Frage
Lieber Pater Angelo,
ich schreibe Ihnen aufgrund einer Angelegenheit, die mir sehr am Herzen liegt: mein Wunsch, wie wir den Armen Seelen im Fegefeuer bei ihrer Reinigung helfen können. Mein Vater ist letztes Jahr an einem plӧtzlichen Herzinfarkt gestorben. Ich fühle mich schlecht, weil mir klar geworden ist, dass ich kostbare Zeit verschwendet habe, mit ihm über Arbeitsprobleme zu streiten und mich ständig über mein Leben zu beklagen. Erst jetzt erkenne ich, dass mein Leben vorher in Ordnung war: denn mein Vater war noch da! Ich habe dies dem Priester gebeichtet aber, obwohl mir Gott vergeben hat, wird es das größte Bedauern/Leid meines ganzen Lebens bleiben. Ich weiß, dass der Zustand der Seelen im Fegefeuer ein Zustand des Leidens ist, weil sie sich ihrer Unvollkommenheit und Mängel vollkommen bewusst sind und die Entfernung von Gott ihre schlimmste Qual darstellt. Andererseits ist ihr Zustand aber besser als auf Erden und das tröstet mich, aber aus egoistischer Sicht würde ich meinen Vater noch gerne hier bei mir haben.
Was kann ich für ihn tun? Ich bete viel, habe sogar Gott gebeten, all meine guten und herzvollen Taten nicht zu meinem Nutzen, sondern zu seinem Nutzen anzunehmen.
Wenn ich für die Seelen im Fegefeuer, insbesondere für meinen Vater, bete, ist dieses Gebet ausschließlich für sie, ich will nichts für mich. Nicht, weil ich es nicht nötig hätte, sondern aus bedingungsloser Liebe zu ihnen.
Entschuldigen Sie, wenn meine Mail etwas länger geraten ist.
Was kann ich also im Konkreten tun? Messen feiern lassen, Gedenkspenden, den Rosenkranz beten ? Reicht das aus?
Herzlichen Dank.
Patrizia
Antwort des Priesters
Liebe Patrizia,
1. wenn ein geliebter Mensch stirbt, wird uns sofort bewusst, wie kostbar seine Anwesenheit war, als er noch unter uns war, und gleichzeitig, wie groß unsere Undankbarkeit war.
Ein Schuldgefühl begleitet uns. Erst dann merkt man, wie viel besser es gewesen wäre, wohltätiger, geduldiger, dankbarer und aufmerksamer gewesen zu sein.
2. Es ist ein großer Trost für uns, zu wissen, dass mit dem Tod die Beziehung zu unseren Lieben nicht unterbrochen wird. Es ist eine Beziehung der gegenseitigen Zuneigung und Hilfe.
Wenn wir nur wüssten, wie sehr sie uns vom Himmel oder auch vom Fegefeuer aus helfen! Ihre Verdienste sind nämlich eine inständige Bitte und eine Form des Gebets vor Gott für uns!
3. Du fragst, was du für deinen lieben Vater tun kannst.
Ja, die Feier der Heiligen Messe ist das Erste und Wertvollste, was du tun kannst, denn durch die erneute Feier der Messe werden die Verdienste der Erlösung Christi deinem Vater zuteil.
4. Die Verdienste Christi haben einen unendlichen Wert, aber wir können sie uns nur nach und nach im Rahmen unserer Nächstenliebe und unserer Offenheit gegenüber Gott aneignen.
5. Auch die Spenden oder Almosen bzw. Liebestaten deines Vaters zugunsten, sind von großem Wert, denn die Heilige Schrift bezeugt, dass, wie Wasser loderndes Feuer löscht, so eine Liebestat Sünden sühnt (vgl. Sir 3,30).
Denn die Nächstenliebe deckt eine Vielzahl von Sünden ab, wie der heilige Petrus in Erinnerung bringt (vgl. 1 Petr. 4,8).
6. Und da wir in Christus einen Leib bilden, ist es, wenn wir für unsere Verstorbenen die Messe feiern lassen, als ob es ihr eigener Wille wäre, der vor Gott darum bittet.
Das Gleiche gilt für das Almosengeben und auch für das Gebet, insbesondere das Rosenkranzgebet: es ist, als ob sie es täten und rezitierten.
Nicht nur das, sie erhalten auch das Geschenk unserer Verdienste.
7. Neben diesen Praktiken möchte ich auch an den Wert des Pilgerns erinnern, wenn wir ihr Grab auf dem Friedhof aufsuchen.
Es ist ein immer gesegneter und segensreicher Pilgerweg für uns und für sie.
Wenn wir nach dem Gebet und der Ehrung unserer Toten vom Friedhof zurückkehren, begleitet uns ein Gefühl der Erleichterung. Es ist ihr Segen, der uns wie ein Echo des großen Segen Gottes, für die soeben vollbrachte Tat, erreicht.
8. Unseren Verstorben kӧnnen wir auch unsere Verdienste schenken, die unsere guten, im Zustand der Gnade vollbrachten, Taten begleiten, insbesondere wenn es sich um Widrigkeiten handelt, die wir mit den Gefühlen unseres Herrn ertragen haben.
9. Hier ist, was die heilige Katharina von Siena den Ewigen Vater über das Fegefeuer sagen hörte: “Und wenn du dich zum Fegfeuer wendest, so findest du auch dort Meine milde unschätzbare Vorsehung in jenen armen Seelen, die aus Ungewißheit ihre Zeit vergeudet haben; nun, da sie vom Leib getrennt sind, haben sie keine Zeit mehr, sich Verdienste zu erwerben. Darum kommt ihnen Meine Vorsehung durch euch zu Hilfe, die ihr noch in diesem sterblichen Leben weilt und Zeit habt für sie; durch Almosen und das heilige Opfer, das ihr Meine Diener darbringen laßt, durch Fasten und Gebet im Stande der Gnade verkürzt ihr ihnen die Leidenszeit und vermittelt ihnen Mein Erbarmen. O welch süße Vorsehung!” (Dialog der göttlichen Vorsehung, 148).
10. Mit all dem wird deine Zuneigung zu deinem Vater wachsen, zu seinem Vorteil und gleichzeitig zu deinem Verdienst.
Ja, wir müssen wirklich mit den Worten des Ewigen Vaters an die heilige Katharina abschließen: “O welch süße Vorsehung!” für uns und für sie.
Auch ich schließe mich deinem Bittgebet an und bete gern auch für dich.
Ich segne dich.
Pater Angelo
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