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Frage

Lieber Pater,

8-9 Jahre lang hatte ich jegliche Verbindung zur Kirche abgebrochen, weil ich keinen Glauben mehr hatte.  Vor wenigen Monaten ist er jedoch stärker denn je zurückgekehrt und ich habe meinen spirituellen Weg, auf unvorstellbarer Weise, ganz intensiv wieder aufgenommen. Aber das Problem ist nicht das, sondern die Zweifel, die ich seitdem mit mir herumtrage und die folgendes betreffen: nachdem ich nach so langer Zeit wieder gebeichtet habe, hat sich der Priester, anstatt meine begangenen Sünden zu erfragen, über mein Leben informiert, was ich tue und warum, und hat mir dann die Absolution erteilt. Wie ich später erfuhr, ist die Absolution für die nicht angeklagten Sünden nicht gültig.  Wenn man davon ausgeht, dass es mein Wille war, um Vergebung zu bitten, sonst wäre ich erst gar nicht zur Beichte gegangen, ist diese Absolution gültig, auch ohne Sündenbekenntnis? Auserdem kommt es nicht das erste Mal vor, dass mir die Absolution so erteilt wird.  Was soll ich tun? Alle meine Sünden, die ich in diesen Jahren begangen habe auflisten und in der Beichte bekennen ( an viele Sünden werde ich mich sicherlich nicht einmal mehr erinnern) ?

Was empfehlen Sie mir zu tun?


Antwort des Priesters

Lieber Besucher,

1. wenn jemand zum Beichtvater geht, um das Sakrament der Versӧhung oder Buße zu feiern, muss er drei Akte vollbringen: Reue der Sünden  (diese Reue nennt sich Zerknirschung), Bekenntnis und Genugtuung.

2. Unser lieber Herrgott selbst verlangt die Anklage der Sünden, wie aus den Worten hervorgeht, durch die er dieses Sakrament eingesetzt hat: “Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.” (Joh. 20,23).

3. Die Anklage der Sünden ist aus zwei Gründen erforderlich: wegen des therapeutischen Charakters dieses Sakraments und auch wegen seines richterlichen Charakters.

Johannes Paulus II. hat gesagt: “Mag man dieses Sakrament als Gericht der Barmherzigkeit oder als Ort geistlicher Heilung betrachten, beides erfordert eine Kenntnis der inneren Verfassung des Sünders, um ihn beurteilen und lossprechen, ihn betreuen und heilen zu können. 

Gerade deshalb ist vom Beichtenden das aufrichtige und vollständige Bekenntnis seiner Sünden erforderlich. Dieses geschieht also nicht nur aus aszetischen Motiven (als Übung von Demut und Selbstverleugnung), sondern gründet im Wesen des Sakramentes selbst.” (Reconciliatio et Paenitentia 31,II).

4. Aus diesem Grund hat die Kirche seit frühester Zeit im Zusammenhang mit den Aposteln und mit Christus das Sündenbekenntnis in das sakramentale Zeichen der Buße miteinbezogen. Ohne sie könnte der Beichtvater nicht seine Funktion als Richter und Arzt ausüben.

Im Konzil von Trient wird folgendes bestätigt  “das Anklagen oder Bekennen der eigenen Sünden wurde von Gott eingesetzt und ist nach göttlichem Recht für diejenigen notwendig, die nach der Taufe in Sünde gefallen sind” (DS 1679).

5. Deshalb ist das Sündenbekenntnis nicht einfach eine Erzählung der wichtigsten Lebensumstände (Studium, Ehe, Kinder, Arbeit, Wohnung, Verpflichtungen …).

Das Sündenbekenntnis hat zum Gegenstand die begangenen Sünden. 

Um zu deinen Fall zu kommen: da der Priester sich deine Sünden nicht angehӧrt hat, hat er eine zu generelle Absolution erteilt.  Er wusste nicht, für was er die Absolution erteilte, er kannte deine Übel nicht, konnte dir deshalb keine richtigen Medikamente geben und die Heilmittel, die für deinen Neubeginn des christlichen Lebens notwendig sind.  

6. Da es sich bei der Anklage der Sünden um gӧttliches Recht handelt, kann die Kirche nicht davon absehen. 

Aus diesem Grund erinnert der Codex des Kirchenrechts daran, dass „alle, nach der Taufe begangenen schweren Sünden, sofern sie noch nicht durch die Schlüsselgewalt der Kirche direkt nachgelassen sind und man sich ihrer noch nicht in einem persönlichen Bekenntnis angeklagt hat“ ,notwendigerweise Teil der Beichte sind. (CJC 988.1).

Deine Sünden wurden dir allgemein erlassen, da du sie aber noch nicht angeklagt hast, müssen sie einer weiteren Beichte unterzogen werden.   

7. Daher wirst du, ohne besondere Eile, bei der nächsten Beichte deine Sünden bekennen.

Sollte der Priester es nicht für nötig halten, wirst du ihm sagen, dass du es tun möchtest, weil du es noch nicht getan hast.

In der Zwischenzeit kannst du, insofern du seit der letzten Beichte keine Todsünden begangen hast, die Heilige Kommunion empfangen.  

Ich danke dir für dein Vertrauen, verspreche, dich in mein Gebet einzuschließen und segne dich. 

Pater Angelo