Frage
Lieber Pater Angelo,
ich habe mich für mehrere Mess-Novenen angemeldet. Wenn man bedenkt, dass der Wert jeder hl. Messe unendlich ist, aber der Nutzen, an dem wir Anteil haben, begrenzt ist; und dass sich zu den verschiedenen Arten von Mess-Novenen (wie die der Missionare vom Kostbaren Blut, die des Heiligtums von Loreto usw.) im Laufe der Zeit wahrscheinlich Tausende oder sogar Millionen von Personen angemeldet haben, kann ich mir vorstellen, dass der an sich schon begrenzte Nutzen noch zusätzlich unter die Millionen von Menschen aufgeteilt wird, dessen unterschiedliche Kriterien jedoch nur dem Verstande Gottes bekannt sind. Zu diesen unterschiedlichen Kriterien gehören zweifellos die eigenen Gebetsanliegen, die jeder täglich zu solchen heiligen Messen mit einbringen kann.
Damit kommen wir nun zum Kern der Sache. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ich am besten den persönlichen Nutzen steigern könnte, und da Jesus Christus gesagt hat, dass alles, was wir in Seinem Namen vom Vater erbitten, uns gewährt wird, habe ich mir folgendes Gebet ausgedacht:
„O ewiger Vater, ich biete dir alle heiligen Messen an, die heute für mich gefeiert werden. Ich biete sie dir zur Sühne für meine Sünden an, zur Heiligung meiner Seele und für die Gnade, die mir am Herzen liegt […]. Ich bitte dich, im Namen Jesu Christi, erfülle mein Leben mit den Schätzen Deiner Gnaden, als würde jede dieser Messen nur für meine Absichten gefeiert. Amen“
Ich habe mit diesem Gebet noch nicht begonnen, weil ich bezüglich seiner Legitimität und Wirksamkeit auf Ihre Meinung warten möchte.
Ich bitte Sie, mich zu segnen, für mich zu beten und in Ihren heiligen Messen meiner zu gedenken.
Danke
Antwort des Priesters
Lieber Besucher,
1. deine E-Mail bietet mir die Gelegenheit, an die verschiedenen Früchte der hl. Messe zu erinnern, so wie sie nach der katholischen Theologie aufgeteilt sind.
Den Nutzen, den uns das Heilige Messopfer bringt, bezeichnet man als Früchte der heiligen Messe.
Es sei daran erinnert, dass das Messopfer eine sehr kostbare Frucht hervorbringt, da es von Christus, der Kirche und dem Priester dargebracht wird.
2. Es handelt sich um die:
– fructus meritorius gratiae et gloriae (Frucht zum Erlangen der Gnade und Herrlichkeit)
Der hl. Thomas schreibt: “die nämliche Wirkung also, welche vom Leiden des Herrn für die ganze Welt ausging, wird mitgeteilt durch dieses Sakrament” (Somma teologica, III,79,1).
Und noch weiter: “wie das Leiden die Ursache der Herrlichkeit ist; aber nicht so, dass wir sogleich dieselbe erhielten, sondern vorher Anteil nehmen müssen am Leiden des Herrn (Röm 8,17); so führt dieses Sakrament uns nicht sogleich in die Herrlichkeit, sondern verleiht die Kraft, dahin zu gelangen. Davon war die Figur das, was von Elis geschrieben steht (1 Re 19,8): ”Er aß und trank und er wandelte in der Kraft dieser Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berge Horeb.” (Summe der Theologie, III, 79, 2, ad 1).
– impetrare fructum. Die Eucharistie „ist das Gedächtnis all seiner Zärtlichkeit und das Kompendium all seiner Wohltaten“ (S. Bonaventura, De Instit., I,11).
Durch diese Frucht erlangen wir alle geistlichen und zeitlichen Nutzen, die wir für unser ewiges Heil brauchen.
– fructus satisfactorii (Sühnefrucht). Das heilige Messopfer hat die Kraft, sowohl Todsünden als auch lässliche Sünden zu erlassen. An sich betrachtet “hat dieses Sakrament die Kraft, alle beliebigen Sünden nachzulassen; denn das Leiden Christi ist die Quelle und Ursache des Nachlasses aller Sünden” (Summe der Theologie, III, 79, 3).
Dieses Sakrament kann auch die Todsünde erlassen, “wenn es dem geistigen Verlangen nach empfangen wird” (Summe der Theologie, III, 79, 3), und nicht durch den Empfang von Leib und Blut des Herrn, denn um sich in würdiger Weise von Christus zu nähren, ist es notwendig, durch die Liebe mit Christus vereint zu sein.
Die Eucharistie tilgt hingegen die lässlichen Sünden aufgrund der wiederbelebten Inbrunst der Liebe.
– satis fructus (satisfaktorische Frucht) Die hl. Messe hat die Macht, sowohl den Lebenden als auch den Verstorbenen die zeitlichen Sündenstrafen zu erlassen.
“ Zur Genugtuung aber wiegt die Disposition des Opfernden mehr als die Größe der dargebrachten Gabe, deshalb sagte der Herr von der Witwe, die zwei kleine Münzen darbrachte, ‘sie habe mehr als alle gegeben’. (Lk 21,4).
Die Größe und der Umfang der Opfergabe nun hier ist wohl hinreichend, um genugzutun für alle Strafe; tatsächlich aber wird die im Sakrament enthaltene Opfergabe erst genugtuend für jene, die darbringen oder für die dargebracht wird, gemäß dem Umfang der Andacht und nicht für die ganze Strafe (Summe der Theologie, III, 79, 5).
Es sei auch gesagt, dass die Eucharistie vor zukünftigen Sünden schützt, sowohl weil sie durch die Gnade mehr mit Christus vereint, als auch indem sie ein Zeichen des Leiden Christi ist, durch das, die Dämonen besiegt und jeder teuflische Angriff zurückgewiesen wird. Der heilige Johannes Chrysostomus sagte, dass „wie Löwen, die Flammen blasen, wir von diesem Tisch zurückkehren, der für den Teufel schrecklich gemacht worden ist” (Predigt 46 über das Evangelium von Johannes).
3. Nun, all diese Früchte werden über die Kirche und die Menschheit ausgegossen, und zwar mehr oder weniger abhängig von der Vereinigung mit Christus.
Dabei unterschieden wir noch zwischen:
allgemeine Frucht: daran nimmt, sofern kein Hindernis besteht, die ganze pilgernde Kirche auf Erden und im Fegefeuer teil.
Diese Frucht kommt allen zugute, ungeachtet der Absicht des Zelebranten, denn Christus hat sich für alle aufgeopfert. Und nach seinem Willen und dem Willen der Kirche, wird sie jedes Mal bei jeder Opferfeier für alle dargebracht.
besondere Frucht: davon profitieren die Anwesenden, darunter insbesondere diejenigen, die dem Altar und der Feier auf verschiedene Weise dienen: von den Ministranten über die Vorleser bis hin zu den Kantoren, und bis hin zu denen, die sich um die Ausstattung der Kirche kümmern, um die Aufrechterhaltung des Kirchenschmucks, oder wer zum Bau der Kirche beigetragen hat.
Jesus hat am Kreuz sein Opfer für alle dargebracht, aber er hatte sicherlich eine Vorliebe für diejenigen, die sich seinem Opfer auf besondere Weise anschließen oder aktiv zu seiner Feier beitragen.
Diese Frucht kommt auch denen zugute, die in den Gebeten der Anwesenden zugegen sind, wie aus dem Eucharistischen Hochgebet I hervorgeht: „für sich und für alle, die ihnen verbunden sind“.
Auch diese Frucht ist unabhängig von der Absicht des Zelebranten.
ganz besondere Frucht: daran ist vorzüglicherweise der zelebrierende Priester beteiligt.
Diese Frucht stammt von ihm aufgrund der besonderen Einheit, die ihn mit Jesus Christus verbindet, da er „in persona Christi“ handelt.
Sie wird ihm dargebracht, auch wenn er nicht daran denkt, und sie kann, gemäß dem Gedanken wichtiger Autoren, auch anderen dargebracht werden.
ministerielle Frucht: diese kommt denen zugute, für die das Messopfer namentlich gefeiert wird und für die der Zelebrant die ihm unterbreitete Opfergabe annimmt.
Jesus am Kreuz sah, dass einige sein Opfer sogar mit einem größeren persönlichen Opfer verbinden würden, indem sie ein Opfer für den zelebrierenden Priester und zum Wohl der Kirche darbrachten.
Diese Frucht dient zur Genugtuung der auferlegten Sündenstrafen,
zur Vergebung der Sünden,
zum Erlangen von geistlichen und zeitlichen Gütern.
Für diese Frucht ist es notwendig, dass der Priester die hl. Messe mit einer bestimmten Absicht appliziert.
4. Wie du siehst, hat diese Aufteilung ihre eigene Sinnhaftigkeit. Sie geht von Christus aus, der vom Kreuze alle Menschen mit seinem Opfer vereint hat.
Und er vereinigte sie auf unterschiedliche Weise, gemäß der inneren Disposition und Haltung der Einzelnen.
Darüber hinaus hat Christus dem zelibrierenden Priester nicht nur die Vollmacht zur Weihe verliehen, sondern auch einige Früchte zum Wohle derer verteilt, die mit einer persönlichen Opfergabe an Seinem Opfer teilnehmen wollen.
5. Durch deine tägliche Teilnahme an der Novene-Messe profitierst du von der ministeriellen Frucht.
Das Opfer Christi selbst hat einen unendlichen Wert. Unsere Teilnahme ist aber immer begrenzt, je nach innerer Disposition und Andacht.
Der Wille, jeden Tag, das von dir geschriebene Gebet zu rezitieren, ist sehr schön und nützlich, um deine Anteilnahme zu steigern.
6. Diesem Gebet könntest du nach dem ersten Satz noch beifügen: „Ich opfere dir auch alle meine heutigen Werke auf“. Auf diese Weise ist dein ganzer Tag und dein Leben inniger mit Christus verbunden.
Dann wäre dein Gebet wie folgt: „O ewiger Vater, ich biete dir alle heiligen Messen an, die heute für mich gefeiert werden. Ich opfere dir auch alle meine heutigen Werke auf. Ich biete sie dir zur Sühne für meine Sünden an, zur Heiligung meiner Seele und für die Gnade, die mir am Herzen liegt […]. Ich bitte dich, im Namen Jesu Christi, erfülle mein Leben mit den Schätzen Deiner Gnaden, als würde jede dieser Messen nur für meine Absichten gefeiert. Amen“
Ich werde deiner in der nächsten Messe, die ich feiere, besonders gedenken.
Inzwischen segne ich dich und wünsche dir alles Gute.
Pater Angelo
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