Frage

Lieber Pater,

entschuldigen Sie bitte, aber ich würde gerne wissen, welche Gebete ich sprechen soll, wenn ich in schwere Sünde falle.
Natürlich muss ich eine würdige und aufrichtige Beichte ablegen…
Könnten Sie mir helfen, zu verstehen, was ich sonst noch tun muss?
Kann ich auch die Heiligen um Hilfe bitten, wenn ich in schwere Sünde gefallen bin?
Es ist das erste Mal, dass ich mich an einen Pater wende, entschuldigen Sie deshalb meine Ausdrucksweise.
Andrea


Antwort des Priesters

Lieber Andrea,

  1. Wenn du in Sünde fällst, ist das wahrste und wohl auch das spontanste Gebet, das aus deinem Herzen und über deine Lippen kommen kann, dieses: „Herr, erbarme dich meiner, denn ich bin ein Sünder“.
    Man könnte sagen, dass dies das Gebet ist, das uns Jesus im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner gelehrt hat.
    Die Zöllner waren Sünder und wurden auch von allen als solche anerkannt.
    Nun, dieser Zöllner, der in den Tempel trat und sich als Sünder erkannte, wagte es nicht, sich zu nähern; er blieb in einiger Entfernung stehen, schlug sich an die Brust und betete: „O Gott, sei mir Sünder gnädig“ (Lk 18,13).
  2. Man beachte: Er hat nicht nur ein Gebet gesprochen, sondern sich auch an die Brust geschlagen.
    Der heilige Augustinus kommentiert: „Er war in der Ferne stehen geblieben; doch er näherte sich Gott, und der Herr erwartete ihn aus der Nähe.
    Er erhob nicht einmal seine Augen zum Himmel, um hinaufzublicken;
    sein Gewissen bebte, aber die Hoffnung richtete ihn auf; er schlug sich an die Brust und forderte Strafe für sich selbst. Aus diesen Gründen vergab der Herr dem, der reumütig war.
    Du hast den stolzen Ankläger gehört, du hast den demütigen Schuldigen gehört, der bekennt; nun höre den Richter, der spricht: Ich sage euch: Dieser kehrte gerechtfertigt in sein Haus zurück“ (De verbis Domini, Serm. 36).
  3. Dies gilt übrigens für alle, auch für die wiederverheirateten Geschiedenen, für die Zusammenlebenden und für alle, die in einer Situation der Sünde leben.
  4. Wenn man sich als Sünder erkennt (wir sind es immer, aber manchmal durch bestimmte Handlungen noch mehr), verspürt man das Bedürfnis, das Gebet mit der Sühne zu verbinden – als Bereitschaft, gemeinsam mit Christus das begangene Unrecht wiedergutzumachen.
  5. Nachdem man eine Sünde begangen hat, fühlt man sich nicht danach zu sagen: „Herr, ich liebe dich von ganzem Herzen“.
    Es scheint ein Widerspruch, eine Lüge zu sein.
    Durch dieses Gleichnis ist uns Jesus entgegengekommen und hat uns das wahrste Gebet gelehrt: „Hab Erbarmen mit mir, Herr, denn ich bin ein Sünder.“
  6. Welche Bußübung kann man dem Gebet hinzufügen?
    Es könnte ein längeres Gebet sein (für manche ist das eine Buße, für andere eine Gnade).
    Dieses Gebet könnte der Rosenkranz sein oder darin bestehen, eine Kirche zu besuchen -vielleicht verbunden mit einer kleinen Wallfahrt- und eine Kerze beim Herrn oder bei der Muttergottes entzünden, damit sie uns Barmherzigkeit erweisen.
    Oder es könnte sich um einen Verzicht auf etwas Angenehmes handeln.
  7. Du fragst mich schließlich, ob du, wenn du in schwerer Sünde bist, die Hilfe der Heiligen anrufen kannst.
    Der heilige Augustinus hat geschrieben: „Wenn Gott die Sünder nicht erhören würde, hätte der Zöllner vergeblich gesagt: Herr, sei mir Sünder gnädig“ (Kommentar zum Johannesevangelium, Traktat 44).
    Und der heilige Johannes Chrysostomos: „Wer auch immer bittet, empfängt – das heißt, ob er nun gerecht oder Sünder ist“ (Op. imp. in Mt hom 18).
  8. Im Evangelium finden wir jedoch die Worte des blind Geborenen:
    „Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er“ (Joh 9,31).
    Der heilige Thomas zitiert nach dem Kommentar des heiligen Augustinus: „Dieser Blinde spricht hier noch mit Schlamm beschmierten Augen und ist nicht vollkommen erleuchtet. Denn Gott erhört auch Sünder, sonst hätte der Zöllner vergeblich gebetet: ‚Herr Gott, erbarme dich meiner, ich bin ein Sünder‘“ (Kommentar zum Johannesevangelium, Traktat 44).
    Er sagt weiter: „Wenn wir aber die Aussage des Blinden retten wollen, müssen wir sagen, dass Gott die Sünder, die in ihren Sünden verharren, niemals erhört; wohl aber die reumütigen Sünder, die deshalb eher zu den Bußfertigen als zu den Sündern gezählt werden müssen“ (Kommentar zu Joh 9,31).
  9. ​​Daher gilt: Wenn du dich in schwerer Sünde befindest, rufe – sofern du reumütig bist – ruhig die Fürsprache aller Heiligen an.
    Sie werden dich hören und dich vor dem Herrn verteidigen.
    Ich wünsche dir alles Gute, versichere dir mein Gebet und segne dich.
    Pater Angelo

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