Frage

Lieber Pater Angelo,
ich wende mich an Sie, weil ich Ihren Rat suche, wie ich einigen Freunden wirkungsvoller antworten kann. Es sind alles liebe Jungs, das sei schon mal vorausgeschickt, doch leider sind viele von ihnen skeptisch gegenüber der katholischen Religion und der Existenz irgendeiner metaphysischen Wirklichkeit.
In einer unserer Unterhaltungen brachten sie das Thema menschlichen Leidens auf: Blinde, Taube, Querschnittsgelähmte und Menschen mit verschiedenen anderen Behinderungen. Sie sehen darin den Beweis, dass es keinen Gott gibt, und falls es doch einen gäbe, sei er nach ihrer Auffassung ein böser, grausamer und rachsüchtiger Gott.
Jedes dieser Worte traf mich mitten ins Herz und ich wünschte mir so sehr, die passenden, schönen Worte zu finden, um ihnen auch die unendliche Barmherzigkeit und die grenzenlose Liebe unseres himmlischen Vaters nahezubringen.
Ich hoffe, dass Sie, lieber Pater Angelo, mir dabei helfen können.
In sicherem Vertrauen auf Ihre Antwort umarme ich Sie herzlich.
Luigi


Antwort des Priesters

Lieber Luigi,

  1. Deine Freunde wollen einen Gott, der nach ihrem eigenen Bild und ihren eigenen Vorstellungen geschaffen ist.
    Deshalb finden sie Ihn nicht und bleiben ohne Antwort.
  2. Wenn Gott uns ausschließlich für dieses irdische Leben geschaffen hätte, würde ich ihnen recht geben.
    Doch so ist es nicht.
    Gerade die Perspektive des ewigen Lebens offenbart den wahren Sinn und die Größe unseren gegenwärtigen Lebens.
  3. Vor einigen Tagen haben wir den Gedenktag „Unserer Lieben Frau von Lourdes“ gefeiert.
    Wie könnten wir dabei nicht an die ersten Worte denken, die die Muttergottes an Bernadette richtete: „Kommt hierher, und ich werde euch glücklich machen. Doch ich verspreche euch nicht, euch in dieser Welt glücklich zu machen, sondern in der anderen“.
  4. Morgen werden wir in der Liturgie des sechsten Sonntags im Jahreskreis die Worte Jesu hören, die Er zu Beginn seines öffentlichen Wirkens in der Bergpredigt gesprochen hat.
    In dieser Rede werden alle menschlichen Maßstäbe umgekehrt.
    Wir sind hier, um unsere große ewige Zukunft vorzubereiten.
    Und die Größe dieser ewigen Zukunft bemisst sich nach dem Maß der Liebe, das wir hier auf Erden gelebt und erreicht haben.
    Ja, gerade die Liebe, die in dem durch Christus erlösten Leiden eine außergewöhnliche Fähigkeit besitzt, zu wachsen und sich zu entfalten.
    Denn das durch Christus erlöste Leiden verwandelt sich in Opfer, in Liebe und in Hingabe.
    Hat Er uns nicht selbst am Kreuz dieses Beispiel gegeben?
    Was aus menschlicher Sicht unerträglich und erschütternd erscheint, wird von Christus in den höchsten und wirksamsten Akt der Geschichte verwandelt, gerade weil daraus Liebe hervorgeht.
  5. Auch für deine Freunde gilt, was die Kongregation für die Glaubenslehre am 18.11.1974 geschrieben hat: „Die Perspektive eines Christen kann sich nicht auf den Horizont des Lebens in dieser Welt beschränken. Er weiß, daß sich im gegenwärtigen Leben ein anderes vorbereitet, das von solcher Bedeutung ist, daß man sich in seinem Urteil nach ihm richten muß (26). Unter diesem Gesichtspunkt gibt es hier unten kein absolutes Unglück, selbst nicht den schrecklichen Schmerz, ein behindertes Kind aufzuziehen. Dies ist die veränderte Sichtweise, die vom Herrn verkündet worden ist: „Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“ (Mt 5,5). Es hieße, dem Evangelium den Rücken kehren, wenn man das Glück nach dem Nichtvorhandensein von Schmerz und Elend in dieser Welt messen wollte“.
    (Nr. 25)
  6. Ich weiß jedoch nicht, ob deine Freunde diese Worte verstehen werden, denn um sie zu verstehen, bedarf es einer Gabe von oben.
    Und wenn der Mensch diese Gabe zurückweist, also ablehnt, kann er sie aus eigener Kraft nicht wiedererlangen.
    Es bleibt daher nichts anderes, als auch für deine Freunde zu beten und Buße zu tun, damit der Herr ihr Herz wieder öffnet und sie gerettet werden.

Ich wünsche dir eine gute und fruchtbare Fastenzeit. Ich grüße dich, versichere dir meines Gebets und segne dich.
Pater Angelo

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