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Frage

Lieber Pater Angelo,

Mein Name ist F. Ich werde bald 50, bin ein freier Mann, zumindest dachte ich das, bevor mir der Dermatologe nach einer ärztlichen Untersuchung Bluttests auf HIV und LUE (Syphilis) verordnet hat.

Ich hielt mich als freier Mann, vergnügte mich mit vielen Frauen im Bett und tat, was ich wollte, ohne jemandem über meine Handlungen Rechenschaft ablegen zu müssen.

So werde ich zu meinem 50. Lebensjahr ein Todesurteil oder, hoffentlich, eine gӧttliche Gnade als Geschenk bekommen.  

Es stimmt zwar, dass Syphilis heilbar ist, nicht so aber HIV.

Obwohl ich mir große Sorgen mache, übernehme ich die volle Verantwortung für das Geschehnis. Auch wenn ich nichts von dem, was ich gemacht habe, verleugnen möchte…. Ich war es einfach leid, der perfekte und normale Mann zu sein.

Über Jahre hinweg hatte ich früher sogar als liturgischer Animator in der Kirche mitgeholfen, leistete meinen Dienst als Lektor und Ministrant, habe für Gott Gitarre gespielt.

In den letzten Jahren begannen die Dinge sich dann zum Schlechteren zu wenden, … meine Firma ging bankrott, meine Mutter starb an Diabetes, meine Freundin genügte mir nicht mehr.

Kurz gesagt, ein eintöniges und langweiliges Leben.

Ich hatte eine schöne Villa und eine Menge Geld geerbt und begann, im Internet, nach Abenteuern zu suchen. 

Ich glaubte, ein freier Mensch zu sein.  Stattdessen  brachten meine Regellosigkeit, mein mangelndes Verantwortungsbewusstsein und mein wüstes Sexualverhalten ins Gefängnis meiner Begierden und erzeugten eine wahre Abhängigkeit.

Ein Mädchen, das ich im Internet kennengelernt hatte, sagte mir eines Tages, dass jeder den Preis für seine eigene Dummheit bezahlt.…. Um also mehr Emotionen zu empfinden, habe ich mein Leben Satan überlassen und ließ jenen langweiligen Jesus am Kreuze zurück.  

Jeder Sünder, der etwas auf sich hält, wird es nie schaffen, den Weg nach Damaskus einzuschlagen, bis er gegen die Wand des wirklichen Lebens prallt und seine Scheinwelt verlässt. 

Ich bin voll dagegengeprallt und auf den Weg von Damaskus zurückgekommen … Es war lange her, seit ich das letzte mal die Heilige Schrift gelesen oder ein Gebet gesprochen hatte; wie lange hatte ich nicht mehr auf das Kreuz geschaut!  

Aber heute bin ich hier… nicht wegen meines Verdienstes, sondern weil Jesus zu mir gekommen ist, mich gesucht und gesagt hat: “F. hör auf!!! “

Wenn wir von der Angst erfasst werden, ist Gott da und selbst der schlimmste aller Sünder erhebt die Augen zum Himmel und betet: „Gott, vergib mir“.

Frauen machten mich wahnsinnig …. aber ich war mir nicht bewusst, was mit mir hätte passieren können.

Es mag verrückt klingen, aber es ist wirklich so, wie der Hl. Paulus in seinem Brief an die Rӧmer, Kap.7, schreibt.   

Ich weiß, ich bin ein schlechter Christ und habe nichts Gutes anzubieten außer meinem Nichts, das ich vor das Kreuz lege.  

Lieber Pater Angelo, ich bitte Sie und Ihre Leser um ein Gebet, das mir die Kraft gibt, mich auf das Schlimmste vorzubereiten. Ich möchte, Gott möge mich in Seine Arme schließen und…, sollte ich gut davonkommen, ein Zeugnis für andere Narren wie mich sein, damit sie “vor dem Bösen fliehen”.  

Mit dem Bösen ist nicht zu spaßen, und solche Krankheiten können leicht übertragen werden.

Wer weiß, vielleicht benutzt Gott diesen Test, um aus mir einen Christ zu machen, … wie Ghandi sagte: “Ich werde auch ein Christ, sobald ich einen sehe”.

Vielen Dank im Voraus für Ihr Gebet.

Mit freundlichen Grüßen 


Antwort des Priesters

Lieber Besucher,

1. “Die Huld des Herrn ist nicht erschӧpft, sein Erbarmen ist nicht zu Ende” (Klgl. 3,22).

Auch diese schlimme Bedrohung in deinem Leben, im Alter von 50 Jahren, ist eine Gnade. 

Sehr zutreffend ist also dein Hinweis auf dem Hl. Paulus, der übrigens nicht von der Moral sondern von der Lehre abgewichen war. 

Am Tor von Damaskus, als er kurz davor war, Christen gefangen zu nehmen und nach Jerusalem zu bringen, um diese Menschen vor Gericht zu stellen, stürzte er zu Boden, und ihm umgab plötzlich ein blendendes Licht vom Himmel. Als er aufstand, war er bereits bekehrt.   

Ich hoffe, dass auch deine, so ernste Vorwarnung, dich radikal geändert hat.

2. Die Rückkehr zum Herrn durch die Gnade der Bekehrung ist die größte Gnade, die du bisher in deinem Leben erhalten hast.   

Unendlich viel schöner als die Villa, die du geerbt hast und die dir körperliche Verwüstung und vor allem moralisches Elend gebracht hat.

Der Hl. Thomas sagt, “die Bekehrung des Sünders, die im ewigen Gut der Anteilnahme Gottes endet, ist größer als die Schöpfung des Himmels und der Erde, die im veränderlichen Gut endet. Aus diesem Grund fügt Augustinus, nachdem er erklärt hat, dass „einen Sünder zu einem Gerechten zu machen, ein größeres Werk ist, als Himmel und Erde zu erschaffen“, hinzu: „Tatsächlich werden Himmel und Erde vergehen, während das Heil und die Rechtfertigung der Vorherbestimmten bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben”. (Summa theologiae, I-II, 113, 9).

Es ist zu hoffen, dass dich die dir geschenkte Gnade nie wieder verlässt, sondern du sie unversehrt für das ewige Leben bewahrst.

3. Und jetzt verstehst du die Worte des Hl. Paulus, als er sagte: “Wer aber reich werden will, gerät in Versuchungen und Schlingen, er verfällt vielen sinnlosen und schädlichen Begierden, die den Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen. Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet.” (1 Tim 6,9-10).

Als du diese Villa erbtest, hast du dich wie jener Mann verhalten, von dem Gott in einem Gleichnis spricht: “Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.  Da überlegte er bei sich selbst: «Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen kӧnnte.  So will ich machen – sagte er -: ich werde meinen Scheunen abreißen und grӧßere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.  

Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für lange Zeit reichen wird; Ruh dich aus, iss und trink, und freue dich!». Da sprach Gott zu ihm : «Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehӧren, was du angehäuft hast?»” (Lk. 12,16-20).

Durch einen Akt der Barmherzigkeit Gottes wurde dir dein Leben nicht genommen, sondern du hast die Gnade der Reue und Umkehr erhalten.

4. Wer weiß, wie dein Leben ausgesehen hätte, wenn du, anstatt das erhaltene Erbe zu verschwenden, Schätze im Himmel erworben hättest und dieses materielle Gut mit den Armen und für die Bedürfnisse der Kirche geteilt hättest.

Der Herr hätte dir das 100fache zurückgegeben! Wer weiß, wie viele Gnadengaben Er dir dafür geschenkt hätte!

5. Versuche zumindest jetzt, auch von der Notwendigkeit getrieben, deinen Eifer 10mal zu vergrößern, als er früher war, wie der Prophet Baruch sagte: “Wie euer Sinn auf den Abfall von Gott gerichtet war, so zeigt nun zehnfachen Eifer, um umzukehren und ihn zu suchen” (Bar. 4,28).

Von nun an tu, dass wo die Sünde mächtig wurde, da die Gnade übergroß geworden ist (vgl. Rӧm 5,20).

Im Hinblick auf diese große Barmherzigkeit gewährt dir Gott, noch am Leben zu bleiben.

Da du früher leider ein schlechtes Beispiel warst, sei nun ein Vorbild für Buße, Almosen, Gebet und Heiligkeit des Lebens.

Mit der Hilfe der Gebete vieler Besucher, kannst du Gott große Ehre erweisen und dir so einen großen Schatz im Himmel sichern.  

Ihrem Gebet füge ich gern mein eigenes hinzu und segne dich.  

Pater Angelo