Questo articolo è disponibile anche in: Italienisch Deutsch

Frage

Lieber Pater Angelo,

ich habe noch nie so einen Brief an jemanden geschrieben. Im Internet habe ich nach dem Satz „Mein gescheitertes Leben“ gegoogelt  und bin dann, durch irgendeinem Algorithmus oder, wer weiß welchen, schicksalhaften Verstrickungen, auf Ihre Seite gekommen. Glauben Sie mir, es geht mir wirklich sehr schlecht und ich weine, während ich das hier schreibe. Wären da nicht meine alte Mutter und meine Tochter, um die ich mich kümmern muss… ich glaube, ich würde mir ernsthaft Gedanken darüber machen, wie dem Leben ein Ende setzen.

Die menschliche Bosheit und Mittelmäßigkeit, ich habe sie in all ihren Formen erlebt. (…).

Ich gehe nicht mehr in die Kirche, weil all diese Kirchgänger vorwiegend nur dort sind, um ihr breites Lächeln zur Schau zu stellen und so der Gemeinde zeigen, dass sie gute Christen sind.

Deshalb suche ich Zuflucht bei Büchern, bei der Philosophie.

In letzter Zeit widme ich mich der Lektüre pessimistischer Philosophen (…) und muss zugeben, dass ich ihre Gedanken teile. Ich verachte nicht das Leben, aber ich verachte die Menschen. (…).

Ich pflege meinen Intellekt, aber das Herz ist entkräftet, kalt.

Eigentlich sollte ich Sie nicht einmal stören, da ich mich ja von Gott abgewandt habe. Auch habe ich gar kein Recht, Ihre Zeit zu rauben. Aber ich bin fix und fertig.

Ich sehe keinen Sinn mehr im Leben.

Kann mich für nichts mehr begeistern.

Die Leute um mich herum schlagen mit äußerster Leichtigkeit neue Kapitel in ihrem Leben auf. Sie trennen sich, wechseln ständig Partner, gründen neue Familien; Frauen, die Kinder von unterschiedlichen Vätern haben, posten Lächeln auf Facebook, gehen mit Freunden aus, denen sie schlecht hinterherreden.

Ich nutze kein einziges  soziales Netzwerk.

Das eigene Intimleben öffentlich so zur Schau zu stellen, ruft bei mir Abscheu hervor.

Ich danke Ihnen von Herzen, dass Sie mich gelesen haben (…).

In aufrichtiger Dankbarkeit,

mit freundlichen Grüßen


Antwort des Priesters

Liebe Besucherin,

1. du bedarfst Jesus in deinem Leben.

Nur Jesus kann dich vollständig verstehen und sagt es dir auch: “Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.” (Mt 11,28).

2. Es sind nicht die Bücher, die dein Herz erfüllen können.

Nur eine Person kann die Leere in deinem Herzen ausfüllen.

Ja,mehr noch: es handelt sich um keine menschliche, sondern um eine göttliche Person, die ganz persönlich in dein Herz einzieht, um dort zu wohnen.

3. Dies ist, was Christen, die in der Gnade leben, erfahren.

4.  Jesus ist kein Philosoph, auch kein Intellektueller.

Er ist Gott, der Fleisch geworden ist.

In Ihm “sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen” (Kol 2,3).

Es ist, als wäre das gesamte Wissen der Menschheit in einem einzigen Buch gesammelt worden.

Es lohnt sich, alles andere zu verlassen, um Ihn in Besitz zu nehmen, dem versteckten Schatz im Acker.

5. Jesus ist “unser große Gott und Retter” (Tit 2,13).

Er ist auch dein großer Gott und Retter.

Du hast keinen anderen.

Er allein– besonders in diesem Moment – ​​ist dein großer Gott und Retter.

6. Sobald dir das bewusst werden wird, und ich hoffe bald, wirst du mit dem heiligen Augustinus wiederholen: “Spät habe ich dich geliebt, o Schönheit, so alt und doch immer neu, spät habe ich dich geliebt!

Und siehe, du warst in meinem Inneren und ich draußen,

und dort suchte ich dich und stürzte mich, hässlich entstellt, auf die Schönheiten, die du geschaffen hast.

Du warst bei mir, aber ich war nicht bei dir. 

Weit von dir weg zog mich, was keinen Bestand hätte, wenn es nicht in dir wäre. 

Du hast mich laut gerufen und meine Taubheit zerrissen; 

du hast gestrahlt und geleuchtet und meine Blindheit verscheucht.

Du hast mir deinen Duft zugeweht, und ich habe ihn eingesogen und seufze nun nach dir. 

Ich habe dich geschmeckt, und nun hungere und dürste ich nach dir. Du hast mich berührt, und ich bin entbrannt in deinem Frieden” (Bekenntnisse, X, 27, 38).

7. Nimm das Evangelium zur Hand.

Du wirst schnell feststellen, dass es nicht darum geht, einfach an ein Buch heranzutreten, so schön es auch sein mag.

Du wirst merken, dass Jesus vor dir steht, so wie Er einst vor der Samariterin stand und mit ihr sprach.

Du wirst Ihm Fragen stellen und Er wird dir durch die Stille deines Herzens antworten.

Er wird dir auch mit anderen Worten des Evangeliums antworten und vor allem, indem Er dir Seine Gegenwart spüren lässt: nicht nur neben dir, sondern in deiner Seele, in deinem Herzen und in deinem Geist.

Du wirst dich durch seine Anwesenheit erweitert fühlen.

Ich gedenke dich in der Heiligen Messe, die ich in Kürze feiern werde, und auch in meinem Gebet.

Ich segne dich.

Pater Angelo

P.s.: ein paar persönlichere Passagen habe ich ausgelassen. Ich glaube, ich werde dein Schreiben veröffentlichen. 

Dank dir, könnte damit anderen geholfen werden.