Frage

Lieber Pater Angelo,
ich schreibe Ihnen, weil mich eine Frage beschäftigt, die mir sehr am Herzen liegt.
Im Ave Maria beten wir: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder“.
Warum sagen wir „Mutter Gottes“ und nicht „Mutter Jesu“?
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Eine Gläubige,
Caterina
Ich wünsche Ihnen gesegnete Feiertage!


Antwort des Priesters

Liebe Caterina,

  1. Es gab einen Häretiker namens Nestorius, der die Göttlichkeit Christi leugnete und behauptete, Maria könne nur Mutter Jesu genannt werden.
    Der Ausdruck „Mutter Jesu“ ist zwar richtig und findet sich auch in der Heiligen Schrift, zum Beispiel: „Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden“ (Lk 2,33).
    Ebenso: „Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei“ (Joh 2,1).
  2. Thomas von Aquin bringt selbst folgenden Einwurf vor:
    „Man muss sich an die Ausdrucksweise der Heiligen Schrift halten. Nun wird darin nirgends ausdrücklich gesagt, dass die selige Jungfrau Maria Mutter oder Gebärerin Gottes sei, sondern lediglich, dass sie die Mutter Jesu oder die Mutter des Kindes ist.“
    „Dieser Einwurf stammt von Nestorius” fährt er fort.
    Er lässt sich jedoch leicht lösen: Freilich findet sich der Ausdruck selber „Mutter Gottes“ nicht in der Schrift. Aber es findet sich da, daß Christus wahrer Gott ist (1 Joh 5,20) und daß Maria die Mutter Jesu sei (Mt 1,18).
    Also nach der Schrift folgt notwendig, Maria sei Mutter Gottes.
    Auch der heilige Paulus sagt: ‚Ihnen gehören die Väter und ihnen entstammt der Christus dem Fleische nach. Gott, der über allem ist, er sei gepriesen in Ewigkeitt‘ (Röm 9,5).
    Christus stammt aber nur durch die selige Jungfrau Maria aus dem jüdischen Volk. Daher ist derjenige, der ‚über allem steht, Gott, gepriesen in Ewigkeit‘, wahrhaft aus der seligen Jungfrau als seiner Mutter geboren worden“.
    (Summa Theologica, III, 35, 4, ad 1)
  3. Thomas von Aquin stellt einen zweiten Einwand vor: “„Christus ist Gott gemäß der göttlichen Natur. Die göttliche Natur aber hat ihren Ursprung nicht in Maria; daher kann Maria nicht Mutter Gottes genannt werden.“
    Darauf antwortet er erneut: „Auch dieser Einwurf gehört dem Nestorius an.
    Cyrillus löst ihn folgendermaßen: „Wie des Menschen Seele geboren wird mit dem eigenen
Körper und wie Beides als eine Einheit betrachtet wird; und wenn jemand
sagen wollte, es sei die Mutter nicht die, Gebärerin der Seele, sondern des
Fleisches, diese seine Erklärung höchst überflüssig wäre; — so nehmen wir
etwas Ähnliches bei der Geburt Christi wahr. Denn geboren ist aus der
Substanz Gott des Vaters Gott das Wort; weil es aber Fleisch angenommen hat, so ist notwendig zu bekennen, daß es nach dem Fleische geboren
sei aus dem Weibe”.
    Maria ist also nicht Mutter der Gottheit, sondern Mutter jener Person, die da trägt die menschliche und göttliche Natur, gemäß der menschlichen Natur” (Ib., ad 2).
  4. Aus diesen Gründen erklärte das Konzil von Ephesus im Jahr 431, das Nestorius verurteilte, Folgendes:
    Wenn jemand nicht bekennt, dass der Emmanuel wahrhaft Gott ist und dass deshalb die heilige Jungfrau die Gottesgebärerin (Theotokos) ist, weil sie dem Fleisch nach das aus Gott geborene Wort geboren hat, der sei ausgeschlossen (exkommuniziert).“ (DS 252)
  5. Und hier die theologische Begründung des heiligen Thomas von Aquin: “Nun kommt das Empfangen- und Geborenwerden der Person selber zu gemäß jener Natur, in welcher sie empfangen oder geboren wird. Da also im Beginne selber der Empfängnis die menschliche Natur angenommen worden ist von der göttlichen Person; so folgt, daß in aller Wahrheit gesagt werden kann, Gott sei von der Jungfrau empfangen und geboren. Deshalb nämlich wird eine Frau Mutter jemandes genannt, weil sie ihn empfangen und geboren hat. Also folgt, daß Maria mit Recht „Mutter Gottes“ genannt wird”.
  6. Der Titel „Mutter Gottes“ (Theotokos) taucht in Alexandria in Ägypten bereits zur Zeit des Origenes auf, der im Jahr 254 gestorben ist.
    Seine Wurzeln reichen jedoch bis zum Apostolischen Glaubensbekenntnis zurück und damit in die Zeit der Apostel selbst:
    „Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria”.
  7. Indem man Maria „Mutter Gottes“ nennt und nicht nur „Mutter Jesu“, vermeidet man sofort das Missverständnis von Nestorius. Gleichzeitig greift man damit im Grunde nur die Worte der Elisabeth auf, die beim Besuch Mariens ausrief: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (Lk 1,43).

Ich erwidere gerne die Wünsche für diese schönen Weihnachtsfeiertage, gedenke deiner im Gebet und segne dich.
Pater Angelo

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