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Frage

Guten Tag Padre,

Erstmal danke für die Antwort, die Sie mir das andere Mal gegeben haben.

Zweitens möchte ich Ihnen vier Fragen stellen: eine zur … Geschichte, eine zur … Apologetik und zwei, die die Sünden betreffen.

1. Wie Sie wissen, besaß der Papst 11 Jahrhunderte lang die weltliche Macht; ich möchte mich jetzt nicht als Neunmalkluger aufspielen, aber wenn ich recht überlege, glaube ich, dass Gott das nicht gewollt hätte. Der Umgang mit irdischen Dingen erschwert nämlich den Umgang mit den geistlichen Dingen (Hauptaufgabe des Papstes) und begünstigt Korruption innerhalb des Klerus, wie es im XII-XIII Jahrhundert vorgekommen war. Warum hat Gott dem Papst also so lange zeitliche Macht zugestanden?

2. Viele meiner Freunde fluchen; wenn man dann versucht, sie davon abzuhalten, rechtfertigen sie sich mit den Worten: sorry, aber wenn Gott schon allmächtig ist, warum sollte er sich über ein paar Beleidigungen aufregen?

3. Wenn man Agnostiker wird, begeht man dann Sünde?

4. Dank Ihrer Website habe ich erfahren, dass durch die Sünde von Adam und Eva,  jede, von uns begangene Sünde, kosmische Auswirkungen hat. Könnten Sie mir das besser erklären?

Ich danke Ihnen, bitte Sie, für mich und meine Familie zu beten, hauptsächlich für meine Oma, der es letzter Zeit nicht gut geht.

Andrea

Antwort des Priesters

Lieber Andrea,

1. Nach dem Untergang des Römischen Reiches, stützte sich Europa nur noch auf die kirchliche Institution, die auch seine „Barbarisierung“ verhindert hatte.

Die Kirche hat Europa in vielerlei Hinsicht gerettet.

Es fiel ihr damals schwer, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist: Sie fürchtete um die Freiheit des kirchlichen Dienstes, auch in Bezug auf absolutistische Regime.

Mit dem Fall dieser Regime wurde die Kirche ihrer weltlichen Herrschaft beraubt.

Und es war gut für ihre Mission, die im Wesentlichen spiritueller Natur ist: dem salus aeterna animarum (dem ewigen Heil der Seelen).

2. Deinen Freunden, die lästern und behaupten, Gott brauche sich über ein paar Beleidigungen nicht aufzuregen, erwidere ich Folgendes: Gotteslästerungen schaden nicht Gott, sondern dem der sie ausspricht.

Du solltest sie an die Stelle aus der Heiligen Schrift erinnern, wo es um das zweite Gebot geht: “Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht” (Ex 20,7).

Natürlich ist es nicht Gott, der straft. Aber, indem wir fluchen, wird unser eigener Wille dem gemeinsamen Widersacher überliefert, der, wenn er kommt, “nur kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten” (Joh 10,10).

Aus diesem Grund lesen wir im Alten Testament: “…wer sündigt, verfehlt sich gegen sich selbst.” (Sir 19,4).

Für den heiligen Augustinus ist: “Sünde ein Fluch und folglich resultieren Tod und Sterblichkeit aus der Sünde” (Contra Faustum, 14,4).

Deshalb ist Gotteslästerung  auch ein Fluch oder eine Art Schadenzauber, den man sich selbst zufügt.

Diese Freunde von dir ziehen aus der Lästerung keinen Gewinn, sondern in jeder Hinsicht nur Verluste. 

3. Des Weiteren fragst du mich, ob jemand Sünde begeht, wenn er Agnostiker wird

Zunächst möchte  ich darauf  aufmerksam machen, wie du die Frage gestellt hast: „Wenn man Agnostiker wird„. 

Dies setzt voraus, dass er zuvor ein Gläubiger war. 

Die Antwort ist die folgende: normalerweise ist die Sünde schon vorher begangen worden. 

Oder vielmehr, die Sünden, im Plural, nicht nur im Singular.

Die Worte Jesu bleiben ewig: “Denn darin besteht das Gericht: Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse” (Joh 3,19).

Im Allgemeinen gehen Glaubenskrisen moralischen Krisen voraus, das heißt Sünden, von denen wir uns nicht reinigen wollten und die in uns ein bestimmtes Verhalten und eine gewisse Mentalität hervorgerufen haben.

Ich betone im Allgemeinen, denn es gibt auch Ausnahmen.

4. Schließlich sagst du “Dank Ihrer Website habe ich erfahren, dass durch die Sünde von Adam und Eva,  jede, von uns begangene Sünde, kosmische Auswirkungen hat. Könnten Sie mir das besser erklären?”

Dass die Erbsünde kosmische Auswirkungen hatte, kann man der Heiligen Schrift entnehmen (Joh 3,17-19).

Sünde führt zu einem Ungleichgewicht, das auch den Kosmos aus dem Inneren des Menschen heraus, beeinflusst.

5. Die heilige Katharina von Siena sagt, dass der Mensch durch die Sünde gegen Gott rebellisch geworden ist und dadurch rebellisch auch gegen sich selbst. Diese Rebellion empfindet er auch von seiten der Geschöpfe.

Das hört sie vom ewigen Vater mit den folgenden Worten: 

“In Meiner Weisheit habe Ich den ganzen Erdkreis geordnet und lenke ihn in solcher Ordnung, daß nichts daran mangelt noch hinzugefügt werden kann. 

Für Seele und Leib habe Ich gesorgt, nicht zwangshaft durch euren Willen bestimmt, denn ihr wart noch gar nicht, sondern aus eigenem Antrieb und einzig durch Meine Güte schuf Ich Himmel Erde, Meer und Firmament; den Himmel, damit er sich über euch wölbe, die Luft, damit ihr sie atmet, Feuer und Wasser um Gegensatz mit Gegensatz zu mildern, die Sonne, damit ihr nicht im Dunkeln wandelt: alle Dinge sind geschaffen und geordnet, um den menschlichen Bedürfnissen zu ensprechen. 

Der Himmel ist mit Vögeln bevölkert, die Erde bringt Frucht und die vielen Tiere hervor zu des Menschen Unterhalt, und das Meer ist mit Fischen wohlversehn: alles schuf Ich in größter Ordnung und Voraussicht.

Nachdem Ich jedes Ding gut und vollkommen gemacht hatte, schuf Ich das vernunftbegabte Geschöpf nach Meinem Bild und Gleichnis und brachte es in den Garten; doch durch Adams Sünde sproßten Dornen hervor, wo zuvor duftende Blumen in Unschuld und großer Anmut gewachsen waren. 

Alles war dem Menschen Untertan, aber nach der Schuld und dem vollzogenen Ungehorsam empörten sich sämtliche Geschöpfe wider ihn. 

Welt und Mensch, der ja auch eine Welt ist, verwilderten. (Dialog 140)

6. Wie sich diese kosmischen Effekte verwirklichen, ist uns nicht bekannt.

Aber wir wissen, dass es sie gibt.

Auch die Worte, die Johannes Paul II. in Reconcilatio et paenitentia gebraucht hat, als er von den Auswirkungen jeder Sünde auf die Gemeinschaft spricht, lassen sich auf die kosmischen Auswirkungen übertragen.

Er schreibt auch, wie dies geschieht: „Von sozialer Sünde sprechen heißt vor allem anerkennen, daß die Sünde eines jeden einzelnen kraft einer menschlichen Solidarität, die so geheimnisvoll und verborgen und doch real und konkret ist, sich in irgendeiner Weise auf die anderen auswirkt. (…).

Diesem Gesetz des Aufstiegs entspricht leider das Gesetz des Abstiegs, so daß man auch von einer Gemeinschaft der Sündesprechen kann, durch die eine Seele, die sich durch die Sünde erniedrigt, mit sich auch die Kirche erniedrigt und in gewisser Weise die ganze Welt

Mit anderen Worten, es gibt keine Sünde, und sei sie auch noch so intim und geheim und streng persönlich, die ausschließlich den betrifft, der sie begeht. 

Jede Sünde wirkt sich mehr oder weniger heftig und zum größeren oder kleineren Schaden aus auf die gesamte kirchliche Gemeinschaft und auf die ganze menschliche Familie (RP 16).

7. Auf eine “so geheimnisvolle und verborgene und doch reale und konkrete” Art. 

Hier ist etwas von dem, was der heilige Paulus anspielt, wenn er von der Sünde als einem mysterium iniquitatis (2 Thess 2, 3) spricht, einem Mysterium der Ungerechtigkeit.

Mysterium bedeutet verborgene Realität.

Es gibt daher in der Sünde etwas verborgenes, das wir nicht sehen. Aber das da ist.

8. Es gibt jedoch nicht nur die verborgene Realität der Sünde, die in der Welt wirkt.

Es gibt nicht nur das mysterium iniquitatis.

Es gibt auch das mysterium pietatis (1 Tm 3,16), das Geheimnis der Gnade, das stärker ist als das der Sünde.

Und es ist auch ein Zeichen dafür, dass die Auferstehung Christi von einem gewaltigen Erdbeben begleitet wurde, wie Matthäus erinnert (Mt 28,2).

Dieses große Erdbeben steht für die kosmischen Auswirkungen des mysterium pietatis, des auferstandenen Christus, des Überwinders der Sünde und des Teufels.

Ich wünsche dir ein heiliges Osterfest, das in dein Leben und dem deiner Familie die Kraft der Auferstehung des Herrn, mit all ihren kosmischen Auswirkungen, auch auf Körper und Seelen, bringt.

Ich versichere dir mein Gebet und segne dich.

Padre Angelo