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Frage

Lieber Padre Angelo,

Friede sei mit Ihnen!

Ich schreibe Ihnen an diesem speziellen Tag, dem Fest der gӧttlichen Barmherzigkeit, um mich ganz herzlich für die, mir schon gegebenen, Antworten zu bedanken und für all das, was sie leisten!

Es scheint, dass Gott in mir den starken Wunsch eingeprägt hat,  die Sünder zu bekehren und für die Seelen im Fegefeuer zu beten…. Ich denke, dass Gott mir ein wenig Nächstenliebe zukommen lassen hat…aus diesem Grund habe ich gestern, am Ende der Novene zur gӧttlichen Barmherzigkeit, die vielen Jugendlichen und atheistischen Mitschüler und all jene, die gerade stark am Glauben zweifeln, in mein Gebet eingeschlossen….Ich weiß nicht, wie ich dieses Gefühl für die Sünder beschreiben soll:  ich wünsche mir von ganzem Herzen ihre Bekehrung und bringe auch, Ihrem Rat folgend, für die Sünder Opfer und bete  jeden Tag den Barmherzigkeitsrosenkranz  auch für ihre Bekehrung…

Ich denke, dass Gott mich mit der Nächstenliebe für die Seelen im Fegefeuer versehen hat… vor Kurzem habe ich einen Teil des Traktats über das Fegefeuer von der Hl. Katharina von Genua gelesen und hatte zunächst  folgenden Abschnitt nicht verstanden:

“”4. Baue nicht darauf, dass du sagst: Ich werde beichten gehen und dann einen vollkommenen Ablass gewinnen und werde so in jenem (entscheidenden) Augenblick von allen meinen Sünden gereinigt und dann (sicher) gerettet sein.

5. Bedenke, dass eine solche Beichte und Reue, wie sie für das Gewinnen des vollkommenen Ablasses nötig sind, so schwer zu verwirklichen sind, dass du, wenn du das wüsstest, vor Furcht zittern und eher darüber gewiss sein würdest, das alles nicht mehr erlangen zu können als noch zu erlangen. “” 

Aber dann wurde es mir klarer und habe alles Notwendige getan, um zwei Vollablässe zu gewinnen, indem ich mindestens eine halbe Stunde die Bibel gelesen habe.  Genauso habe ich auch verschiedene Ablässe für die Seelen im Fegefeuer erworben.  Kurz darauf habe ich aber eine (lässliche) Sünde begangen und nun frage ich mich, ob die Ablässe doch gelten.  Ich hatte mir nämlich wirklich vorgenommen, nicht mehr zu sündigen, es kam aber trotzdem dazu…

Beim Lesen Ihrer Antworten bin ich auf Rӧm 7,14-25 gestoßen wo der Hl. Paulus über sich selbst schreibt:  16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, erkenne ich an, dass das Gesetz gut ist. 17 Dann aber bin nicht mehr ich es, der dies bewirkt, sondern die in mir wohnende Sünde.

Galten also diese Ablässe als vollkommene Ablässe oder nicht?

Ich will ganz bestimmt nicht mehr sündigen und doch sündige ich weiter…manchmal kommen auch  Zweifel in mir auf, über Sünden des Gedankens und der Zunge, wie schlecht über andere reden  (was meine häufigste Sünde ist).  Wenn man aber über einen Menschen urteilt, indem man die Wahrheit über seine Mängel sagt, ist es dann trotzdem eine Sünde, schlecht über ihn zu sprechen?  Mir ist nicht ganz klar, inwiefern andere zu beurteilen eine Sünde darstellt.   Ich lege nämlich weder Hass, wenn ich über die Mängel anderer spreche, noch beneide ich denjenigen, über den ich spreche…

Ich schließe Sie in meinen Barmherzigkeitsrosenkranz ein und bitte auch Sie, für mich zu beten, damit ich es schaffe, viele Leute zu bekehren, denn ich bin mir bewusst, dass wir “heute einer schweigenden Apostasie verfallen sind” (Johannes Paul II).

Viele Grüße…


Antwort des Priesters

Lieber Leser,

1. Endlich komme ich zu dir… am Festtag der Hl. Maria Magdalena, Schutzpatronin des Dominikanerordens.

Die Magdalena gilt als Vorbild der Büßer.

Der Heilige Pater Dominikus geißelte sich jeden Abend dreimal: das erste Mal zur Sühnung seiner Sünden, das zweite Mal für die Seelen im Fegefeuer, das dritte Mal zur Bekehrung der Sünder.  

Dann verbrachte er die Nacht im Gebet und sagte stӧhnend: “Mein Gott, meine Barmherzigkeit, was wird aus den Sündern werden!…”. 

2. Auch dir hat Gott die Gnade verliehen, für die Sünder zu weinen, für diejenigen, die sich von Ihm abwenden und  – obwohl unbewusst  – beginnen, Seinen Leib mit allen Mitteln zu peinigen.

Die Gesichter von diesen Menschen hast du vor Augen.  Viele davon sind deine Mitschüler, die sich von Gott abwenden, weil sie inzwischen nur noch den Leidenschaften unterworfen sind (so beschrieb sie der Hl. Augustinus), der Pornografie und Unreinheit…

3. Normalerweise wird Gott aufgrund fleischlicher Sünden aufgegeben, weil diese  den Geschmack für Gottes Dinge auslöschen und den Sinn trüben.   

Es ist ein zunächst indirekter Wegzug. Sobald man dann völlig unempfindlich und benebelt geworden ist, wird die Distanzierung explizit und manchmal sogar  theoretisiert, wie wir bei manchen Politikern oder Journalisten merken kӧnnen…

Im Allgemeinen ist die Sünde, die die Entfernung ausgelöst hat, jedoch da, nur wird sie nicht bemerkt. 

4. Manche, die du siehst, sehe auch ich als Priester.

Ich merke, dass sie anfangs das Gebet weglassen und später dann auch den Gottesdienst schwänzen.

Ganz zu schweigen von der Beichte, die sie längst schon aufgegeben haben und zu der sie von niemandem mehr gedrängt werden.

Dein Leiden ist auch mein Leiden.  Sie kommen mir wie verlorene Sӧhne vor, die das Vaterhaus verlassen, um sich der Sklaverei des Teufels zu unterwerfen. 

 Für den Moment nehmen sie diese Sklaverei gar nicht wahr, weil der Teufel nie zum Bӧsen verleitet, indem er es als Bӧse vorstellt, sondern er stellt es als etwas Faszinierendes, Schӧnes, Angenehmes vor.

Im Übrigen bestand nicht gerade darin die Versuchung, mit der der Teufel Eva verführt hat, obwohl es gar keine fleischliche Sünde war?

5. Ich glaube, dass die Liebe zur Bekehrung der Sünder eine der schӧnsten Gnaden ist, die dir Gott, zusammen mit der Liebe zu den Seelen im Fegefeuer, verliehen hat. 

Lass diese beiden Gnaden nicht verblassen.  Lass es zu, dass ihre ganze Fruchtbarkeit in dir zum Ausdruck kommt. 

Der Hl. Dominikus bat Gott jeden Tag um die Gnade, Ihn mit einer immer grӧßeren Liebe lieben zu kӧnnen.  Es war Gott, Der ihn dazu anregte, Ihn um diese Gnade zu bitten und Er gewährte sie ihm reichlich.  

Es überrascht mich nicht, dass diese Liebe ein so großes Feuer in seinem Herzen entzündete, dass es ihn zum Apostel machte und dass er in der Hymne des Morgengebets an seinem Feiertag wie folgt beschrieben wurde: “Er behielt ohne Makel die Lilie der Jungfräulichkeit und brannte wie eine Fackel mit Eifer für diejenigen, die sich gerade verloren” (Conservans sine macula virginitatis lilium, ardebat quasi facula pro zelo pereuntium).

6. Es freut mich, dass du zum Fest der gӧttlichen Barmherzigkeit mit der Liebe zur Bekehrung der Sünder entflammt, zusätzlich zum Gebet auch kleine Opfer gebracht hast.   Diese (Gebete und Opfer) sind die unbesiegbaren Waffen, die der Herr in unsere Hände legt und die, wie die Hl. Theresia vom Kinde Jesu sagte, die Herzen mehr berühren als die Worte, wie sie selbst sehr oft erlebte. 

Mag sein, dass uns der Herr die Früchte unserer Praktiken nicht sofort erkennen lässt.  In unserem Elend, würden wir gleich unserem Hochmut Raum geben und uns wichtig machen.   

Aber die Früchte davon bleiben und es ist das, was wir tatsächlich jeden Tag sehen: während einerseits viele das Vaterhaus verlassen, kommen andere mit den Gefühlen des bekehrten verlorenen Sohnes zurück. 

7. Ich freue mich auch über deinen Willen, vollkommene Ablässe für die Seelen im Purgatorium erwerben zu wollen.  

Die Lehre der Hl. Katharina von Genua hat dir die Schwierigkeit, den Vollablass zu gewinnen, vor Augen gestellt,  denn zusätzlich zu den erforderlichen Praktiken ist es notwendig, von jeder Anhänglichkeit, an irgendeine, auch nur lässliche Sünde, frei zu sein“.   

Da du dir der Schwierigkeit bewusst warst, war es deinerseits richtig, zwei Praktiken durchzuführen, obwohl der vollkommene Ablass nur einmal am Tag gewonnen werden kann.  Den Seelen im Fegefeuer hast du aber trotzdem viel geholfen. 

Du siehst, wie schӧn dieses Werk des vollkommenen Ablasses ist, das uns zu einer immer vollkommeneren täglichen Reinigung anregt:  das Freisein von jeder Anhänglichkeit an irgendeine, auch lässlichen Sünde.  Jede, auch nur lässliche Sünde, ist immer eine Beleidigung Gottes. 

8. Du erzählst mir,  kurz darauf eine lässliche Sünde begangen zu haben.

Das ist unvermeidlich. 

Der Hl. Thomas lehrt, dass wir durch die Gnade Gottes, jede einzelne Todsünde vermeiden kӧnnen, aber wir kӧnnen nicht jede einzelne lässliche Sünde vermeiden.   

Der Herr lässt dies zu, damit wir demütig bleiben.

Was den Vollablass betrifft, kannst du jedoch beruhigt sein: die später begangene lässliche Sünde war nicht vorgesehen.   Leider hast du sie begangen, obwohl du, der Sünde gegenüber, Gefühle der völligen Ablehnung geäußert hattest. 

Aber so sind wir nun mal…

9. Zum Schluss, wenn wir über andere urteilen und über ihre Fehler und Mängel lästern, handelt es sich um Sünde,  wenn wir Schadenfreude über das Missgeschick oder Unglück anderer empfinden oder wenn das Gerede dem Betroffenen keinen Nutzen bringt und dem Zuhӧrer Schaden zufügt.   

Aber wenn man mit Demut und aus Gründen der Nächstenliebe, Verbesserung und spirituellen Erbauung über andere spricht, dann ist das keine Sünde.

Leider ist es aber oft so, dass wir, um das Unkraut auszurotten (nur um zur Messe vom letzten Sonntag zurückzukehren), so geschickt sind und noch mehr Unkraut säen!

Ich wünsche dir, dass du in deinem Wunsch, alle zu bekehren und dem Willen, den Seelen im Fegefeuer Gutes zu tun, gut vorankommst.

Ich freue mich, dass der Herr Jugendliche wie dich für Seine Kirche ausbildet.  

Dafür versichere ich dir mein Gebet und segne dich. 

Padre Angelo