Frage
Hochwürdiger Pater Angelo,
ich bin eine 89-jährige Mutter mit einem 53-jährigen Sohn. Er ist ein lieber Mensch, hat nie schlechte Gedanken, respektiert jeden, ist ein guter Lehrer und die Kinder und Jugendlichen lieben ihn sehr, seine Kollegen schätzen ihn und sind seine Freunde. Ich bin seit 29 Jahren Witwe, und er lebt bei mir und kümmert sich um mich, unterstützt mich, er ist wirklich ein sehr guter Mensch, er hat nur einen Fehler: er glaubt nicht an Gott.
Wir haben ihn christlich erzogen und bis zu seinem 15. Lebensjahr ging er in die Kirche, die ich immer noch besuche und er respektiert auch meinen Glauben.
Heute hat er mich gefragt: Was wird aus mir werden, wenn ich einmal sterbe? Wird dein Gott mich aufnehmen?
Ich habe nie jemandem etwas zuleide getan, ich helfe allen, so gut ich kann, aber wird Gott mich dann in die Hölle schicken wie die Verdammten?
Ich erwiderte ihm lediglich, dass es nicht Gott ist, der ihn abgewiesen hat, sondern er selbst, der sich von Gott abgewandt hat und dann nicht erwarten kann, aufgenommen zu werden.
Er meinte, dass es für Leute wie ihn zumindest, wie für Kinder, eine Art Limbus geben sollte. Wenn Gott ihn zusammen mit Mördern, Verbrechern und Dieben verurteilen würde, nur weil er nicht an ihn glaube, wo er doch immer versucht habe, allen nur Gutes zu tun, dann wäre das nicht gerecht….
Ich fand keine Antwort darauf…. Pater, was können Sie dazu sagen?
Gelobt sei Jesus Christus
Antwort des Priesters
Liebe Besucherin,
- Es ist nicht leicht zu verstehen, warum sich manche Menschen in ihren Teenagerjahren vom Herrn abwenden. Es kann viele Gründe dafür geben, aber wir sollten nicht ausschließen, dass gerade in der Pubertät die Sünde beginnt, den Geist eines jungen Menschen zu trüben und ihn vielleicht sogar blind zu machen.
Es ist schwer zu begreifen, warum ein Junge die Gegenwart Gottes, der durch alle Dinge zu ihm spricht, nicht mehr wahrnimmt. - Augustinus, der sich bekehrt hatte, sah Gott überall, so dass er in seinen Bekenntnissen schreiben konnte: „Und Himmel und Erde und alle Geschöpfe darin auf allen Seiten sagen mir, dass sie dich lieben, und hören nicht auf, dies allen zu sagen, damit sie ‚unentschuldbar‘ sind (Röm 1,20)“ (Bekenntnisse, X,6,8).
Wie der heilige Augustinus haben viele Menschen das Bedürfnis, zu Gott zu sagen: „Wir loben dich, wir segnen dich, wir beten dich an, wir danken dir für deine unermessliche Herrlichkeit“.
Die heilige Josephine Bakita erinnerte sich daran, dass sie als Kind, noch bevor sie von Sklavenhändlern entführt und gefoltert wurde, beim Anblick der Wunder der Natur sagte: „Sag mir, wer all diese Dinge gemacht hat, damit ich ihn lieben und ihm danken kann!“
Dein Sohn hat zu lange nicht die Erfahrung von Gottes Liebe gemacht und Dankbarkeit gezeigt. - Ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass dein Sohn bei seinen Schülern beliebt ist, respektiert wird und ein sehr guter Mensch ist. Das ist er sicherlich.
Aber ein sehr guter Mensch zu sein, ist noch nicht dasselbe wie in der Gnade Gottes zu stehen.
Eine einzige Todsünde, wie etwa die Missachtung der Sonntagspflicht, führt schon dazu, dass man die Gnade verliert. Wenn man in diesem Zustand bleibt, nimmt man Gottes Gegenwart nicht mehr wahr. Schließlich wird die Distanz so groß, dass Gott nur noch eine Idee zu sein scheint.
Nun wird ein Mensch, der anfängt, die Sonntagsmesse nicht mehr zu besuchen, dadurch nicht zu einem unehrlichen Menschen. Er kann in sozialer Hinsicht weiterhin eine vortreffliche Person bleiben.
Tatsache aber ist, dass er eine Todsünde begeht und damit seinen Gnadenstand verliert. - Dies ist nur ein Beispiel, denn es gibt 10 Gebote, und bei einigen ist es einfach, in Sünde zu verfallen, vor allem, wenn es kein höheres Ziel gibt, die Versuchungen zu bekämpfen, um siegreich zu sein.
Ich denke dabei insbesondere an die Sünden im Zusammenhang mit der Reinheit.
Selbst diese Sünden hindern einen nicht daran, ein guter Mensch zu sein. Aber sie führen mit Sicherheit dazu, dass man die Gnade Gottes verliert und den Geschmack an den Dingen Gottes auslöscht. - Ein guter Mensch zu sein, ist schon mal eine gute Sache, aber es ist immer noch ein Gut von natürlicher Ordnung. Die Berufung des Menschen hingegen besteht darin, in eine Gemeinschaft des ewigen Lebens mit Gott einzutreten. Dies ist ein Gut übernatürlicher Art.
Um es zu erreichen, ist es notwendig, von Gott selbst ausgerüstet zu werden. Jesus sagte: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater ihn zieht“ (Joh 6,44)
Gott zieht jeden zu sich durch die heiligmachende Gnade, die eine Realität übernatürlicher Ordnung ist, die es erlaubt, Gott wie einen Tempel im Herzen zu bewahren. - Was dein Sohn jetzt tun muss?
Als erstes muss er beichten gehen, die Gnade Gottes wiedererlangen und sein geistiges Leben in Ordnung bringen.
Ja, das geistige Leben.
Etwas, worum sich so viele Menschen keineswegs kümmern, manchmal wissen sie nicht einmal, was es ist, und doch ist es das kostbarste Gut, das wir hüten müssen, weil wir alle, ob wir es wollen oder nicht, eines Tages vor dem Richterstuhl Christi stehen werden.
Deshalb ist es notwendig, dass er beichtet, dass er seine Seele mit Gott nährt, dass er betet, dass er die Heilige Kommunion empfängt und in der Gnade Gottes lebt, damit Jesus Christus an jenem Tag nicht zu ihm sagt: „Ich kenne dich nicht“ (vgl. Mt 25,12).
Wenn er all dies getan hat, wird er sich wie wiedergeboren fühlen! - Es freut mich, dass dir das ewige Heil deines Sohnes am Herzen liegt. Du hast ihn nicht nur für das Leben hier auf Erden gezeugt, sondern um ihm das ewige Leben zu schenken.
Deshalb lebe weiter für ihn, indem du Gott dein Leben mit all seinen unvermeidlichen Leiden aufopferst. Opfere ihm auch deine Verdienste, deine Gebete auf.
Geh sogar noch weiter: Bring ihm die Verdienste unseres Herrn Jesus Christus und der seligen Jungfrau Maria dar.
Bringe ihm auch die Gebete und Verdienste der Heiligen und der Seelen im Fegefeuer dar.
Um die Worte des Bischofs Ambrosius an die Mutter des heiligen Augustinus zu paraphrasieren, kann ich dir versichern, dass ein Sohn so vielem Gebets nicht verloren gehen kann.
Deinem Gebet schließe ich mich gerne an.
Ich segne euch beide.
Pater Angelo
Questo articolo è disponibile anche in:

