Frage
Lieber Pater Angelo,
nach langer Zeit Gottlosen Lebens habe ich in letzter Zeit immer mehr das Bedürfnis verspürt, mich wieder mit dem Herrn zu versöhnen. Mit tausend Ängsten und aufrichtiger Reue habe ich mich erneut der Beichte genähert. Dabei traf ich auf einen wirklich netten Priester, dem ich sofort sagte, dass ich schon seit vielen Jahren nicht mehr beichtete. Obwohl ich anfangs etwas aufgeregt war, hat mich der Priester sofort beruhigt und das Gespräch verlief sehr entspannt. Er betonte die Wichtigkeit der regelmäßigen Beichte und Kommunion, die Notwendigkeit, Gott an die erste Stelle zu setzen, sich bei der Suche nach der eigenen Berufung zur Heiligkeit im Alltag, nach dem rechten Gewissen zu verhalten.
Es war ein sehr intensiver Moment für mich, aber auch eine etwas ungewöhnliche Beichte: ich hatte nämlich damit gerechnet, alle begangenen Sünden im Detail auflisten zu müssen (und hatte mich darauf in den Tagen zuvor vorbereitet). Stattdessen hat er mich gleich nach einer Art „Plauderei“ freigesprochen, ich hatte nur noch Zeit, ihn kurz zu unterbrechen und zu sagen: „Ich bitte um Vergebung für alle meine Sünden“. Ich war sehr froh, gebeichtet zu haben, aber jetzt befällt mich der Zweifel, dass die Beichte möglicherweise nicht gültig ist, ohne alle Sünden in der Anklage aufgeführt zu haben.
Ich fühlte mich im Einklang mit diesem Priester und würde ihn gerne regelmäßig für künftige Beichten aufsuchen, aber ich kann ihm doch nicht sagen, dass ich irgendwelche Zweifel an der vorherigen Beichte habe. Was denken Sie, Pater?
Ich hätte auch gerne Ihren Rat, um auf meinem Glaubensweg besser voranzuschreiten. Ich merke nämlich, dass mir die religiösen Grundkenntnisse fehlen und möchte versuchen, dem Abhilfe zu schaffen. Könnten Sie mir ein paar nicht zu schwere Lektüren empfehlen? Ich hätte auch gerne einige Hinweise, wie man beten soll, damit es weniger Zerstreuungen gibt.
Meinen unendlichen Dank
M.
Antwort des Priesters
Lieber M.,
1. ich freue mich, dass du dem Herrn gefolgt bist, indem du dich bekehrt hast und zu Ihm zurückgekehrt bist.
Dein Leben ist jetzt im Licht, es hat einen Hauch, der die Ewigkeit umarmt, du hast eine innere Vertrautheit mit Gott gefunden und mit vielen Bewohnern des Paradieses, der Muttergottes inbegriffen.
2. Ich kann deinen “Hunger” und “Durst” gut nachvollziehen.
Deshalb beginne ich damit, dir ein paar Ratschläge für das christliche Leben zu geben.
Der erste betrifft die tägliche Kommunion.
Jesus im Vaterunser lehrt uns, um unser tägliches Brot zu bitten.
Der griechische Text, in dem das Evangelium geschrieben wurde, sagt: „unser übersubstantielles Brot gib uns heute“.
Und das übersubstantielle Brot ist Er, das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, damit jeder, der es isst, nicht stirbt, sondern ewiges Leben hat (d. h. den Besitz Gottes, der schon im irdischen Leben beginnt).
3. Das zweite, was ich dir empfehle, ist das tägliche Gebet des Heiligen Rosenkranzes.
Viele Male habe ich bereits Hinweise gegeben, wie man ihn beten sollte, damit er unsere Seele sättigt und wir daraus einen wirksamen geistlichen Nutzen ziehen.
Ich möchte die drei wichtigsten Punkte hier noch einmal zusammenfassen.
Der erste besteht darin, dich mit deinen Gedanken in die jeweils genannte biblische Szene zu versetzen und zu fühlen, dass der Herr dich in diesem Moment nicht nur dazu einlädt, ein Ereignis in Erinnerung zu rufen, sondern es als Protagonist zu leben.
Der zweite besteht darin, dem Herrn für das Heilsereignis zu danken, das Er vollbracht hat und das du in Gedanken wiedergibst.
Frage dich auch, was dieses Ereignis für dich und das Leben anderer darstellen könnte.
Der dritte besteht darin, Gott zu bitten, uns, Dank der unendlichen Verdienste, die Christus mit diesem Ereignis erlangt hat und die Er dir beim Rosenkranzgebet in die Hände legt, Kraft und Gnade zu schenken.
4. Des Weiteren empfehle ich dir die regelmäßige und häufige Beichte.
Mindestens alle 15 Tage, besser noch wöchentlich, wenn ein Beichtvater zur Verfügung steht.
Du wirst immer einen großen Vorteil daraus ziehen.
Im Katechismus der Katholischen Kirche steht: “Bei denen, die das Bußsakrament reuevoll und fromm empfangen, können Friede und Heiterkeit des Gewissens, verbunden mit starker Tröstung des Geistes folgen” (n. 1468).
5. Zur Vertiefung der christlichen Lehre kannst du den Katechismus der Katholischen Kirche lesen.
Manche Ausdrücke sind zwar schwierig, besonders in der Auslegung des Glaubensbekenntnisses, aber mit etwas Ausdauer und Schritt für Schritt ist es zu schaffen und man kann nur davon profitieren.
6. Was die Art und Weise des Gebetes betrifft, habe ich bereits auf die Teilnahme an der Messe, die häufige Beichte und den Heiligen Rosenkranz hingewiesen.
Zum Aufbau deines christlichen Lebens empfehle ich dir Philothea, vom hl. Franz von Sales.
Soviel zu den allgemeinen Hinweisen.
Das reicht für den Moment.
7. In Bezug auf das Sündenbekenntnis, gehe zurück zu dem Priester, bei dem du gebeichtet hast, und sage ihm, dass du die Sünden auflisten möchtest, auch um Empfehlungen zu erhalten, wie du sie überwinden kannst.
Die Beichte von Todsünden ist immer eine Pflicht.
Der Priester könnte einwenden, dass er sie bereits alle kennt.
Aber du wirst sie ihm aufsagen, erstens, weil du sie vor Gott beichten willst, zweitens, um vom Beichtvater Hinweise zu erhalten, wie du sie in Zukunft vermeiden kannst.
Ich versichere dir mein Gebet, damit du in Christus wächst und schnell wiedererlangst, was du verloren hast, während du fern von Ihm warst.
Ich grüße dich herzlich und segne dich.
Pater Angelo
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