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Frage

Guten Abend Padre Angelo,

Ich hätte eine Frage zur Passion Christi.  Jedes Mal wenn ich im Evangelium die Stellen über die Passion Christi  nachlese und darüber nachdenke, berührt mich das sehr und ich fühle Dankbarkeit Ihm gegenüber, weil Er uns von dem Bӧsen gerettet hat.  Diese Vorbemerkung beiseite, frage ich mich, warum dieses ganze Blutvergießen, wieso dieses Leiden, das in der Kreuzigung seinen Hӧhenpunkt fand. Warum so ein furchtbarer Tod?  Ich frage mich, warum Gott so sterben wollte, warum Er das Leiden als Weg zur Erlӧsung bevorzugte.  Ein Vater lässt doch nie seinen Sohn so sterben.  Wenn ich über all das nachdenke, beunruhige ich mich sehr.  Auf keiner Weise möchte  ich Gott belehren, wie er die Rettung zu vollziehen hat, das wäre reiner Unsinn, aber ich kann es einfach nicht nachvollziehen.  

Kӧnnten Sie mir bitte eine Interpretation dazu geben?

Herzliche Grüße

Stefano


Antwort des Priesters

Lieber Stefano,

1. Nicht ohne einen sehr tiefgehenden Grund wollte unser Herr Gott durch die Passion und die Kreuzigung unsere Sünden sühnen.

Wir sind es gewӧhnt, zu glauben, dass die Sünden (die Rede ist von schweren Sünden, also den Todsünden) nicht so schlimm sind, abgesehen von Mord und ein paar anderen. 

2. Um unverzüglich die schrecklichen Konsequenzen unseren Sünden zu verstehen, reicht es aber schon, einen Blick auf Christus zu richten, dessen Körper so zerfetzt war, dass man all seine Knochen zählen konnte, so wie David es prophezeit hatte.

3. Für uns ist es nicht so klar und eindeutig, was Sünden sind. 

Nachdem Jesus ans Kreuz gehängt worden war, sagte er: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun”.  Er bittet um Vergebung, weil wir nicht wissen, was wir tun.  Aber Er weiß es. 

Und Er beweist unsere Torheit und Grausamkeit, indem Er uns seinen durch die Geißelung,  Dornenkrӧnung und Kreuzigung vӧllig ausgeleierten, entfleischten und zerrissenen Kӧrper zeigt. Ein christliches Lied mit dem Titel Warst du je bei dem Kreuz Jesu, erwidert auf die Frage Warst du je bei dem Kreuz Jesu, mit berührenden Noten: Dieser Gedanke bringt mich zum Weinen, Weinen, Weinen. 

Soweit um zu verstehen, was Christus wirklich angetan wurde.

4. Die Passion Christi zeigt also nicht nur, was unsere Sünden dem physischen Kӧrper Christi angetan haben, sondern auch was sie jetzt gleicherweise seinem mystischen Leib antun, und zwar in der Kirche und in der Menschheit. 

So wie unsere Sünden den Kӧrper Christi zerstӧrt haben, so zerstӧren sie jetzt seinen mystischen Leib weiter.  

Sie verursachen noch weiteres Blutvergießen und berauben die Kirche weiterhin einer Gnadenquelle, indem sie an ihrer Stelle Zerstörung der Seelen einführt. 

Jetzt verstehen wir etwas besser, was die Sünde darstellt: das Blutvergießen Christi und die belebende Gnade der Kirche.

5. Es wäre also wirklich angebracht, regelmäßig über die Auswirkungen der Sünde auf die Seelen zu meditieren, damit wir sie nie mehr wiederholen. 

Unsere Heiligen weinten bei der Kontemplation des gekreuzigten Christus.  

Mein Gedanke geht an die Gemälde des Fra Beato Angelico, der unseren Heiligen Dominikus, bitterlich weinend und vom Leid verzehrt, am Kreuze Christi verewigt hat.

Dieser Schmerz ist das Geheimnis seines apostolischen Eifers. 

Er will nicht, dass das Opfer Jesu vergebens ist, und dass Menschen ewig verloren gehen. 

Und das führt ihn bis hin zum Verlangen, mit Ihm Märtyrer zu werden und sein Blut zu vergießen, um gemeinsam mit Christus zur Erlӧsung beizutragen.  

6. Jetzt sei es mir bitte erlaubt, zu sagen, dass wir heutzutage Priester brauchen, die so wie der Heilige Vater Dominikus am Kreuze weinen.

Und die sich erfreuen, für den Leib Christi, die Kirche, in ihrem irdischen Leben das zu vervollständigen, was an den Leiden Christi noch fehlt (Kol. 1,24). 

Der Passion Christi fehlt es an nichts, das ist schon mal klar, denn der Verdienst Christi ist unendlich. 

Es fehlt aber, dass seine Verdienste unsere werden. 

Und das geschieht, indem sie durch Gottes Gnade, den Sakramenten, gute Werke und auch durch unsere, gefühlvoll erlebten, schmerzhaften Geheimnisse, unter uns und unserem Nächsten aufgeteilt werden.

7. Was die Sünden letztendlich an dem zerrissenen Leib Christi und der Kirche zeigen, ist ein Zeichen von dem, was sie in uns verursachen. 

Im Zweiten Vatikanischen Konzil steht geschrieben: “Der Mensch erfährt sich, wenn er in sein Herz schaut, auch zum Bösen geneigt und verstrickt in vielfältige Übel, die nicht von seinem guten Schöpfer herkommen können.

Weil der Mensch oft Gott als seinen Ursprung  verleugnet,  durchbricht dadurch auch die geschuldete Ausrichtung auf sein letztes Ziel, und gleichzeitig die ganze Harmonie,  zugleich aber auch seine ganze Ordnung hinsichtlich seiner selbst wie hinsichtlich der anderen Menschen und der ganzen Schöpfung.

So ist der Mensch in sich selbst zwiespältig.” (Gaudium et spes, 13)

“Ja, der Mensch findet sich unfähig, durch sich selbst die Angriffe des Bösen wirksam zu bekämpfen, so daß ein jeder sich wie in Ketten gefesselt fühlt” (Ib.).

Auch in diesem Fall wäre es wirklich von Vorteil, über die Passion Christi zu meditieren, um jegliche Sünde zu vermeiden, weil nach Meinung von Johannes Paulus II.  jede Sünde immer eine Selbstmordhandlung ist, (Reconciliatio et paenitentia, 15), ein unnötiges Blutvergießen und schädliche Verwerfung spiritueller Energien.

8. Meine Überlegung bezieht sich nur auf einen von dir in deiner Email betonten Punkt:  dass die Sünde Blutvergießen verursacht.

Die Passion Christi erinnert uns daran.

Wenn wir aber einen Blick auf dem werfen würden, was der Heilige Thomas über die Nützlichkeit einer solchen Erlӧsung sagt, würden wir viele andere wertvolle Begründungen finden.

Ich danke dir, dass du die Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt hast. 

Ich schließe dich in mein Gebet ein und segne dich.

Padre Angelo