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Frage

Liebe Pater Angelo,

ich danke Ihnen im Voraus für diesen authentischen Dienst der Nächstenliebe. Für alle, die nach Gott Ausschau halten, ist es tröstlich, von hilfsbereiten und sachkundigen Personen, die uns auf dem Weg des Geistes vorausgehen, 

Ratschläge und Antworten zu bekommen.

Ich bin 21 Jahre alt, heiße … und studiere an der Universität…  Ich habe immer versucht, meinen Glauben zu vertiefen und seine Gründe zu erkunden. Mit dieser Absicht habe ich begonnen, einige Abschnitte der Heiligen Schrift und Werke von Heiligen zu lesen, wie zum Beispiel die “Geschichte einer Seele”, das Tagebuch von der hl. Faustina Kowalska, die Exerzitien vom hl. Ignatius von Loyola, des weiteren die Biographien von Heiligen und Mystikern und viele andere, angefangene aber nie beendete, Schreiben.

In mir verbreitete sich allmählich ein Gefühl der Suche nach Zeugnisse, was mich dazu brachte, diese wunderbaren Werke zu lesen, dessen Worte sich aber nicht vollkommen in mir eingeprägt haben.

Es ist, als wäre ich ständig auf der Suche und bin nicht imstande, mich auf das Gelesene zu konzentrieren. Dazu kommt auch das Bedauern, das mir gegebene, große Erkenntnisvermögen, nicht in Kraft für den Glauben umwandeln zu können. Wenn ich darüber nachdenke, kommen mir oft die Worte Jesu in den Sinn: “Wem viel gegeben worden ist, von dem wird viel zurückgefordert werden”.

Außerdem kann ich mein christliches Leben nicht richtig ausüben. Ich besuche regelmäßig die Sonntagsmesse und gehe bei Bedarf beichten, aber ich verfalle dann immer wieder von Neuem in Sünde. Oft erlebe ich nach der Beichte wochenlang großen Trost, der sich mit häufigem und regelmäßigem geistigem Gebet, Freude und Akte der Liebe zu Gott ausdrückt, aber das Gebet verblasst nach einer Weile wieder, der Geist wird schwächer, ich versuche zwar, den Versuchungen zu widerstehen, erliege ihnen jedoch am Ende.

Wenn ich mich von Gott fern fühle, bin ich zu nichts imstande, es ist, als würde ich den Sinn der Dinge nicht finden und selbst im Studium komme ich dann nur schwer voran; ich fühle mich schwach, allein und verfalle leicht in andere Sünden. Die Sünde, die mir all dies verursacht, ist vor allem die Sünde gegen die Reinheit, sowohl in Gedanken als auch in Taten, mit anschließender Schwächung und Zweifel am Glauben, vor allem was die Muttergottes betrifft. Es ist ein pausenloser Kampf, bei dem ich oft den Kürzeren ziehe und ich leide sehr unter den oben beschriebenen Ergebnissen und Gefühlen.

Was die Situation noch verschlimmert, ist dieses Gefühl der Frustration und Nichtigkeit, das mich durchdringt, vor allem, wenn ich allein bin. Es ist schwieriger für mich, an Gott festzuhalten, wenn ich gegen mich ankämpfe, als wenn ich unter anderen bin und wir uns unterhalten. Mit den anderen kann ich scherzen, über Jesus sprechen, über meinen Glauben  argumentieren, ihn verteidigen, aber innerlich fühle ich mich unwürdig, weil ich es nicht verstehe, Seine Worte in Taten umzusetzen, obwohl ich Ihn liebe. 

Die Anderen erheben mich mit meinem Wissen, aber ich demütige mich dann selbst vor ihnen, nicht etwa aus falscher Bescheidenheit, sondern weil ich in mir selbst diese Widersprüche erkenne. Was empfehlen Sie mir? Was halten Sie von meinen Worten?

Ich warte gespannt auf Ihre Antwort! Mehr als eine Frage ist dies ein Hilferuf, und vielleicht gerade deshalb für eine mögliche Veröffentlichung nutzlos. Andernfalls bitte ich Sie, meinen Namen und die Studienrichtung wegzulassen. 

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie mir zugehört haben!


Antwort des Priesters

Lieber Leser,

was du schreibst, ist es wert, anderen zur Kenntnis gebracht zu werden.

Ich habe dafür gesorgt, den Namen und die Studienrichtung zu unterlassen.

1. Zunächst freue ich mich über die hervorragenden Lektüren, die bisher dein christlichen Leben genährt haben.

Das Lesen der von dir genannten Werke geht weit über reine Information oder Bildung hinaus.

Ich bin mir sicher, dass du dabei des öfteren die Anwesenheit und Heiligkeit Gottes hast spüren können. Sie sind in deine Seele und in deinen Körper eingedrungen, haben dich gereinigt und dich zu einer übernatürlichen Gemeinschaft mit dem Herrn und den Nächsten erhoben.

Mit anderen Worten, du hast Momente des Himmels, der wahren Kontemplation, der Vorfreude des Paradieses erlebt.

2. Ich empfehle jedem, die Geschichte einer Seele von der hl. Theresia vom Kinde Jesu, das Tagebuch der hl. Faustina, den Bericht des Pilgers und auch die geistlichen Übungen vom hl. Ignatius von Loyola zu lesen.

Ebenfalls empfehle ich wärmstens die Biographien der Heiligen. Diese Biographien sind nichts anderes als das Evangelium, das in die Praxis umgesetzt worden ist und so präsentiert wird, dass wir es besser verstehen und leben können.

3. Was dir im Grunde genommen fehlt, um standhaft im geistlichen Leben zu beharren und noch besser voranzukommen?

Ich empfehle dir drei Dinge.

Als erstes, täglich, nicht nur sonntags, an der Eucharistie teilzunehmen.

Die Heiligen, deren Werke und Leben du schon gelesen hast, verhielten sich so.

Die Eucharistie ist das Medikament der Unsterblichkeit.

Wenn man beginnt, sich jeden Tag vom Herrn zu nähren, das Opfer Christi für das Leben und die Erlösung der Welt darzubringen und sein Leben dem, was man in der Messe tut, anzupassen, wird man vor vielen Übeln bewahrt.

Der hl. Gregor der Große behauptete, dass “ob auditionem Missae homo liberatur a multis malis” (durch das Hören oder die Teilnahme an der Messe wird der Mensch von vielen Übeln befreit).

Es ist eine Befreiung von vielen Übeln der Seele und auch des Körpers.

4. Der zweite Ratschlag ist die regelmäßige und häufige Beichte. Diese sollte nicht nur auf die Anlässe beschränkt sein, in denen du wegen der Sünden, auf die du dich beziehst, die Beichte für notwendig hältst.

Die Beichte ist immer notwendig, auch wenn wir uns in der Gnade bewahren.

Jede Beichte, auch nur von lässlichen Sünden, erhöht die Gnade in uns, die Vereinigung mit Gott und gibt uns Kraft, um den Versuchungen zu widerstehen.

Die Heiligen machten es so.

Ich fordere dich daher auf, wöchentlich und möglicherweise bei demselben Beichtvater zu beichten.

Du wirst sehen, dass du daraus großen Nutzen ziehen wirst.

5. Des Weiteren schreibst du, dass du dies auch in deinem geistlichen Leben erlebst: “…aber das Gebet verblasst nach einer Weile wieder, der Geist wird schwächer, ich versuche zwar, den Versuchungen zu widerstehen, erliege ihnen jedoch am Ende.”

Du erinnerst dich sicher an die Worte Jesu an die Apostel: “Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet.”

Der hl. Hieronymus kommentiert kurz und bündig: “vom Gebet abzulassen ist wie in Versuchung geführt zu werden”.

Genau so ist es. Ohne Gebet sind wir wie ein wehrloser Soldat: ohne Rüstung, ohne Helm, ohne Schild, ohne Waffe. Und da unser geistliches Leben ein endloser Kampf ist, sind wir ohne Gebet dem Bösen ausgesetzt, das von überall her kommen kann.

Das ist also der dritte Ratschlag: ein regelmäßiges Gebetsleben.

So wie deine Mahlzeiten während des Tages regelmäßig sind, so muss es auch das Gebet sein.

Außer der täglichen Messe, empfehle ich dir das tägliche Gebet des Rosenkranzes, ohne Wenn und Aber.

Nahe lege ich dir auch den Barmherzigkeitsrosenkranz.

Ich danke dir für das, was du mir geschrieben hast, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.

Pater Angelo