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Frage

Guten Tag,

möge Gott Sie segnen! 

Ganz herzlichen Dank für diesen wertvollen Dienst, den Sie anbieten.

Ich möchte Sie um Ratschlag bitten, wie man sich beim Beten besser konzentrieren kann, denn in den letzten Jahren, insbesondere beim Rosenkranz oder beim stillen Gebet, schweifen meine Gedanken oft ab. Dann denke ich an meine Probleme, manchmal finde ich sogar Lösungen dafür, aber ich weiß nicht ob es gute Dinge sind oder vielmehr Versuchungen, mich abzulenken. Vielleicht sollte ich ein Einführungsgebet sprechen, besser beichten, oder es liegt einfach an mir, obwohl es früher nicht so war.

In der Messe, wenn ich zuhöre und laut bete, passiert mir das nicht, auch nicht im Stundengebet oder beim spontanen Gebet. Aber mir scheint der Rosenkranz wichtig zu sein, auch der Barmherzigkeitsrosenkranz und andere sich wiederholende Gebete. Mir kommt vor, davon zu profitieren und ich bete sie gern.

Ich bitte Sie um Rat, weil ich mir diese Fragen oft stelle und es manchmal bedauere, weil ich mich nicht konzentrieren kann.

Vielen Dank.

Friede und Heil!


Antwort des Priesters

Liebe Besucherin,

1. Ablenkungen sind unvermeidlich.

Das Gebet ist im Wesentlichen eine Erhebung der Seele zu Gott, und da Gott der reinste Geist ist, können wir Ihn weder sehen noch berühren.

Das ist der Grund, warum wir leicht abgelenkt werden: gerade weil wir Ihn nicht zur Hand haben, unter unseren Sinnen.

Es reicht auch nicht aus, ein Einführungsgebet zu sprechen, denn das würde einen Teufelskreis erzeugen und man würde nie mit dem Gebet anfangen, weil die Ablenkungen fast kontinuierlich sind.

2. Sogar die Wüstenväter (3.-4. Jh. n. Chr.) wurden von Ablenkungen belagert, obwohl sie ein Einsiedlerleben führten.

Einer von ihnen, ein gewisser Abt Agatone, antwortete auf die Frage, was das Ermüdendste in seiner klösterlichen Erfahrung gewesen sei: „Glauben Sie mir, keine Anstrengung ist vergleichbar mit der, Gebete vor dem Herrn auszugießen.

Es genügt, ernsthaft mit dem Gebet zu beginnen, und schon gehen alle Dämonen auf einen los.

Es ist ein Kampf bis zum Tod, da sie sich dessen vollkommen bewusst sind, dass nur ein gut ausgeführtes Gebet sie außer Gefecht setzt.

Jede tugendhafte Initiative führt früher oder später zum endgültigen Sieg, bei jenen die darin ausharren; nur das Gebet bis zu unserem letzten Atemzug bleibt ein Schlachtfeld ”  (Siehe Enchiridion asceticum, p. 513).

3. Was man also tun kann?

Ich denke, die Geschichte von Lourdes kann uns etwas lehren.

Kaum sah Bernadette die weiße Dame mit dem Rosenkranz in der Hand, versuchte sie instinktiv, das Kreuzzeichen zu machen, aber sie schaffte es nicht, weil sich ihre Hand zu schwer anfühlte.

Aber als die weiße Dame selbst das Kreuzzeichen machte, machte Bernadette es ihr nach. Sie spürte, wie ihre Kraft zurückkehrte, und machte das Kreuzzeichen mit der gleichen Hingabe und der gleichen Weise, wie es die Heilige Jungfrau tat.

Von da an begann sie, das Kreuzzeichen zu machen, indem sie sich in die Gegenwart des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes versetzte, sodass sich alle, die sie sahen, zu höheren Realitäten erhoben fühlten.

4. Deshalb sollten wir von hier beginnen, von der einfachsten Sache, die wir normalerweise tun, wenn wir anfangen zu beten.

Tatsache ist, dass wir leider überhaupt nicht daran denken, uns in die Gegenwart des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu stellen.

Aber wenn wir es versuchen, werden wir sofort erkennen, wie wahr die Aussage des heiligen Thomas’ ist, der sagt, dass das Kreuzzeichen die Dämonen vertreibt.

5. Es ist unvermeidlich, dass dann trotz der anfänglichen Hingabe eine gewisse Ablenkung zurückkehrt.

Nun, hier zeigt die Erfahrung, dass die mit Nachdruck vertriebenen Ablenkungen nur kaum wieder zurückzukehren.

6. In einer ruhigen Atmosphäre ist es natürlich einfacher, ohne übermäßige Ablenkung ins Gebet einzutreten.

Deshalb lesen wir in der Heiligen Schrift: “Bevor du etwas gelobst, bereite dich vor! Und werde nicht wie ein Mensch, der den Herrn versucht!” (Sir 18,23 Volgata).

Es besteht kein Zweifel: Wenn wir bis kurz vor dem Gebet lebhaft reden und diskutieren, wird sich unser Geist kaum sammeln können.

7. Priestern, die sich über zu viel Ablenkung im Gebet beschwerten, antwortete der heilige Karl Borromäus, der große Bischof von Mailand, wie folgt: “Soll ich dir beibringen, wie du deine innere Teilnahme an der Chorfeier weiter vermehren, dein Lob gottgefälliger gestalten und in der Heiligkeit Fortschritte machen kannst?

Hör zu, was ich dir sage. Wenn in dir schon ein Funke göttlicher Liebe entzündet ist, verjage ihn nicht, setze ihn nicht dem Wind aus.

Halte deines Herzens Herd geschlossen, damit es nicht erkältet und keine Wärme verliert. Das heißt, vermeide Ablenkungen so gut du kannst.

Bleibe mit Gott vereint, vermeide nutzloses Geschwätz”.

8. Bei der Beichte unterlasse es nicht zu sagen, dass du im Gebet nicht die notwendige Konzentration aufgebracht hast. Diese Lässlichkeit oder Unvollkommenheit ist immer da.

Es zu beichten, ist eine Verpflichtung, die man eingeht, um zu versuchen, zumindest unmittelbar danach, sich wieder zu sammeln.

Gottes Gnade hilft uns, gesammelter und inbrünstiger zu beten.

Mit dem Wunsch, dass dir das gelingt, segne ich dich und schließe dich in mein Gebet ein.

Pater Angelo