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Frage

Guten Abend Pater,

ich bin ein 20-jähriger Junge. Meine Eltern haben mich im katholischen Glauben erzogen, obwohl sie den Glauben nur gelegentlich auch praktizierten.

Im Heranwachsen musste ich mich mit vielen Schwierigkeiten auseinandersetzen: mit 5 habe ich mein Leben riskiert, hatte von klein auf schon immer eine prekäre Gesundheit, im Jugendalter hätte ich zweimal beinahe  meinen Vater verloren, mit 15 habe ich angefangen, zu arbeiten  ( dann später das Studium wieder aufgenommen), usw.

Im Jugendalter fing ich an, mich vom Glauben an Gott abzuwenden, bin nicht gefirmt.

Anschließend kam eine Zeit des ständigen Tauziehens, ein ewiges Hin und Her, bis zum Tod meines Opas. Und damit begann für mich der langsame Weg, der mich zum Agnostiker führte. Allerdings versuche ich seit zirka einem Jahr, zum Glauben zurückzufinden, indem ich begonnen habe, die Bibel zu lesen und zu ergründen. Ich fühlte mich wieder als Gläubiger, konnte die Gegenwart Gottes wahrnehmen.  Aber leider brachten mich einige Vertiefungen wieder dazu, meine Gewissheiten in Frage zu stellen (beispielsweise: wie kann man sich ausschließlich auf Schriften verlassen, die durchaus verfälscht sein können und die darin berichteten Ereignisse daher gar nie stattgefunden haben)?

Deshalb suchte ich Zuflucht in anderen Religionen, ohne jedoch fündig zu werden.

Jetzt bin ich dem Strudel des Atheismus und Materialismus verfallen. Ich bete weiterhin vergeblich zu Gott um ein greifbares Zeichen, aber ich bekomme keine Antwort, ich spüre seine Gegenwart nicht mehr. All dies verursacht mir eine starke Sorge darüber, warum wir existieren, und der Vorstellung, dass der Tod das ewige Ende von allem ist, was ich bin. Alles, was ich tue, aufbaue und lerne, wird irgendwann keinen Sinn mehr machen.    

Das Einzige, was mir noch bleibt, ist die Liebe zu meiner Familie und meinen Mitmenschen.

Wie kann ich wieder Zugang zum christlichen Glauben finden?  Warum zeigt sich Gott mir nicht , um jeden Zweifel auszuräumen?

Bitte helfen Sie mir Pater, ich bin völlig verzweifelt, ich halte es nicht mehr aus.

Ich hätte noch viele andere Fragen, aber ich weiß, dass Sie Ihre Zeit nicht nur mir alleine widmen können.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

Es tut mir leid, wenn ich Sie belästigt habe. 

Fabio


Antwort des Priesters 

Lieber Fabio,

1. Jesus hat gesagt: “Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater ihn zieht” (Joh. 6,44).

Ich würde sagen, dass Gott dich durch den Wunsch nach einem lebendigen Glauben zu Sich zieht.

Dieser Wunsch kommt von Ihm, Der “in uns das Wollen und das Vollbringen bewirkt zu Seinem Wohlgefallen” (Phil. 2,13).

Wenn wir an einer Passage aus der Offenbarung festhalten, könnte man sagen, dass Gott gerade an deiner Tür klopft, so wie Er selbst der Kirche in Laodizea sagte: “Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir.” (Offb. 3,20).

2. Jetzt liegt es an dir, auf Seine Stimme zu hӧren und Ihm die Tür zu ӧffnen.

Du hörst Seine Stimme in der Schӧpfung.  Die bewundernswerte Perfektion, mit der Er sie erschaffen hat, überlässt nichts dem Zufall, sondern beruht auf eine vollkommene und unendliche Intelligenz, deren Tiefe die Wissenschaft noch nicht völlig ergründet hat, weil sie unerschӧpflich ist.  

Der heilige Augustinus, angesichts der Vollkommenheit, die er überall wahrnahm und die ihn von allen Seiten umhüllte, fühlte nicht nur eine Stimme, sondern sogar einen Schrei, der ihn aufforderte, den Einen zu lieben, der ihm die Schöpfung übergeben hatte: “Aber siehe, auch Himmel und Erde und alles, was darinnen ist, sagen mir allenthalben, dass ich dich lieben solle (“omnia clamant ut amem te”) hӧren nicht auf, allen es zu sagen, also dass sie keine Entschuldigung haben.” (Rӧm 1,20) (Bekenntnisse, X, 6, 8)

3. Seine Stimme hӧrst du auf noch persӧnlicherer Weise in der Heiligen Schrift. 

Durch die Worte der Heiligen Schrift spricht Gott zu deinem Herzen und sagt dir, was du tun musst, um Ihm zu begegnen, in Gemeinschaft mit Ihm zu leben und Seine Freundschaft zu genießen. 

4. Insbesondere weist Er dich darauf hin, dass es einige Hindernisse geben kann, die dein Sehen und Hӧren behindern, und es sind gerade diese Hindernisse, die dich von Gott fernhalten.  

Er sagt z.B: “Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren bӧse.  

Jeder, der Bӧses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.  

Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind” (Joh. 3,19-21).

5. Der Hl. Thomas bemerkt: “Es steht nicht geschrieben «wer Böses getan hat», sondern «wer Böses tut»: denn wenn jemand Böses getan hat, es aber bereut, erkennt, dass er Unrechtes getan hat und bedauert es zutiefst, er hasst dann das Licht nicht, sondern er kommt ans Licht.

Stattdessen kommt „wer Böses tut“, das heißt im Bösen ausharrt und keinen Schmerz empfindet, nicht ans Licht, sondern hasst es: nicht weil es die Wahrheit offenbart, sondern weil es die Sünde des Menschen offenlegt” (Kommentar zu Joh. 3,20).

6. Manchmal reicht eine gute Beichte, um Gott wiederzufinden, weil Seine Gegenwart mit der Sünde unvereinbar ist.   

Ich will damit nicht andeuten, dass es in deinem Leben wer weiß, was für Sünden gibt.  

Aber es ist durchaus möglich, dass es immer noch Sünden gibt, die sich wie ein Schleier über dein geistiges Auge ausbreiten und dich am Sehen hindern.

Des Weiteren, die Worte Jesu in Joh. 6,44 “Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater  ihn zieht”, kommentiert der Hl. Thomas mit:  “Tatsächlich niemand kann kommen, wenn nicht der Vater ihn anzieht.

In der Tat, so wie ein schwerer Körper nicht angehoben werden kann, wenn er nicht von anderen getragen wird, so kann das Herz des Menschen, das von sich aus zu den minderwertigen Dingen neigt, sich nicht erheben, ohne angezogen zu werden.

Wenn es sich aber nicht erhebt, kann man das nicht auf Mängel von Dem, der es anzieht, zurückführen, denn Er lehnt niemanden ab.  Es liegt vielmehr am Hindernis vonseiten derer, die sich nicht anziehen lassen wollen”.

7. Dann fügt er hinzu: “In dieser Hinsicht ist es jedoch anders, von Menschen im Zustand der intakten Natur (d.h. vor der Erbsünde, Anm. d. Red.) und von Menschen, die sich im Zustand der korrupten Natur befinden, zu sprechen.

In Zustand der intakten Natur gab es nämlich kein Hindernis, das sich dieser Anziehungskraft  entgegensetzte.  Somit waren alle Menschen in der Lage, dieser Anziehung nachzukommen.  

Aber im Zustand der verdorbenen Natur werden alle gleichermaßen durch das Hindernis der Sünde in dieser Anziehung gehindert: und deshalb müssen alle irgendwie mitgerissen werden.

Aber Gott, soweit es von Ihm abhängt, reicht jedem Seine Hand, um uns anzuziehen; in Wirklichkeit, und das ist noch bewundernswerter, ergreift Er nicht nur die Hand derer, die die Einladung annehmen, sondern bekehrt sogar diejenigen zu sich, die ihm den Rücken gekehrt haben, wie in einer Passage aus den Klageliedern (5,21) erwähnt wird: «Lass uns, Herr, zurückkehren zu Dir, dann kehren wir um»; sowie der Satz des Psalmisten  (84,7): «Indem du uns bekehrst, wirst du uns wieder beleben»

Dadurch dass Gott also bereit ist, jedem seine Gnade zu geben und uns zu sich zu ziehen, darf die Schuld nicht Ihm zugeschrieben werden, wenn man sie nicht empfängt, sondern demjenigen, der sie ablehnt”.

8. Deshalb sage ich dir, gerade In Anbetracht dessen, was der Hl. Thomas erinnerte, wende dich an Gott und sage zu ihm demütig: «Lass mich, Herr, zurückkehren zu Dir, dann kehre ich um» (Klgl.  5,21) e «Indem Du mich bekehrst, wirst Du mich wieder beleben»» (Ps.  84,7).

Oder auch: «Herr, ich möchte sehen können» (Lk. 18,41).

Wiederhole immer wieder diese Anrufungen.

Bestimmt nicht, weil der Herr es nötig hat, sie von dir zu hören, sondern vielmehr um dich in größere Tiefen einzuführen, die dir bewusst machen, dass du Gott nicht um Gold bittest, sondern seine göttliche Kraft anrufst, diese göttliche Kraft, die eines Tages, nachdem sie sagte, es werde Licht, tatsächlich Licht wurde.

9. Du bist deshalb diesem Eingreifen Gottes sehr nah.  

Es kann jederzeit auf dich zukommen und ich wünsche, dass der Herr dir bald sagen wird: «Sei sehend! Dein Glaube hat dich gerettet» (Lk. 18,42).  Und dass du beginnst, Ihm zu folgen und Gott zu verherrlichen.

In  Erwartung dieses freudigen Ereignisses begleite ich dich im Gebet und segne dich ganz herzlich.

Pater Angelo