Hallo, ich bin ein siebzehnjähriges Mädchen und wollte Ihnen gerne eine Frage stellen.

Im Gespräch mit meinem Onkel, der in unserer Pfarrgemeinde als Katechist tätig ist, sagte er, die Hölle existiere nicht.

Er behauptet, da Gott ja ,ohne Unterschied, jeden liebt und jedem vergibt, er niemanden in die Hölle schicken würde. Für ihn existiert sie daher weder als physischer Ort noch als Idee.

Könnten Sie mir Aufschluss darüber geben, mir ist nämlich ein Zweifel gekommen.

Gott liebt uns wirklich, warum existiert dann die Hölle? 

Danke im Voraus für Ihre Antwort.


Liebe Leserin,

1. Es tut mir sehr leid für das, was dein Onkel lehrt. 

Alle Lehren über das Leben in Gnade wären letztendlich sinnlos, wenn ja doch jeder gerettet wird. 

Exkommuniziert zu werden wäre nutzlos, es ist ja doch vorab schon jeder gerettet.

Was dein Onkel über die Kommunion lehrt (aber wer weiß, ob er das tut!): dass es drei Bedingungen gibt, um eine gute Kommunion zu empfangen (im Stand der Gnade sein, sich dessen bewusst zu sein, wen wir in der Kommunion empfangen, und darüber nachzudenken; sowie das Fasten der Stunde vorher) bringt gar nichts.

Sogar diejenigen, die sich im Zustand der Todsünde befinden, könnten die Kommunion empfangen!

Die größten und reuelosesten Straftäter dieser Welt zu sein, wäre auch kein so irreparables Übel.

Stehlen und töten…. Niemand kommt in die Hölle, auch wenn er nicht bereut!

Außerdem würde auch der Teufel nicht existieren, denn ohne Hölle würde es keine Verdammnis geben.

Wenn dein Onkel das wirklich glaubt, wäre das Ehrlichste, was er tun könnte, seine Pflicht als Katechist wieder in die Hände des Pfarrers zu legen.

Auch Katechisten müssen Christus und der Kirche treu bleiben.

2. Es ist wahr, dass Jesus Christus gestorben ist, um für die Sünden aller zu büßen. 

Es ist wahr, dass Gott jeden liebt und jeden mit in den Himmel nehmen möchte. 

Es bleibt jedoch die Tatsache, dass manche, mit ihren Werken, Gottes Liebe zu ihnen, ablehnen.

3. Aber der Reihe nach: Die Existenz der Hölle hängt nicht davon ab, was dein Onkel sagt. Hier müssen wir auf die einzige kompetente Person hören, und dies ist Jesus Christus, der von Gott Fleisch geworden ist. 

Nun, der Herr hat davon gesprochen wie kein anderer.

4. Eigentlich hatte ich die Absicht, mir alle Aussagen von Jesus und dem Lehramt der Kirche in Bezug auf die Hölle zu besorgen. 

Aber dann habe ich einen Blick auf den Katechismus der katholischen Kirche geworfen und gesehen, dass im Grunde dort alles zu finden ist.

Ich zeige dir also, was das Lehramt der Kirche in seinem offiziellen Katechismus sagt. Vorausgeschickt: die fett und kursiv gedruckten Titel sind von mir.

5. Jesus warnt uns vor der Möglichkeit, in der Hölle zu landen

Folgendes sagt der Katechismus dazu: ”Wir können nicht mit Gott vereint werden, wenn wir uns nicht freiwillig dazu entscheiden, ihn zu lieben. Wir können aber Gott nicht lieben, wenn wir uns gegen ihn, gegen unseren Nächsten oder gegen uns selbst schwer versündigen: „Wer nicht liebt, bleibt im Tod. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder, und ihr wißt: Kein Mörder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt” (1 Joh 3,14-15).

Unser Herr macht uns darauf aufmerksam, daß wir von ihm getrennt werden, wenn wir es unterlassen, uns der schweren Nöte der Armen und Geringen, die seine Brüder und Schwestern sind, anzunehmen [Vgl. Mt 25,31-46]. 

In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluß für immer von ihm getrennt zu bleiben. 

Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man „Hölle” (CCC 1033).

6. Jesus spricht ganz offen von der Existenz der Hölle

 “Jesus spricht öfters von der „Gehenna” des „unauslöschlichen Feuers” [Vgl. Mt 5,22. 29; 13, 42. 50; Mk 9,43-48], die für jene bestimmt ist, die bis zum Ende ihres Lebens sich weigern, zu glauben und sich zu bekehren, und wohin zugleich Seele und Leib ins Verderben geraten können [Vgl. Mt 10,28]. Jesus kündigt in ernsten Worten an, daß er „seine Engel aussenden” wird, die „alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und … in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt” (Mt 13,41-42), und daß er das Verdammungsurteil sprechen wird: „Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer!”

7. Die Kirche selbst hat sich viele Male über die Existenz der Hölle geäußert

“Die Lehre der Kirche sagt, daß es eine Hölle gibt und daß sie ewig dauert. Die Seelen derer, die im Stand der Todsünde sterben, kommen sogleich nach dem Tod in die Unterwelt, wo sie die Qualen der Hölle erleiden, „das ewige Feuer” [Vgl. DS 76; 409; 411; 801; 858; 1002; 1351; 1575; SPF 12]. Die schlimmste Pein der Hölle besteht in der ewigen Trennung von Gott, in dem allein der Mensch das Leben und das Glück finden kann, für die er erschaffen worden ist und nach denen er sich sehnt” (CCC 1035).

8. Was Christus über die Hölle sagte, ist ein dringender Aufruf zur Bekehrung

Die Aussagen der Heiligen Schrift und die Lehren der Kirche über die Hölle sind eine Mahnung an den Menschen, seine Freiheit im Blick auf sein ewiges Schicksal verantwortungsvoll zu gebrauchen. Sie sind zugleich ein eindringlicher Aufruf zur Bekehrung: „Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn!” (Mt 7,13-14)

„Da wir weder Tag noch Stunde wissen, müssen wir auf die Ermahnung des Herrn hin standhaft wachen, damit wir, wenn unser einmaliger irdischer Lebenslauf erfüllt ist, mit ihm zur Hochzeit einzutreten und den Gesegneten zugezählt zu werden verdienen und uns nicht wie bösen und faulen Knechten geheißen wird, ins ewige Feuer zu weichen, in die Finsternis draußen, wo ‚Heulen und Zähneknirschen sein wird” (LG 48)

9. Die Hölle ist die Folge einer freiwilligen Abneigung gegen Gott

Niemand wird von Gott dazu vorherbestimmt, in die Hölle zu kommen [Vgl. DS 397; 1567]; nur eine freiwillige Abkehr von Gott (eine Todsünde), in der man bis zum Ende verharrt, führt dazu. Bei der Eucharistiefeier und in den täglichen Gebeten ihrer Gläubigen erfleht die Kirche das Erbarmen Gottes, der „nicht will, daß jemand zugrunde geht, sondern daß alle sich bekehren” (2 Petr 3,9) (CCC 1037).

10. Ich denke an das Gebet, das die Muttergottes den kleinen Hirten von Fatima gelehrt hat, wo gesagt wird:” O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle…”.

Ich hoffe, dein Onkel besinnt sich eines Besseren.

Ich versichere dir und deinem Onkel meines Gebets und segne euch.

Padre Angelo

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