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Frage

Lieber Padre Angelo,

ich hoffe auf Ihr Verständnis, aber ich habe das Bedürfnis nach einem Gesprächspartner, um mich über  bestimmte Themen auszutauschen, und so störe ich nun Sie.

Obwohl ich einerseits inneren Frieden verspüre, weil mein Herz in Christus ruht, fühle ich mich andererseits auch ziemlich ratlos. Meine Ratlosigkeit gilt nicht den, aus spiritueller Sicht fast trivialen, Geschehnissen der heutigen Zeit oder der Kirche, sondern es ist vielmehr die Reaktion der „Gläubigen“, einschließlich mir selbst, die mich verwirrt.

Ich beginne mit dem letzten Ereignis, der Einführung des (…).

Es ist nicht meine Absicht, Sie zu belästigen und zu betrüben, indem ich hier eine ungeheure Anzahl von (angeblichen) Häresien, (angeblichen) Sakrilegien auftische, von denen dieses nicht einmal das Geringste wäre und bedauerlicherweise wahrscheinlich  nicht einmal das letzte. Ich tue es nicht, weil es mir Schmerz bereitet . (…).

Bei all dem stört mich nur eines: das regungslose und vor allem schweigende Verharren; ist das ein Zeichen, mit dem  Bösen zusammenzuarbeiten oder nicht?

Wie hat ein Christ sich zu verhalten, ein wahrer Christ meine ich, abgesehen von allen anderen Erwägungen? Die Wahrheit, die in uns ist, schreit, beansprucht, bezeugt zu werden! Mit dem eigenen Leben Zeugnis ablegen, das ist schon mal klar, aber sie auch verkünden, nehme ich an. Machen wir uns etwa an etwas Schrecklichem, an einer beispiellosen Apostasie, dem Abfall des Glaubens, mitschuldig? Und in wessen Namen ist unser Schweigen?

Bitte entschuldigen Sie meinen Ausbruch. 

Pietro


Antwort des Priesters

Lieber Pietro,

leider bin ich erst heute dazu gekommen, deine E-Mail vom Juni letzten Jahres zu beantworten. Entschuldige bitte die Verzögerung.

1. Wie du selbst geschrieben hast, handelte es sich dabei um einen Ausbruch.

 Ja, die Kirche ist heute voller Schmerz. Viele leiden.

Ich bin überzeugt, dass diese Situation aus menschlicher Sicht nicht zu bewältigen ist.

Uns ergeht es wie den Aposteln im Boot, das vom Winde getrieben wird und ständig Gefahr läuft, von den tobenden Wellen zum Kentern zu kommen.

Wir wünschten uns, Jesus entsprechend unseren Erwartungen, am Werk sehen zu können. Wir leiden nicht nur unter dem Sturm, sondern auch, weil es uns scheint, dass Jesus schläft und sich nicht um seine Kirche kümmert.

Wir befinden uns in einem ähnlichen Zustand wie dem, der vom Hl. Markus beschrieben wird: “Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? ” (Mk 4,37-38).

2. “Sie weckten ihn”: darin liegt der geringe Glaube der Apostel. Sie glaubten, dass Jesus nur im Wachzustand die Wellen beherrschen könne, aber nicht im schlafendem Zustand. 

Und deshalb erwachte der Herr und sagte, nachdem er den Wellen geboten hatte: “ Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?” (Mk 4,40).

3. Es hätte im Leben der Apostel ein noch schmerzlicheres Ereignis gegeben, bei dem sie den Eindruck hatten, verlassen worden zu sein: als Jesus mit Handschellen gefesselt, vor Gericht gestellt, gegeißelt und mit Dornen gekrönt, genagelt und am Kreuze gestorben ist.

In jenem Moment hätten sich nicht nur die Wogen des Meeres, sondern auch die Wogen seiner Verfolger mit aller Macht der Hölle gegen ihn erhoben.

4. Das Schlimmste für die Apostel überkam sie, als sie erfuhren, dass er im Grab lag. Da wurde ihnen bewusst, dass alles vorbei war.

Die Stille des Samstags (es waren keine Geräusche zu hören, weil dieser Ruhetag streng einzuhalten war und nur eine bestimmte Anzahl von Schritten außerhalb des Hauses erlaubt waren) muss die Düsternis dieses Moments noch verschlimmert haben.

Das Evangelium erzählt von der Entmutigung der Emmaus-Jünger, die am nächsten Tag nach Hause gingen und sagten: “Wir aber hatten gehofft”.            (Lk 24,21).

Sie waren traurig, obwohl der Herr bereits auferstanden war, den Tod überwunden und über seine Verfolger triumphiert hatte. Aber sie haben es nicht gemerkt.

5. So ist es auch heute. Wir sind traurig, während der Herr längst triumphiert hat.

“Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. 

In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt!” (Joh 16,33).

6. Was tun, wo man doch, wie du schreibst „nicht regungslos und vor allem schweigend verharren kann”?

Das einzige, was wir tun können, ist zum Herrn zu rufen, so wie die Apostel geschrien haben.

Aber im Gegensatz zu ihnen dürfen wir nicht schreien, weil wir an seiner Macht zweifeln, sondern weil wir sehen, dass der Glaube vieler zu erlöschen droht.

Der stille Schrei des Gebets der Muttergottes an jenem Karsamstag muss von dieser Art gewesen sein, als sie sah, dass der Glaube vieler aufgrund der Stille des Herrn erlosch.

7. Der Herr selbst gibt uns an, wie dieser Schrei sein muss.

Er sagt dies durch Santa Caterina von Siena: “Jetzt fordere ich dich und meine anderen Diener dazu auf, zu weinen: denn durch das Weinen und demütige, fortwährende Gebet möchte ich der Welt Barmherzigkeit erweisen” (Raimondo da Capua, Santa Caterina da Siena, n. 354).

Der Herr möchte daher seiner Kirche und der Welt Barmherzigkeit erweisen, aber er möchte, dass ihm unsererseits die Tür geöffnet wird.

Zu unserem zeitlichen und ewigen Wohl und auch zum Wohl der ganzen Kirche sind wir aufgefordert, zu weinen (dh Opfer zu bringen) und demütig und ständig zu beten.

Diese Bemühungen unsererseits könnte das Geschenk sein, das wir ihm zu Weihnachten 2020 bringen.

Möge Weihnachten dieses Jahr für dich reich an himmlischen Gnaden und Trost sein.

Ich schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.

Padre Angelo