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Frage

Lieber Pater Angelo,

ich schreibe Ihnen wieder einmal, um einige Zweifel über Glaubensfragen und mein geistiges Leben zu beheben.

Und zwar möchte ich besser verstehen, was Sünde eigentlich ist, denn bei der Suche nach der Wahrheit und dem Versuch, wahrheitsgetreu zu leben, bin ich auf Unklarheiten gestoßen, die ich gern aufklären möchte. Wie uns gelehrt wurde, führt eine Todsünde zur Hölle. Aber was versteht man eigentlich unter Todsünde?…(vorausgesetzt, dass nach der theoretischen Erklärung, folgende drei Bedingungen zugleich erfüllt sind: der Wille, die schwerwiegende Materie und die volle Zustimmung).

Im neuen Testament sagt der Hl. Paulus (1Kor 5, 1-5): “Allgemein hört man von Unzucht unter euch…dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt…diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird…”

Des weiteren im Evangelium, wo Jesus wieder vom Gesetz spricht, sagt Er: “Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich” (Mt 5, 19).

Was ich nun gerne wissen möchte, ist, wie ein Mensch, der mit der Frau seines Vaters zusammenlebt, Erlösung erlangen kann… nach dem, was uns beigebracht worden ist?

Oder was es bedeutet, im Himmelreich der Kleinste zu sein, wenn man ein Gebot übertritt? Während uns immer gesagt wurde, dass eine Person für ewig verloren gehen kann, wenn auch nur ein einziges Gebot nicht eingehalten wird?….

Außerdem wird gesagt, dass die Sünde der Sodomie vor Gott nach Rache schreit, um ein eindeutiges Beispiel einer schweren Sünde anzuführen.  Ich denke, dies bezieht sich auf Sodom und Gomorra, wo Gott sagt … “der Racheschrei ihrer Sünde ist bis an Meine Ohren gedrungen” (ich erinnere mich nicht an die genauen Worte).

Hier steht allerdings fest, dass von Menschen die Rede war, die Gewalt gegen andere Menschen angewendet haben, Männer die an anderen Männern gewaltsamen Geschlechtsverkehr vollzogen.

Meine Frage lautet also: wäre es möglich, dass der Kirche, bei der Interpretation der Bibel, Fehler unterlaufen sind?

Fest steht schon mal, dass Jesus heute nicht mit Fleisch und Blut sichtbar ist, und die Kirche zwar eine heilige (dank der Verdienste Christi) aber auch unvollkommene Realität ist, die sich ständig weiterentwickelt.  Es könnte doch sein, dass im Laufe der Zeit einige Dinge falsch oder zumindest nicht richtig interpretiert worden sind. 

Ich denke nämlich, dass  wenn jemand eine, auch noch so schwere, Sünde begeht, er diese aus Schwäche heraus begeht, und nicht etwa um den Herrn absichtlich zu beleidigen. Wenn es sich also um Schwäche handelt, wie kann es dann eine schwere Sünde sein?

In der Hoffnung, mich klar genug ausgedrückt und nicht zu viele Inhalte vermischt zu haben, danke ich Ihnen im Voraus, grüße Sie herzlichst und bitte Sie um Ihr Gebet für mich und meine Familie.

Massimo


Antwort des Priesters

Lieber Massimo,

ja, du hast so einiges durcheinander gebracht. Aber gehen wir der Reihe nach.

1. Derjenige, der mit seiner Stiefmutter (der Frau seines Vaters) zusammenlebte, ist Satan ausgeliefert worden, um die Möglichkeit zu haben, sich zu bekehren und sich zu retten.

Er  hatte sich also nicht wegen des Zusammenlebens mit der Frau seines Vaters gerettet, sondern wegen der Reue und Buße dieses sündhaften Verhaltens.

2. Im Himmelreich als der Kleinste gehalten zu werden, bedeutet auf ähnlicher Weise, vom Himmelreich ausgeschlossen zu sein.

3. Dass die Männer von Sodom den beiden Überlebenden Gewalt antun wollten, ist wahr.

Die Heilige Schrift verurteilt jedoch ausdrücklich Sünden der Sodomie, unabhängig von Gewalt, weil im Levitikus geschrieben steht:”“Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen”  (Lev 20,13).

Zusammen mit der vorgesehenen Strafe wird auch auf die besondere Schwere der Schuld hingewiesen.

4. Die Kirche ist die heilige Braut Christi, wie wir im Glaubensbekenntnis bekennen: “Ich glaube an die heilige, katholische Kirche…”.

Einige von uns haben diese Heiligkeit durch die Perfektion erreicht. Die Rede ist von den Heiligen im Himmel.

Die anderen, die noch Pilger auf Erden sind, sind noch auf dem Weg zur Perfektion.

5. Die Kirche macht im Laufe der Zeit sicherlich Fortschritte im Verständnis der, von Christus überlieferten Wahrheit.

Der Heilige Geist hilft ihr, nach und nach die ganze Wahrheit zu erfassen.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass das, was die Kirche bisher zu Fragen über Glauben und Moral gelehrt hat, revidiert werden kann.

Denn was durch die Garantie des Geistes der Wahrheit für wahr erklärt worden ist, bleibt für immer wahr (quod semel verum, sempre verum).

Verbesserungsfähig zu sein, ist nicht gleichbedeutend mit unzureichend oder falsch, 

sondern sollte so verstanden werden, wie ein Baum, der zwar gute Früchte erbringt, aber trotzdem verbesserungsfähig bleibt, weil er noch mehrere erzeugen kann.

6. Um eine schwere Sünde zu begehen, ist der ausdrückliche Wille, Gott zu beleidigen, nicht notwendig.

Meistens wird diese begangen, ohne an Gott zu denken, wie z.B. bei Ehebruch, Mord, Diebstahl…

Es bleibt jedoch eine moralisch verwerfliche und ernsthafte Handlung.

Denn wie der Hl. Paulus erinnert “ müssen wir vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat”. (2 Kor 5,10)

Wie du siehst, heißt es nicht: „Wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, um den Lohn für unsere Absichten zu erhalten“, sondern für die geleisteten Werke, obwohl wir auch nach unseren Absichten beurteilt werden.

7. Johannes Paul II sagte: “Andererseits muss man vermeiden, die Todsünde zu beschränken auf den Akt einer Grundentscheidung oder Grundoption („optio fundamentalis“) gegen Gott, wie man heute zu sagen pflegt, unter der man dann eine ausdrückliche und formale Beleidigung Gottes oder des Nächsten oder eine mit inbegriffene und unüberlegte Zurückweisung der Liebe versteht. Es handelt sich nämlich auch um eine Todsünde, wenn sich der Mensch bewusst und frei aus irgendeinem Grunde für etwas entscheidet, was in schwerwiegender Weise sittlich ungeordnet ist. Tatsächlich ist ja in einer solchen Entscheidung bereits eine Missachtung des göttlichen Gebotes enthalten, eine Zurückweisung der Liebe Gottes zur Menschheit und zur ganzen Schöpfung: Der Mensch entfernt sich so von Gott und verliert die Liebe.” (Veritatis Splendor 70)

Man sollte nicht vergessen, dass, insbesondere bei gewissen Geboten wie z.B. dem Ehebruch, Sünden häufig nicht aus Bosheit begangen werden, sondern aus Schwäche.

Auch Verkehrsunfälle werden nicht aus Bosheit verursacht. Aber manchmal sind sie tödlich und schuldhaft.

Ich danke dir für die verschiedenen Fragen, die mir die Möglichkeit geboten haben, viele Dinge zu klären.

Ich schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.

Pater Angelo