Im Monat März, der dem heiligen Josef gewidmet ist, stellen wir eine kurze, aber gehaltvolle Meditation von Pater Reginald Garrigou-Lagrange, O.P., aus dem Werk „Die Liebe Gottes und das Kreuz Jesu“ erneut vor.

Der junge Priester Karol Wojtyła verfasste seine Doktorarbeit am Angelicum unter der Leitung dieses großen Dominikaners, der 1964 verstarb.

Die Werke Gottes sind vollkommen, besonders jene, die unmittelbar und ausschließlich von ihm ausgehen; in ihnen gibt es weder Unordnung noch Missverhältnis.

Die Wahrheit und Tragweite dieses offenbarten und zugleich einsichtigen Prinzips wird besonders deutlich, wenn man es dem gegenüberstellt, was in menschlichen Angelegenheiten allzu oft geschieht. Nicht selten bekleiden unfähige und kurzsichtige Menschen hohe gesellschaftliche Ämter. Das könnte bisweilen äußerst befremdlich oder gar ärgerlich erscheinen, wenn man nicht bedenkt, dass der Herr solche Missstände durch oft heroische Akte verborgener Heiligkeit ausgleicht. Ebenso sollten wir nicht vergessen, dass jeder von uns sein eigenes mea culpa im Hinblick auf die Nachlässigkeiten zu leisten hat, die er bei der Erfüllung seiner Aufgaben und Verpflichtungen zeigt. Solche Mängel sind so verbreitet, dass man ihnen kaum noch Beachtung schenkt. Doch bleibt Unordnung Unordnung und Unzulänglichkeit Unzulänglichkeit – und nichts dergleichen findet sich bei jenen, die unmittelbar von Gott erwählt und von ihm selbst darauf vorbereitet werden, außergewöhnliche Werkzeuge im Heilswerk zu sein.

Der Herr schenkt ihnen eine ihrer Sendung entsprechende Heiligkeit.

Nach diesem Prinzip musste Maria, um die würdige Mutter Gottes zu sein, voll der Gnade sein, vor der Erbsünde bewahrt bleiben und an allen Leiden wie an allen Herrlichkeiten Jesu Anteil haben.

Die Berufung des heiligen Josef war einzigartig, sein Los unvergleichlich. Seine Sendung überragte die der Apostel und sogar die des Johannes des Täufers, des Vorläufers.

Über Johannes den Täufer sagt Jesus im Matthäusevangelium: „Wahrlich, ich sage euch: Unter den von Frauen Geborenen ist keiner aufgetreten, der größer ist als er.“ Doch fügt er hinzu: „Der Kleinste im Himmelreich ist größer als er“.

Der Kleinste – das heißt der Demütigste, der Diener aller, der die größte Liebe besitzt. Und wer ist in der Kirche der Demütigste? Derjenige, der weder Apostel noch Evangelist noch – zumindest äußerlich – Märtyrer war, weder Papst noch Priester noch Kirchenlehrer, der aber Christus Jesus nicht weniger kannte und liebte als die Apostel, Evangelisten, Märtyrer, Päpste und Lehrer – nämlich der demütige Handwerker von Nazareth, der demütige Josef.

Die Apostel waren dazu berufen, den Erlöser zu verkünden und das Evangelium in die Welt hinauszutragen, damit die Menschen gerettet werden. Jesus wurde ihnen offenbart, damit sie ihn allen Völkern verkünden; Josef hingegen wurde er offenbart, damit er ihn im Verborgenen bewahre.

Die Apostel sind Lichter, um Jesus Christus der Welt sichtbar zu machen; Josef ist wie ein Schleier, der ihn verbirgt. Und unter diesem geheimnisvollen Schleier bleiben die Jungfräulichkeit Mariens und die Größe des Erlösers der Seelen verborgen.

Derjenige, der die Apostel wegen der Ehre der Verkündigung verherrlicht, verherrlicht Josef wegen der Demut des Schweigens. Die Stunde der Offenbarung Christi musste durch dreißig Jahre verborgenen Lebens vorbereitet werden.

Heiligkeit besteht darin, den Willen Gottes zu tun – jeder gemäß seiner eigenen Berufung. Doch überragt die einzigartige Berufung Josefs nicht gerade durch ihre Verborgenheit und ihr Schweigen selbst die der größten Apostel? Führt sie nicht näher an das Geheimnis der erlösenden Menschwerdung heran? Nach Maria ist Josef derjenige, der dem Erlöser am nächsten stand. Und so hat er gewiss im stillen Bethlehem, während des Aufenthalts in Ägypten und im bescheidenen Haus von Nazareth mehr Gnaden empfangen als irgendein Heiliger vor oder nach ihm.

So verborgen das Leben des demütigen Zimmermanns auf Erden war, so groß ist nun seine Verherrlichung im Himmel. Derjenige, dem das Wort Gottes auf Erden gehorsam war, besitzt im Himmel eine machtvolle Fürsprache am Herzen Jesu. Wie er einst über das Haus von Nazareth wachte, so wacht er heute über unsere Familien, über Ordensgemeinschaften und über die heilige Kirche – die große Familie Gottes.

Bitten wir ihn, uns den Wert des verborgenen Lebens erkennen zu lassen, den Reichtum der Geheimnisse Christi und die unendliche Güte Gottes. Bitten wir ihn um die Gnade der Kontemplation und einer tiefen, innigen Vereinigung mit Gott.

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