiedererlangen.

Aber wenn man diese Erfahrung noch nie erlebt hat, wenn man innerlich tot ist, kann man nichts fühlen: weder den Wunsch zu beten, noch das Wort Gottes zu nähren, noch die Sakramente, noch das Bedürfnis, die Inbrunst wiederzuerlangen.

Man versteht nicht den Sinn der Beichte. Und da man sich auch noch voller Intelligenz glaubt und sieht, wie gewöhnliche Christen oft beichten, und sich sagt: „Wenn die es notwendig haben, zu beichten, bedeutet das, dass sie Sünden haben“. Obwohl sie selber anscheinend keine haben, weil sie sie nicht als solche betrachten.

5. Das ist die absurde Logik: Der Heilige spürt, was Sünde ist. Er fühlt auch die Abneigung gegen die lässliche Sünde. Sobald sie auftaucht, vertreibt er sie sofort mit einem Akt der Reue und dann mit der sakramentalen Beichte.

Andererseits sind sich diejenigen, die in Todsünden eingefleischt sind, ganz oft dieser Tatsache nicht einmal bewusst. Eben weil sie tot sind, empfinden sie nichts mehr.

Dann verwirklicht sich in ihrem Leben das, was der Herr gesagt hat: “Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat” (Joh 3,18). 

Um das Heil zu erlangen, ist der Glaube notwendig, der das Leben in die richtige Richtung lenkt, zu Gott, zu Jesus Christus, in der Rechtschaffenheit des Gewissens und im Fernhalten des Bösen.

Aber die Verweigerung des Glaubens ist bereits eine Verurteilung. Wer in dieser beharrlichen Verweigerung stirbt, bedarf keines neuen Urteils, da er bereits des ewigen und göttlichen Lebens beraubt ist.

6. Ich bestätige also, dass die häufige und regelmäßige Beichte sehr wichtig ist, um immer die Kraft und Frische der Gnade spüren zu können.

Ja, genau das ist die Voraussetzung, um viele schöne Dinge für den Herrn und für deine Brüder zu tun!

Dafür versichere ich dir mein Gebet und segne dich. 

Pater Angelo