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Frage

Lieber Pater Angelo,

wie sollte der typische Alltag eines treuen Katholiken aussehen?  Ich möchte gerne ausführlich wissen, wie viel und welche Gebeten man sprechen sollte; ob täglich den Rosenkranz beten, wie viel und zu welchem Zeitpunkt die Heilige Schrift lesen, der tägliche Gottesdienst….usw.  Könnten Sie mir bitte darüber Aufschluss geben?

Ich bitte Sie, mich in Ihr Gebet einzuschließen, um meinen Glauben immer mehr zu bestärken und meine Liebe zur Kirche zu bewahren.  


Antwort des Priesters

Lieber Besucher,

1. es ist schwierig, an ein Klischee zu denken, dass sich allen Menschen anpasst, da die Lebenssituationen eines jeden unterschiedlich sind, wie auch die jeweilige Glaubensreife und Lebensgeschichten unterschiedlich sind.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Saat auf gutem Boden, von dem man im Evangelium spricht, teils dreißigfach, teils sechzigfach, teils hundertfach Frucht erbrachte. 

Das Evangelium selbst mahnt uns daher zur Vorsicht. 

Abgesehen von dieser gebührenden Vorsicht, können wir jedoch ein paar wichtige Dinge hervorheben.

2. Zunächst Folgendes: um unseren Alltag gut einzurichten, ist es erforderlich, im Stand der Gnade zu leben. 

Das ist das Herzstück des christlichen Lebens.

Alles andere ist eine Einführung in das Gnadenleben, eine Hilfe, das Gnadenleben zu erleben oder eine Folge des Lebens in der Gnade.

Jesus sagt: “Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen” (Joh.  14,23).

3. Das Gnadenleben besteht darin, sich in unserem Herzen der persönlichen Gegenwart Gottes, oder vielmehr der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, zu erfreuen.

Dies ist das durch Christus gebrachte Reich Gottes.

Das Gnadenleben ist mit der Befolgung der Gebote verbunden: der zehn Gebote, aber auch und vor allem, des neuen Gebots: “Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe” (Joh. 15,12).

Diese neue Liebe himmlischen Ursprungs (“so wie ich euch geliebt habe”), setzt voraus, dass Christus in unserem Herzen gegenwärtig ist, sonst können wir nicht mit Seiner Liebe lieben. 

Und die Gegenwart Christi ist mit dem Hören des Wort Gottes, mit der Erfüllung Seines Willens verbunden. Er selbst sagte: “Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht” (Joh. 14,24).

Der Hl. Johannes sagt: “Gott ist Liebe (Deus caritas est); wer in der Liebe bleibt  (Caritas) bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. ” (1 Joh. 4,16).

Nun ist es so, dass wir in der christlichen Liebe bleiben und uns der persönlichen Gegenwart Gottes erfreuen, wenn wir Sein Wort halten, wenn wir Seine Gebote halten.  

Wir verlieren aber die christliche Liebe und damit auch die persӧnliche  Gegenwart Gottes, wenn Sein Wille nicht getan wird, die göttlichen Gebote übertreten werden oder das uns vom Herrn gegebene neue Gebot missachtet wird.

4. Nachdem feststeht, dass dies als wesentliches und unersetzliches Element des christlichen Lebens gilt, muss alles andere als Einführung in dieses Leben der Gemeinschaft mit dem Herrn verstanden werden, als Hilfe, es zu leben und seine Folgen zum Ausdruck zu bringen.

Darin liegt also der Diskurs über die Praktiken des christlichen Lebens:  Hӧren des Wort Gottes, Gebetsleben, Eucharistie, Teilnahme am  Gemeinschaftsleben.  

Wie du siehst, sind diese vier Hinweise die der Apostelgeschichte 2,42: “Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten”.

5. Beginnen wir bei der Eucharistie.  

Bezüglich der Notwendigkeit, sich von der Eucharistie zu ernähren, sagte Jesus: “Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst, habt ihr das Leben nicht in euch” (Joh. 6,54).

Wenn Jesus uns im Vaterunser lehrt zu sagen: “Gib uns unser supersubstantielles Brot (das im Italienischen mit täglich übersetzt wird), ruft Er uns auf, nach Ihm zu hungern, dem Brot des ewigen Lebens und und uns jeden Tag von diesem Brot zu ernähren: gib uns heute…”

Wenn der Katechismus der Katholischen Kirche nachdrücklich empfiehlt, dass die Gläubigen an allen Sonn- und Festtagen oder sogar öfter, das heißt sooft einer kann, die heilige Eucharistie empfangen sollen” (KKK 1389), liegt es auf der Hand, dass die Gläubigen zur täglichen Eucharistie eingeladen sind.

Hier können die Gläubigen ihre innige Verbindung mit Christus wiederbeleben und lernen, sich in Ihm zu verwandeln.

Man kann sich der täglichen Eucharistie schrittweise nähern, je nach verfügbarer Zeit, Arbeitspensum und Aufwand für die Erfüllung der eigenen Pflichten.

Einige Praktiken, wie die der ersten Freitage des Monats, Novenen, Triduen, sind in diesem Sinne sehr hilfreich.

6. Kommen wir nun zum Hӧren des Wort Gottes, das auch durch die Lehre der Kirche vermittelt wird. 

Wer jeden Tag zur Messe geht, wird bereits durch das Wort Gottes genährt.

Wer den Rosenkranz betet, durchlebt in der Tat jeden Tag die Ereignisse aus dem Leben Jesu.

Der Rosenkranz umfasst gleichzeitig das Hören des Wort Gottes als auch das Gebet.

Ein guter Christ nimmt aber zusätzlich an den Katechesen und Predigten teil, die von der Pfarrei oder Kirche, in der er lebt, angeboten werden.   

Auch das Lesen der Lebensgeschichten der Heiligen ist hilfreich.

Normalerweise empfehle ich, hauptsächlich in spezifisch kirchlichen Zeiten wie Advent und Fastenzeit, eine kontinuierliche Lektüre der heiligen Schrift (ein Kapitel pro Tag), damit einem tatsächlich die Mӧglichkeit gegeben ist, die komplette Bibel zu lesen. 

7. In Hinsicht auf das Gebet: hier muss jeder selbst Zeiten und Inhalte festlegen.  

Es sollte aber zumindest morgens und abends Gebetsmomente geben, auf die man nicht verzichten kann.

Das könnte vielleicht bedeuten, dass der eine oder andere früher aufstehen oder später zu Bett gehen muss. 

Zu den Grundgebeten  (Pater, Ave, Ehre sei dem Vater, Engel Gottes, Ewige Ruhe) kann man das Lesen der Bibel (auch das ist Gebet ), den Rosenkranz und den Barmherzigkeitsrosenkranz hinzufügen.

Der Rosenkranz und der Barmherzigkeitsrosenkranz kӧnnen auch unterwegs gesprochen werden.   

Es ist aber gut, ein Drittel des Rosenkranzes und mindestens einen Barmherzigkeitsrosenkranz an einem Ort zu beten, der die Andacht begünstigt, “in aller Ruhe”, wie man zu sagen pflegt…beispielsweise zu Hause oder in der Kirche.

Diesen Gebeten kann jeder alle Andachtspraktiken beifügen, die er möchte. Aber diese scheinen mir am wichtigsten zu sein.   

In bestimmten kirchlichen  Zeiten sollte man sich außerdem bestimmte Andachtspraktiken nicht entgehen lassen, wie den Kreuzweg an den Freitagen der Fastenzeit oder die Pfingstnovene.…

Wichtig ist auch, die Häufigkeit der sakramentalen Beichte festzulegen.

8) Schließlich gibt es die Teilnahme am Gemeinschaftsleben der Kirche.

Diese, in unterschiedlicher Weise, verwirklichte Teilnahme ist die Erweiterung unserer Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Unsere Liebe zu Ihm setzt die Nächstenliebe voraus, beginnend unseren Familienangehörigen gegenüber.

“Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. (1 Joh. 4,20).

Von daher die Notwendigkeit, am Leben der Kirche teilzunehmen.

Die Kirche wird sichtbar und baut sich auf in gemeinsamen Aktivitäten, in Begegnungen, im Zusammensein, in Initiativen der Nächstenliebe und der sozialen Förderung, in der Teilnahme an Feiern …

Man erlebt eine besondere Freude am Zusammensein, weil Jesus gegenwärtig ist: “Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen” (Mt. 18,20). 

Darüber hinaus betrachtet der Herr das, was wir einem jeden unserer Nächsten antun, als würden wir es Ihm selbst antun, weil Er sich mit jedem unseres Nächsten identifiziert: “Das habt ihr mir getan” (Mt 25,40).

Das sind also die Kriterien, nach denen ein guter Christ nicht nur seinen Alltag, sondern sein Leben gestalten sollte, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse seiner Berufung, seiner Möglichkeiten und den liturgischen Zeiten.

Sehr gerne versichere ich dir mein Gebet für dein Wachstum im Glauben und Liebe zum Herrn.

Ich danke dir für die Frage, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.  

Pater Angelo