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Frage

Lieber Pater,

zunächst einen lieben Gruß an Sie: möge Jesus Christus immer gelobt sein.   

Könnten Sie mir bitte einen Zweifel klären, der mich schon länger beschäftigt, weiß nicht warum…

Protestanten glauben, dass Jesus am Kreuz für alle Menschen als Sühneopfer für unsere Sünden gestorben ist, und halten daher das Seelenheil für selbstverständlich. Ihrer Meinung nach, sei es also nicht nӧtig, den Brüdern gegenüber, Werke der Nächstenliebe zu vollbringen; dies wäre lediglich eine wohlwollende Geste, die aber nicht unumgänglich ist, um in den Himmel zu kommen: ich verstehen ihren Standpunkt nicht. Kӧnnten Sie ihn mir bitte erklären? Im Grunde sind sie doch auch unsere Brüder…..auch wenn sie anderer Meinung sind als wir Katholiken.

Ihre Beichte wird direkt zwischen einer Person und Gott abgelegt, ohne die Vermittlung eines Priesters.

Warum? Woher nehmen sie ihre Überzeugungen?  Es ist kaum zu fassen. 

An das Fegefeuer glauben sie auch nicht, deshalb halten sie die Gebete an die, im Fegefeuer verweilenden Seelen, für nutzlos. 

Auch das kann ich nicht verstehen. Wieso all diese Unterschiede?

Und doch glauben sie wie wir an Jesus Christus.  Wo haben sie sich denn verloren…..die Protestanten?

Ich habe noch Bedenken bezüglich einer Sache: wenn ein Protestant sich gut benimmt und seiner Religion gewissenhaft folgt, heißt Jesus ihn dann trotzdem im Himmel willkommen?

Lieber Pater, ich grüße Sie und schließe Sie in meine Gebete mit ein.  

Stefania


Antwort des Priesters

Liebe Stefania,

1. der zentrale Punkt, der uns Katholiken von den Protestanten unterscheidet, ist die Gnade. 

Für uns Katholiken ist die Gnade ein gӧttiches Wohlwollen, das uns erreicht und verwandelt: aus Sündern macht sie uns zu Heiligen, aus Feinden zu Freunden, aus Ungerechten zu Gerechten. 

2. Die Heilige Schrift argumentiert in verschiedenen Stellen, dass die Gnade eine neue Realität ist, die uns verwandelt.

Das verdeutlicht auf klarer Weise der Hl. Paulus, wenn er sagt: “Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schӧpfung” (2 Kor. 5,17).

3. Auch der Hl. Johannes bezieht sich im Evangelium auf diese neue Realität, wenn er von der Schӧpfung spricht: “Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden… aus Gott sind sie geboren” (Joh 1,12-13).

Jesus spricht von einer Neuen Geburt, als Er zu Nikodemus sagt: “Amen, amen, ich sage dir…,wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen….wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben geboren werden” (Joh 3,3-7).

4. Diese Neue Geburt führt etwas Wirkliches, etwas Ontologisches, in uns ein.

Es handelt sich um “Gottes Samen, der in uns bleibt    (1 Joh 3,9).

Dieser Samen des gӧttlichen Lebens ist jene Realität, die man Gnade nennt.

5. Der Hl. Petrus sagt, dass uns  “die makellosen und wertvollen Güter versprochen wurden”, damit wir dadurch  “Teil der gӧttlichen Natur werden” (1 Petr. 1,4).

6. Deshalb steht in Katechismus der Katholischen Kirche: “Er gießt es durch den Heiligen Geist in unsere Seele ein, um sie von der Sünde zu heilen und sie zu heiligen. 

Das ist die heiligmachende oder vergöttlichende Gnade, die wir in der Taufe erhalten haben. Sie ist in uns der Ursprung des ‘Heiligungswerkes“:  Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt hat”  (2 Kor 5,17-18)” (KKK 1999).

7. Für Protestanten ist die Gnade hingegen ein äußerliches Wohlwollen, das den Menschen innerlich nicht berührt, um ihn zu verwandeln. Sie lässt ihn als Sünder in dauerhafter Todsünde verharren. 

Der Mensch rettet sich allein durch den Glauben an Christus, weil Er schon mit seinem Opfer am Kreuz für unsere Sünden gesühnt hat. 

8. Daher reicht es für sie aus, an das Opfer Christi zu glauben, um gerettet zu werden, während man weiterhin tödlich sündigen darf.

Deshalb sagte Luther: “Sündige stark, aber glaube noch stärker”.

9. Protestanten basieren auf der Aussage des hl. Paulus, wo wir lesen, dass wir unentgeltlich gerechtfertigt sind (Röm 3,24) und nicht für unsere Werke.

Denn das Konzil von Trient erinnert daran: „Nichts, was der Rechtfertigung vorausgeht – weder der Glaube noch die Werke – verdient die Gnade der Rechtfertigung. Wenn es nämlich durch Gnade geschieht, geschieht es nicht durch die Werke; ansonsten (wie der Apostel selbst sagt) wäre die Gnade keine Gnade mehr“.

10.  In der Generalaudienz des  19.11.2008 hat Papst Benedikt XVI. gut die Worte des Hl. Paulus erklärt “Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, nicht durch die Werke des Gesetzes” (Rӧm 3,24)  und  “Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch den Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes” (Röm 3,28).

Der  Papst wies darauf hin: “Luther übersetzte diese Stelle: »gerechtfertigt allein durch den Glauben«, was nicht im Text steht. 

11. Er sagte: “Vorher müssen wir klären, was dieses »Gesetz«, von dem wir befreit wurden, eigentlich ist, und was jene »Werke des Gesetzes« sind, die nicht gerecht machen. 

Bereits in der Gemeinde von Korinth gab es diese Ansicht, die dann systematisch in der Geschichte wiederkehren sollte. Die Ansicht bestand in der Annahme, daß es sich dabei um das Moralgesetz handle und daß die christliche Freiheit daher in der Befreiung von der Ethik bestünde. So war in Korinth das Wort im Umlauf »πα´ντα μοι ε´ξεστιυ« (alles ist mir erlaubt, 1 Kor.  6,12).

Diese Interpretation ist eindeutig falsch: Die christliche Freiheit ist kein Libertinismus; die Befreiung, von der der hl. Paulus spricht, ist keine Befreiung von der Pflicht, das Gute zu tun.

Aber was bedeutet also das Gesetz, von dem wir befreit sind und das nicht rettet?

Für den hl. Paulus wie für alle seine Zeitgenossen bedeutete das Wort Gesetz die Torah in ihrer Gesamtheit, das heißt die fünf Bücher Mose.

Die Torah beinhaltete in der Auslegung der Pharisäer, wie sie Paulus studiert und sich zu eigen gemacht hatte, einen Komplex von Verhaltensweisen, der vom ethischen Kern bis zur Befolgung der Riten und Kultregeln reichte und im wesentlichen die Identität des gerechten Menschen bestimmte.

Das galt insbesondere für die Beschneidung, die Einhaltung der Speisevorschriften und die rituelle Reinheit im allgemeinen, sowie die Vorschriften zur Einhaltung des Sabbatgebots usw. Es sind Verhaltensweisen, die oft auch in den Auseinandersetzungen zwischen Jesus und seinen Zeitgenossen auftauchen”.

12. In seiner Fortsetzung erinnerte Papst Benedikt daran, dass sich diese Mentalität in Israel seit einigen Jahrhunderten aufgrund der heute vorherrschenden und etwas laxen griechischen Kultur gebildet hatte. Die Mentalität schien die Identität des jüdischen Volkes und die Reinheit seines Glaubens aufzulösen.

13. Nun, sagte der Papst  “gegen diesen kulturellen Druck, der nicht nur die israelitische Identität, sondern auch den Glauben an den einen Gott und an seine Verheißungen bedrohte, war es notwendig, eine Wand der Unterscheidung zu schaffen, einen Verteidigungsschild zum Schutz für das kostbare Erbe des Glaubens; diese Wand bestand in der Beachtung der jüdischen Regeln und Vorschriften. 

Paulus, der diese Beachtung der Vorschriften in ihrer Funktion zur Verteidigung des Geschenkes Gottes, des Glaubenserbes an einen einzigen Gott erlernt hatte, hatte diese Identität durch die Freiheit der Christen bedroht gesehen: Deshalb verfolgte er sie”.

14. Aber Paulus, “im Augenblick seiner Begegnung mit dem Auferstandenen verstand, dass sich mit der Auferstehung Christi die Situation radikal geändert hatte.  

Mit Christus wurde der Gott Israels, der einzige wahre Gott, der Gott aller Völker. 

Die Wand zwischen Israel und den Heiden – so sagt er im Brief an die Epheserwar nicht mehr notwendig: Christus schützt uns vor dem Polytheismus und all seinen Verirrungen; Christus eint uns mit und in dem einen Gott; Christus gewährleistet unsere wahre Identität in der Verschiedenheit der Kulturen,

Die Wand ist nicht mehr notwendig, unsere gemeinsame Identität in der Vielfalt der Kulturen ist Christus, und Er ist es, der uns gerecht macht.

Gerecht sein will einfach heißen, mit Christus und in Christus sein. Und das genügt. Die Befolgung anderer Regeln ist nicht mehr notwendig”.

15. Zum Schluss sagte Papst Benedikt: “Darum ist der Ausdruck Luthers »sola fide« wahr, wenn man nicht den Glauben der Nächstenliebe, der Liebe entgegenstellt.

Glaube heißt auf Christus schauen, sich Christus anvertrauen, sich an Christus festhalten, sich Christus und seinem Leben angleichen. 

Und die Form, das Leben Christi ist die Liebe; glauben heißt also, sich Christus anzugleichen und in seine Liebe einzutreten. 

Deshalb spricht der hl. Paulus im Brief an die Galater, in dem er vor allem seine Lehre über die Rechtfertigung entfaltet hat, vom Glauben, der durch die Liebe wirkt (vgl. Gal. 5,14)”.

16. Das Abdriften der Protestanten beruht daher auf einem missverstandenen Rechtsbegriff.

Christus hat den Menschen nicht von den Geboten befreit.  

Er hat hingegen gesagt, dass die wesentliche Voraussetzung für den Eintritt in das Königreich gerade die Einhaltung der Gebote ist (Mt. 19,17).

Während er den Menschen von den Vorschriften des jüdischen Gesetzes wie der Beschneidung, rituellen Vorschriften und anderen Bräuchen befreite.

17. Aus einer falschen Auffassung der Gnade erfolgen auch die anderen Irrtümer der Protestanten: Wenn der Mensch ständig  in Todsünde verbleibt, wie Luther behauptet, wozu braucht es  dann das Fegefeuer?

Und wenn die Werke der Menschen allesamt Todsünden sind, wie kann man sich dann anmaßen, anderen durch Fürbitten zu helfen?

Wenn man in gleicher Weise immer in der Todsünde verbleibt und allein durch den Glauben, ohne Nächstenliebe und ohne Werke gerettet wird, wie kann man dann von Heiligen sprechen, von Beispielen zum Nachahmen, von Fürbitten, um zu erbitten?

18. Zum Schluss stellst du mir die Frage, ob Protestanten gerettet werden.

Sie retten sich unter der einzigen Bedingung, durch die jeder gerettet werden kann: wenn sie in der Gnade Gottes sind.  

Diese wird immer allen gewährt, die ihre Sünden aufrichtig bereuen.

Katholiken, aber auch Orthodoxe, greifen dabei auf das Sakrament der Beichte zurück, die nicht nur die heiligmachende Gnade vermittelt, sondern auch jene, die ihre Sünden nur kaum oder unvollkommen bereuen, dazu bringt, aufrichtig umzukehren und daher Gott wohlgefällig zu werden.

Der Protestant, der dies nicht weiß, ist in gutem Glauben. Und der, von der Gnade und guten Werken begleitete Glaube, rettet ihn.  

Ich wünsche dir alles Gute, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.

Pater Angelo