Frage

Lieber Pater,

  1. ich bin 24 Jahre alt und habe einige Dinge, die mich sehr belasten, und die ich Ihnen gerne anvertrauen möchte.
    Ich bin seit sieben Jahren mit einem Gleichaltrigen liiert. Das Problem ist, dass wir miteinander schlafen. Ich weiß, dass dies Gott missfällt, und es tut mir sehr leid, weil ich Ihn niemals verletzen möchte. Am Anfang habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, aber seitdem ich öfter in die Kirche gehe, habe ich angefangen, mir darüber Gedanken zu machen. Mein Freund geht nicht zur Messe, oder nur sehr selten, ich dagegen bemühe mich, regelmäßig hinzugehen, weiß aber, dass meine Anwesenheit nur äußerlich ist, weil ich nicht zur Kommunion gehen kann.
    Es belastet mich sehr, zu sündigen; ich will Jesus nicht verletzen, aber ich will auch meinen Freund nicht verlieren. Denn ich habe ihm diesen Wunsch schon einmal erklärt, und wir haben einige Monate ohne sexuelle Beziehungen gelebt – doch wir haben in der Zeit oft gestritten, er war immer gereizt…
    Und außerdem brauche auch ich Motivation: Enthaltsamkeit ist ohnehin eine große Prüfung, und ohne gegenseitige Unterstützung wird es fast unmöglich.
  2. Seit etwa sechs Jahren leide ich an Angstzuständen. Tatsache ist, dass ich leider eine unglückliche, von Einsamkeit geprägte, Kindheit hatte. Meine Eltern wussten nicht, wie sie mich und meinen Bruder erziehen sollten. Mein Vater trank oft, und obwohl er nie handgreiflich wurde, verhielt er sich manchmal seltsam und schrie, was in uns, unschuldigen Kindern, Angst und Panik auslöste. Zudem stritten meine Eltern jeden Tag… wie gesagt, eine sehr schlimme Kindheit, voller Ängste und Sorgen.
    Trotz allem hatte ich Hoffnung für die Zukunft; das Leben erschien mir schön, und ich dankte Gott für all die schönen Dinge, die ich hatte. Ich konnte Licht am Horizont sehen, war positiv gestimmt.
    In den letzten Jahren hat sich jedoch alles verändert. Ich fühle mich sehr ängstlich, zeitweise niedergeschlagen, weine oft, fühle mich zerbrechlich und meine Gedanken sind von Negativität erfüllt. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich habe auch verschiedene Psychologen gewechselt, doch es hat mir nicht viel gebracht. Immer wieder habe ich den Herrn gebeten, mich aus all dem herauszuführen und mir Frieden und jene tiefe Freude zu schenken, die in der Seele wohnt und unerschütterlich ist. Ich weiß, dass Er mir nahe ist.
    Da Sie sicherlich schon mit jungen Menschen in ähnlichen Situationen gesprochen haben, möchte ich Sie fragen: Was kann man tun? Manchmal habe ich das Gefühl, selbst nicht zu wissen, wohin mein Leben führt, immer tausend Zweifel und keine Gewissheit… Wie lässt sich erklären, was mir geschieht -diese Angstzustände und allgegenwärtige Furcht? Ich leide wirklich sehr darunter.
    Wie bereits erwähnt, habe ich in der Vergangenheit mehrere Psychologen gewechselt und meinem Freund nicht die Wahrheit gesagt. Eine Zeit lang habe ich sogar Psychopharmaka eingenommen, die mir ein Neurologe verschrieben hatte. Auch davon habe ich meinem Freund nichts gesagt. Ich weiß, dass das falsch war, bereue es auch sehr und habe Jesus um Vergebung gebeten. Aber ich wollte meinem Freund keine Sorgen bereiten.
    Ich freue mich auf Ihre Antwort und danke Ihnen im Voraus.
    Heute werde ich in meinem Gebet auch für Sie beten.

Antwort des Priesters

Liebe Besucherin,

  1. Ich bin überzeugt, dass viel von der Angst verschwindet, wenn man in der Gnade Gottes lebt. Wenn der Herr in deinem Herzen wohnt, wovor solltest du dich dann fürchten?
    David sagt im Psalm: „Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.  Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich (Psalm 23,1-4).
  2. Das erste, was du also tun solltest, ist, die schwere Sünde aus deinem Leben zu verbannen. Denn in diesem Moment verlierst du die Gegenwart Gottes, bist allein und voller Angst, weil du dich der Herrschaft des Teufels auslieferst.
  3. Fange an, dich mit dem Sakrament der Beichte vertraut zu machen. Lass nicht zwei Wochen verstreichen, auch wenn du in der Gnade Gottes lebst.
    In diesem Sakrament, das Jesus am Abend seines Auferstehungstages eingesetzt hat, wirst du mit der Kraft des auferstandenen Herrn erfüllt.
    Kein Mensch auf dieser Welt kann dir so viel geben wie der Herr, wenn du ihm in den Sakramenten begegnest.
  4. Die Spannungen und Konflikte, die ihr in der Zeit ohne sexuelle Beziehungen erlebt habt, sind sehr aussagekräftig.
    Keuschheit darf nicht nur als Verzicht verstanden werden, sondern als bewusste Entscheidung, in reiner Weise zu lieben. Leider habt ihr euch weder daran gewöhnt noch euch gegenseitig dabei unterstützt, einander auf diese Weise rein zu lieben.
    Die Probleme wurden durch eine sexuelle Hingabe überdeckt, die nicht wirklich authentisch war, weil sie Unreife und ein triebhaftes Verlangen überspielte.
  5. Nimm dir Jesus Christus zum Vorbild, und liebe deinen Freund mit derselben Liebe.
    Liebe ihn mit der Gesinnung Jesu, ja mit jener Gesinnung, die Jesus am Kreuz gezeigt hat – der höchsten und erhabensten:
    – die, der unendlichen Geduld,
    – die, der grenzenlosen Vergebung, ohne die erlittenen Verletzungen anzurechnen,
    – die, der Hingabe des eigenen Lebens und das Opfer seiner selbst, Gott dem Vater zum Heil aller dargebracht,
    – die, dem Gebet für jene, die ihm Leid zufügen und schlecht behandeln.
    Wie gesagt: Nimm dir Jesus zum Vorbild.
    Bleib an seiner Seite, um von Ihm zu lernen, geh bei Ihm in die Lehre.
  6. Konkret heißt das: Du hältst ihn nahe bei dir und gehst zu seiner Schule, wenn du den Heiligen Rosenkranz betest.
    Der Rosenkranz ist ein Gebet, das Jesus in dein Leben einführt.
    Im Rosenkranz wird Jesus dein Begleiter, deine Kraft und dein Lehrer.
    Beim Beten des Rosenkranzes erfährst du, was David im 23. Psalm beschrieben hat, den ich dir weiter oben zitiert habe.
  7. Ich denke, wenn dein Freund diese innere Ruhe und Veränderung bei dir wahrnehmen würde, wäre er überrascht und würde weniger streiten.
    Auch bei ihm würde die Sehnsucht wachsen, Sanftmut und Demut des Herzens zu lernen, so wie es der Herr wünscht (Mt 11,29).
    Dann würde sich eure Beziehung als Paar völlig verändern.
  8. Abschließend: Was braucht eure Partnerschaft, um inneren Frieden, Reife und Rettung zu finden?
    Sie braucht Jesus.
    Nur Er kann euch in jeder Hinsicht retten.
    Nur Er hat gesagt und kann sagen: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5).
    Denn nur Er ist Gott und kann in jedem Moment eures Lebens an eurer Seite sein.
  9. Mach dir keine Vorwürfe, dass du deinem Freund nichts von den verschiedenen Psychologen erzählt hast, bei denen du warst.
    Es war nicht nötig, ihm davon zu berichten, gerade um ihn in Ruhe zu lassen.
    Zumal diese verschiedenen Psychologen kaum Einfluss auf dein Leben hatten; im Gegenteil, sie haben dich so belassen, wie du vorher warst.

Ich wünsche dir, immer tiefer in Ihm verwurzelt zu sein und auch im Herzen deines Freundes den Wunsch zu entfachen, Ihn zu lieben und zu besitzen.
Dafür versichere ich dir mein Gebet und sende dir meinen Segen.
Pater Angelo

Questo articolo è disponibile anche in: Italienisch