Frage

Lieber Pater Angelo,

mein Problem ist rein theoretischer Natur, in dem Sinne, dass ich als Christ zu oft für das angegriffen werde, was die Kirche tut.   

Nun ist es ja vollkommen in Ordnung, dass sie mich diesbezüglich angreifen, aber ich hätte auch gerne eine Liste von Dingen, zur Verteidigung der Kirche.

Ich weiß und bin fest davon überzeugt, dass die Kirche jeden Tag im Verborgenen gute Werke vollbringt, aber ich möchte auch gern auf all jene Anschuldigungen reagieren, die ihr gegenüber ausgesprochen werden, wie z.B.:

1  in der Kirche gibt es pädophile Priester 

2  die Kirche stiehlt Geld und ist sehr reich 

3 Priester verhalten sich schlechter als normale Menschen 

und noch viele andere Anschuldigungen, die mich ehrlich gesagt, zu oft unvorbereitet treffen, denn was könnte ich schon darauf erwidern?

Es gibt große bewundernswerte Dinge, die die Kirche vollbracht hat und die in den Augen aller sind, aber keiner will das zugeben!!

Ich danke Ihnen für die Antwort.


Antwort des Priesters 

Lieber Besucher,

1. in erster Linie kӧnntest du antworten: auch ich bin Teil der Kirche, bin aber kein Pädophiler, bestehle niemanden, bin auch nicht reich und vielleicht tue ich keine schlimmeren Dinge als der Durchschnittsmensch, denn sonst hätte man mich bestimmt schon ins Gefängnis gesteckt. 

Aber abgesehen von der witzigen Bemerkung, ist diese Antwort noch zu ausweichend.  

2. Ich sage dir also, wie ich mich verhalte, da auch mir die gleichen Fragen gestellt werden, die sie dir stellen.   

Nun, ich versuche, das Problem ins Zentrum zu rücken.

Und sage, dass das Verhalten von Priestern (eigentlich sollte man berichtigen: von einigen Priestern) nicht Gegenstand meines Glaubens ist, und ich interessiere mich auch nicht für das Geld der Kirche oder des Vatikans.

3. Gegenstand unseres Glaubens ist Jesus Christus, menschgewordener Gott, der für jeden von uns “Weg, Wahrheit und Leben ” (Joh. 14,6) ist. 

4. Natürlich tut es einem leid, zu hören, wie die Kirche kritisiert wird, weil es so ist, als würde man unsere Mutter kritisieren.

Es ist nämlich die Kirche, die uns zum Glauben gezeugt hat und in der wir unseren Glauben nähren.

5. Unsere Mütter trennen sich von uns früher oder später.

Es tut uns leid, aber es ist nun mal so.  

Und dennoch sind wir in der Lage, wenn wir erwachsen werden, allein klar zu kommen.

Bei der Kirche ist das nicht der Fall.

Wir brauchen sie unbedingt immer bis am Ende, denn nur durch die Kirche begegnen wir Christus.

Das geschieht hauptsächlich in den Sakramenten.  

6. So begegnen wir Christus beispielsweise in der Beichte. Mir ist Seine Vergebung wichtig. Mich interessiert Seine Gnade.  

In der heiligen Messe ist es das Opfer Christi, das ich suche.  

Sein Blut ist mein einziger Reichtum, das Blut, das mächtiger ruft als das Blut Abels.  (Hebr. 12,24).

Ich bin auf der Suche nach Ihm, meinetwegen, für die Kirche, für die ganze Menschheit, sogar für diejenigen, die über das Verhalten einiger Kirchenmänner empört sind.

7. Wie du siehst, versuche ich nicht, das in der Kirche bestehende, unermessliche Gut, dem Bösen gegenüberzustellen, das von einigen ihrer Diener begangen wird.

Weil Christus der Gegenstand unseres Glaubens ist. Er ist es, dem wir folgen.

Es ist heute noch aktuell, was zwanzig Jahre nach Ende des Konzils im Abschlussbericht der Bischofssynode zu lesen ist: “Die Kirche wird glaubwürdiger, wenn sie weniger von sich selbst spricht und mehr den Gekreuzigten predigt (vgl. 1 Kor 2,2) und Ihm durch ihr eigenes Leben Zeugnis gibt“.

8. Das Zeugnis der Kirche ist bestimmt wichtig.  Weil sie durch ihr Leben und ihr Wort Christus verkündet.

Aber auch die Kirche –selbst würde sie nur aus Heiligen bestehen–  ist nicht unser Gott.

Christus und allein Er  “ist unser großer Gott und Retter” (Tit 2,13).

Nur Christus ist  “Gott, der über allem ist, gepriesen sei Er in Ewigkeit” (Rӧm 9,5).

9. In der sich bildenden Kirche hat Christus auch Judas kooptiert. Er war sich voll bewusst, dass dieser Ihn verraten und durch sein Verhalten das Kolleg der Zwӧlf in den Schatten stellen würde.  

Warum hat Er das getan?

Der Hl. Augustinus sagt, dass Jesus auch ihn einsetzen wollte. Er hat es zugelassen, von ihm verraten zu werden, um uns zu erlӧsen. 

Nun, auch heute noch benutzt Christus diejenigen, die innerhalb der Kirche Böses tun, um andere anzuregen, ihren Eifer zu verzehnfachen.   

10. Aber ohne Judas hinzuzuziehen, die zwölf Apostel konnten sich auch nicht ihrer Treue rühmen.

In Anbetracht dessen, ist die Kirche aufgerufen, demütig zu bleiben und sich zurückzuhalten.

Trotz ihrer unendlichen Verdienste darf die Kirche nicht prahlen.

Ihre Aufgabe ist es nicht, sich selbst zu verkünden, sondern Christus.

11. Wir können sichergehen,  dass Gott sich nicht vertan hat, als er sich der Welt mit einem so zerbrechlichen Angesicht wie dem der Kirche präsentierte.

Es muss jedem klar sein, dass die so außerordentliche Predigt der Kirche und ihr so verwandelndes Handeln nicht der Fähigkeiten der Menschen zuzuschreiben ist, sondern der Tugend Christi, die in ihr ist.

So wie der heilige Paulus zu seiner Zeit sagte: “Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.” (2 Kor 4,7).

12. Zuzusehen, wie die Kirche unter all diesen Skandalen leidet, was durch die Medien noch mehr verstärkt wird, sollte, anstatt uns zu entmutigen, daran  erinnern, dass der Gegenstand unserer Verkündigung und unseres Glaubens unser großer Gott und Retter Jesus Christus ist.

Und was für eine außergewöhnliche Bischofssynode zwanzig Jahre nach Abschluss des Konzils: „Die Kirche wird glaubwürdiger, wenn sie weniger von sich selbst spricht und mehr den Gekreuzigten predigt und Ihm durch ihr eigenes Leben Zeugnis gibt“.

Ich danke dir für deine Frage, schließe dich in mein Gebet ein und segne dich. 

Pater Angelo

Questo articolo è disponibile anche in: Italienisch