Frage

Hallo padre Angelo, 


die Heilige Schrift sagt uns, dass Christus mit Leib und Seele in den Himmel aufstieg.  Meine Frage ist: wo befindet sich der Kӧrper Christi?

Als Christus auferstand und den Aposteln erschien, aß und trank er mit ihnen, um zu beweisen, dass er kein Gespenst war, weil Gespenster weder essen noch trinken.   Damit bewies er, dass er im Fleisch auferstand.   Als Sterbliche kennen wir die Widrigkeiten des menschlichen Kӧrpers und aus dieser Perspektive frage ich, wo sollten wir uns den Kӧrper Christi vorstellen?
In welchem Teil des Himmels, in welcher Dimension sollte er denn existieren (und von welcher Essenz ist hier die Rede), wenn der menschliche Kӧrper nur auf diesem Planeten leben kann, und dazu auch nur in einem sehr kleinen Teil davon?
Wenn er sich in einem spirituellen Ort befindet, wie kann dann ein realer Kӧrper einen immateriellen Ort bewohnen?
Die Heilige Mutter Gottes stieg auch mit Leib und Seele in den Himmel auf, und hier wird meine Frage dringender:  die Heilige Mutter stieg nicht nach einer Auferstehung in den Himmel auf, sondern durch die “Dormitio Virginis”.  Deshalb tat sie es nicht als gӧttliches Wesen, wesensgleich mit Gott, wie Christus, sondern als  menschliches Wesen; jedoch, als  Mutter Christi, seit Anbeginn der Zeit sine labe originali concepita, ein höchst außergewöhnliches menschliches Wesen. Sie hatte aber immerhin einen irdischen menschlichen Kӧrper, ungeeignet für das außerirdische Leben und noch weniger für den Himmel.   

Vor Kurzem hat Papst Ratzinger bei einer lectio divina erklärt, dass beim Beten des Vaterunsers die Worte “im Himmel” als “unter den Gerechten” zu verstehen sei, und zwar “Vater unser, der du bist unter den Gerechten…” , wo also “der Ort” durch die “Ortsbewohner” ersetzt wird.
Sollen wir uns konsequenterweise die Himmelfahrt in Leib und Seele von Christus und der Heiligen Mutter als das Erreichen eines unbestimmten und unbestimmbaren Ortes vorstellen…wo alle Gerechten sind? Wenn ja…wo denn?
Danke


Antwort des Priesters

Lieber Emanuele,


1. In einer schӧnen Synthese der Theologie, die in den 50er Jahren mit dem Titel Theologisiche Einweihung verӧffentlicht wurde, schrieben die franzӧsischen Dominikaner:
“Wohin fuhr Christus auf? Für die Antiker war die Antwort sehr einfach denn ihre Kosmologie war einfach. Sie stellten sich eine vӧllig runde Erde vor, die sich auf den “unteren Wässern” stützte und durch ihre hӧchsten Berge – ihre Herkulessäulen – das Firmament und die hӧheren Gewässer stützt.
Christus sei also in den Himmel aufgefahren, und zwar über die hӧheren Gewässer, im Wohnsitz, die die Griechen  den Olympischen Gӧttern zuteilten.
Noch im 13. Jhr. malte Giotto eine Himmelfahrt, in der man Christus sieht, der am Ende seiner Auffahrt in den Himmel aus den himmlischen Gewässern taucht.  

Obwohl wir jetzt eine bessere, wenn auch noch unvollkommene, Kenntnis des Weltalls haben, ist diese Vorstellung für uns inakzeptabel.
Die Erde ist rund und was wir physikalisch Himmel nennen befindet sich  oben, unten, rechts und links.   

Wir haben uns damit abgefunden, nicht mehr zu wissen; es reicht uns, an die Wirklichkeit der Auferstehung zu glauben: Christus lebt, er ist gegenwärtig.
Für uns spielt es keine große Rolle, wo er ist. Einerseits wissen wir, dass Er dank Seiner Gӧttlichkeit immer bei uns ist: «Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt » (Mt. 28,20), andererseits kennt er wegen Seiner Menschlichkeit jeden von uns mit Namen und sieht unsere innersten Gedanken.
Die Distanz schafft kein Hindernis für diese innerliche Kenntnis, die Jesus von uns hat und für  seine Liebe zu uns.  Es ist, als würde jederzeit ein Mensch einem Anderen, durch Gedankenübertragung, auf einem anderen Kontinent folgen. 

Christus dringt jederzeit in die Tiefe unseres Geistes und Herzens ein und tritt für jeden von uns beim Vater ein.  Dank dieses, zu anderen Seelen möglichen «Kontakts», durch seine Intelligenz und Liebe, wird er zum Werkzeug, das der Vater zu unseren Heiligung anwendet» (Theologische Einweihung, Band IV, Morcelliana, S. 186-187).

2. Im Katechismus der Katholischen Kirche steht geschrieben,  “der echte und wirkliche Leib” des auferstandenen Jesus “besitzt jedoch zugleich die neuen Eigenschaften eines verherrlichten Leibes” (KKK 645).
“Verherrlicht” ist mindestens als  “geistig” zu verstehen, so wie der Hl. Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther, Kapitel 15, schreibt: “es wird auferweckt ein geistiger Leib” (1 Kor. 15,44).

3. Gerade aus diesem Grund steht im Katechismus der Katholischen Kirche geschrieben, der verherrlichte Leib Christi  “ist nicht mehr an Ort und Zeit gebunden” und  “seine Menschennatur kann nicht mehr auf der Erde zurückgehalten werden” (KKK 645).
Die Menschlichkeit Christi  (Leib und Seele)  “gehӧrt nur noch dem gӧttlichen Bereich des Vaters an” durch die Auferstehung(KKK 645) und lebt zwar in Gott.
Jetzt ist aber Gott im Himmel, auf der Erde, überall, weil Er unermesslich ist.

Deshalb ist Er uns nah, unser Nächste.
Und gleichzeitig traszendiert Er Himmel, Erde, und jeden Ort.  Und so wartet Er auf uns in seinem verherrlichten Reich, das  dieser Welt unähnlich ist.  

4. In der Heiligen Schrift steht geschrieben, dass Jesus “wurde er ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, sodass er ihren Blicken entschwand” (Apg. 1,9).
Die Himmelfahrt war den Aposteln notwendig, um zu zeigen, dass Christus mit seiner gloriosen Menschlichkeit in Gott eingedrungen ist.

Die Wolke zeigt die Majestät Gottes. 

5. Auch die Heilige Mutter Gottes ist in den Himmel eingetreten.
Jedoch nicht mit einem materiellen, sondern mit einem verklärten, verherrlichten und geistigen Leib, so wie Christus.  

Während ich dir wünsche – wenn Gott will – dahin zu kommen, wo Jesus für dich einen Platz vorbereitet hat, schließe ich dich in mein Gebet ein und segne dich. 

Padre Angelo

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