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Frage

Lieber Pater Angelo, 

meine Frage betrifft den Augenblick des Todes: ich mag es, zu glauben, dass jeder Mensch in dem Augenblick die Möglichkeit hat, Buße zu tun. Fest steht, dass wenn ein Mensch sein ganzes Leben lang die Reue verweigert und bis zuletzt die Liebe Gottes immer abgelehnt hat, er auch im Angesicht des Urteils, anstatt “Herr, vergib mir…”, sagen könnte, “Ich gehe lieber in die Hölle, statt Dich um Vergebung zu bitten…”. Aber wie gesagt, ich mag den Gedanken, dass der Herr uns immer noch eine letzte Chance gewährt, und dies auch dann, wenn der Tod völlig unerwartet und plötzlich eintritt.

Ist dieser Gedanke von mir plausibel oder widerspricht er dem, was die Kirche lehrt?

Danke im Voraus, 

Nicola 


Antwort des Priesters

Lieber Nicola, 

1. du schreibst “ich mag es, zu glauben, dass jeder Mensch in dem Augenblick (des Todes) die Möglichkeit hat, Buße zu tun. 

So denke ich auch gerne, aber es gibt keine Garantie, dass es diesen weiteren Augenblick geben wird.

Der Herr hat uns nichts darüber erzählt. Im Gegenteil, seine Art sich auszudrücken, lässt uns nur wenig Hoffnung.

In Lukas 12:39-40 warnt er uns vor der Notwendigkeit, wachsam zu sein: “Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet”.

In Markus 13,33-37: “Darum haltet die Augen offen und seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann es so weit ist. Es wird dann so sein wie bei einem Mann, der vorhat, ins Ausland zu reisen. Bevor er sein Haus verlässt, überträgt er seinen Dienern die Verantwortung: Er weist jedem eine bestimmte Arbeit zu und befiehlt dem Pförtner, wachsam zu sein. Genauso sollt auch ihr wach bleiben. Ihr wisst ja nicht, wann der Hausherr kommen wird, ob am Abend oder um Mitternacht, im Morgengrauen oder nach Sonnenaufgang. Wenn er plötzlich kommt, soll er euch nicht unvorbereitet und schlafend antreffen. Was ich euch sage, gilt auch für alle anderen Menschen: Ihr müsst immer wachsam und bereit sein!«

2. Verschiedene Theologen haben über diesen Augenblick vor dem Tod geschrieben. Aber hauptsächlich in Bezug auf die Rettung der Kinder, die ohne Taufe sterben.

Ihre Argumentationen klingen ungefähr so: Da es Gottes Wille ist, dass alle Menschen gerettet werden und da Gnade zur Errettung erforderlich ist, ist es notwendig, dass Gott den Kindern, die ohne Taufe sterben, die Möglichkeit anbietet, sich zu retten.

Der Katechismus der Katholischen Kirche spricht von „einem Heilsweg für die, ohne Taufe, gestorbenen Kinder”: dieser Weg wäre genau in dem Augenblick gegeben, in dem Gott sie erleuchten und ihnen die Möglichkeit geben würde, Ihn für die Ewigkeit zu wählen.

Hier der Text: “Im Hinblick auf Kinder, die sterben, ohne die Taufe empfangen zu haben, kann die Kirche sie nur der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen, wie sie es ja tatsächlich tut in dem Begräbnisritus, der für diese Kinder eingeführt wurde. Das große Erbarmen Gottes, der will, dass alle Menschen gerettet werden , und die zärtliche Liebe Jesu zu den Kindern, die ihn sagen lässt: ‚Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!’ (Mk 10,14), berechtigen uns tatsächlich zu der Hoffnung, dass es für die ohne Taufe verstorbenen Kinder einen Heilsweg gibt.  Umso dringlicher ist die Aufforderung der Kirche, Kinder nicht daran zu hindern, durch die Gabe der Heiligen Taufe zu Christus zu kommen” (CCC 1261).

Für uns, die wir den Gebrauch der Vernunft erreicht haben, ist der Augenblick, uns zu retten, der gegenwärtige Moment. Wir müssen ihn leben, als wäre er der Letzte unserer Existenz, immer bereit, den Herrn mit dem Herzen voller Liebe aufzunehmen.

4. Nichts hindert uns jedoch daran zu denken und zu hoffen, dass Gott auch uns die Möglichkeit gibt, Buße zu tun und einen letzten Akt der Liebe zu ihm ausdrücken zu können. Schließlich möchte Gott, dass alle Menschen gerettet werden und tut alles, um uns zu retten.

Mögen sie also die Garantie Seiner Liebe haben.

Aber zu deiner spezifischen Frage geben uns Seine Worte keine Garantie. Wir erhalten hingegen starke und eindringliche Aufrufe zur Wachsamkeit. Er wird nachts kommen, wie ein Dieb, zu einer Stunde, die wir nicht kennen.

Beten wir gegenseitig dafür, dass der Herr uns die Gnade schenkt, immer bereit zu sein.

Ich danke dir für die Frage, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.

Pater Angelo