Questo articolo è disponibile anche in: Italienisch Deutsch

Frage

Guten Abend Pater,

eine Bekannte hat mir diese Fragen gestellt: wie man an Gott glauben kann, und ob es mӧglich ist, an Ihn zu glauben, auch wenn wir fortwährend vom Leben  enttäuscht werden. 

Wie würden Sie darauf antworten, Pater ? 

Danke für Ihre kostbare Hilfe.


Antwort des Priesters 

Lieber Besucher,

1.  wenn wir Christus nur folgen, um Hilfe oder materielle Vorteile zu erhalten, dann werden wir regelmäßig enttäuscht.  

Auch die Emmaus-Jünger wurden enttäuscht: “Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist” (Lk. 24,21).

Sie hofften, dass Christus sie in irdischer Hinsicht gerettet und Israel von der Herrschaft der Rӧmer befreit hätte.

Vielleicht hatten sie sich bis zuletzt verhofft, dass Jesus Christus denen entkommen würde, die ihn kreuzigen wollten, wie er es bei anderen Gelegenheiten getan hatte, z.B. als Er denen die Kraft genommen hatte, die Ihn an den Abhang eines Berges trieben, um Ihn hinunterzustürzen. (vgl. Lk 4,29).

“Wir hofften”: sie dachten, sein Tod sei wie der Tod aller anderen Sterblichen, das heißt, dass jede Hoffnung mit Seinem Tod vorbei wäre.  

2. Sie dachten stattdessen nicht, dass es notwendig war, dass Christus in das Reich der Toten eintrat, um so, durch das Ereignis Seiner Auferstehung, den Tod zu besiegen und ihm somit die Macht seiner Endgültigkeit zu nehmen.

Sie hielten es nicht für notwendig, dass Christus für unsere Erlösung und Erettung im Hinblick auf das zukünftige Leben, für uns Sein Leben hingeben musste.

3.  Jesus entfacht in ihnen wieder Hoffnung, indem er ein anderes Ziel vorstellt, das sich ganz von dem des weltlichen Vorteils unterscheidet: “Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben! Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?” (Lk 24,25-26).

Mit Seiner Menschlichkeit ist Jesus in seine Herrlichkeit, das heißt in Gott, ins Paradies, eingegangen.

Er trat dort nicht nur in persönlicher Eigenschaft ein, sondern als Stammvater der erlösten Menschheit, um uns alle dorthin zu bringen.

Seine Herrlichkeit ist das eigentliche Leben Gottes, mit einem Wort, die Heiligkeit.

4. Nun, wenn wir Christus nachfolgen, um die Heiligkeit zu suchen, wird Er uns bestimmt nicht enttäuschen.

Wenn wir Ihn andererseits aber nur für zeitliche Güter suchen, nicht im Hinblick auf die Heiligkeit, dann werden wir enttäuscht werden.  

5. Jesus versichert uns, dass Er es uns an nichts mangeln lassen wird, wenn wir vor allem die Heiligkeit, die Gemeinschaft des Lebens mit Ihm suchen.

Das hat er uns garantiert, indem Er sagte: “Sucht aber zuerst Sein Reich und Seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben” (Mt 6,33).

Nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit zu trachten, ist dasselbe wie das Trachten nach Gott und der Heiligkeit. 

6. Im letzten Abendmahl sagte Er zu ihnen: “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben.” (Joh. 16,23).

Der jüdische Ausdruck “wahrlich wahrlich” verweist auf einen Eid.  Wenn der Ausdruck wiederholt wird, handelt es sich um einen feierlichen Eid.  

Jesus versichert uns beim Letzten Abendmahl feierlich, dass, wenn etwas vom Vater in Seinem Namen erbeten wird, es ganz sicher gewährt wird.

Der heilige Thomas von Aquin fragt sich, was es wohl bedeutet, etwas zu erbitten. Und er sagt, wenn wir nur um irdische Güter bitten, ist es so, als würden wir nichts erbitten.

Wenn wir andererseits im Hinblick auf die Heiligkeit um ein Gut weltlicher Ordnung bitten, dann fangen wir an, etwas Nützliches zu erbitten.

Wenn wir den Vater kraft der Verdienste Christi um etwas erbitten, das heißt, weil Christus es für uns schon erworben hat, wird es uns gewiss zuteil.

Er fügt dann hinzu, dass wir Gott eine große Ehre erweisen, wenn wir Ihn um große Dinge bitten.

Und die wichtigsten Dinge sind die, worum die Gerechten des Alten Testaments Ihn baten, als sie sagten: „Dein Angesicht, Herr, suche ich; verbirg nicht dein Gesicht vor mir”.

7. Wenn wir also Gott lieben und die Heiligkeit suchen, wirkt sich alles zu unserem Vorteil aus, wie uns der Heilige Geist durch Paulus versichert, wenn er sagt: “Wir wissen aber dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht, denen, die gemäß seinem Ratschluss berufen sind” (Rӧm 8,28). 

8. Der heilige Paulus selbst, als er im Gefängnis sitzt und dem Tode nahe ist, war überzeugt, dass selbst das, was ihm bevorstand, keine Zeitverschwendung war, sondern ein großer Nutzen. 

Er schreibt nämlich: “Ich will aber, dass ihr wisst, Brüder und Schwestern, dass alles, was mir zugestoßen ist, die Verbreitung des Evangeliums gefӧrdert hat.  Denn im ganzen Prätorium und bei allen Übrigen ist offenbar geworden, dass ich meine Fesseln um Christi willen trage, und die meisten der Brüder sind durch meine Gefangenschaft zuversichtlicher geworden und wagen umso kühner, das Wort furchtlos zu sagen” (Phil. 1,12-14). 

Und er fügt hinzu: “(Ich weiß nämlich…) denn ich erwarte und hoffe, dass ich in keiner Hinsicht beschämt werde, dass vielmehr Christus in aller Öffentlichkeit – wie immer, so auch jetzt – verherrlicht werden wird in meinem Leibe, ob ich lebe oder sterbe” (Phil. 1,20).

9. Hilf also dieser Bekannten, nicht nur wegen der irdischen Hilfen an Christus zu glauben, die ihr übrigens gewiss gegeben werden, wenn sie die Heiligkeit sucht, sondern deshalb, weil Christus sie in ein Leben der Gemeinschaft mit Gott einführt, das schon jetzt an Süße jeden Geschmack übertrifft, so wie im Buch der Weisheit geschrieben steht: “Dein Volk dagegen nährtest du mit der Speise der Engel, und unermüdlich gabst du ihnen fertiges Brot vom Himmel, das jeden Genuss gewährte und jedem Geschmack entsprach.

Sie offenbarte deine zarte Liebe zu deinen Kindern. Sie erfüllte das Verlangen eines jeden, der sie genoss,  und verwandelte sich in alles, was einer wollte” (Weish. 20-21).

Hilf ihr, den verborgenen Schatz zu entdecken, den sie durch den Glauben und die Gnade erhalten hat.  

Lass sie “das gute Wort Gottes und die Kräfte der kommenden Weltzeit kosten” (Hebr.  6,4-5).

10.  Begleite sie mit deinem Gebet und  Zeugnis, damit Gott sie in die Fülle der Güter seines Hauses einführt und ihren Durst im Strom seiner Wonnen löscht. (vgl. Ps. 36,9). 

Sie wird sich nie enttäuscht fühlen. Im Gegenteil, sie kann zusammen mit Davide sagen: “Ich bin aber wie ein grünender Ölbaum im Haus Gottes, ich vertraue auf die Treue Gottes immer und ewig” (Ps. 52,10).

Mit dem Wunsch, dass das alles dein und ihr tägliches Brot werden wird, versichere ich euch mein Gebet und segne euch. 

Pater Angelo