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Frage

Guten Morgen Padre Angelo,

in vielen theologischen Texten und auch in Predigten wird uns oft ein gewisses, für mich nicht immer positives, Beharren übermittelt. Ich würde gerne Ihre Meinung dazu erfahren.

Dieses Beharren  bezieht sich auf die  Beziehung zwischen Gott und dem Menschen, genauer gesagt,  die bedingungslose Annahme, dass der Mensch immer eine eigene Kreatürlichkeit zu haben hat.

Dieses Beharren kommt in vielen Themen vor, unter anderem, in der Erbsünde, aufgefasst  als hochmütige Anmaßung des Menschen, selbst wie Gott sein zu wollen, im Unglück und  Leid, das der Mensch ohne zu klagen ertragen sollte (siehe Hiob). Auch die Erlösung, die wir nur dadurch erreichen, indem wir Gott als unseren liebevollen Vater und Schöpfer anerkennen, Ihn anbeten und lieben, gehört dazu.

Abgesehen vom tiefen Sinn der Glaubenslehre, finde ich, dass das Beharren auf diese Konzepte das Wesen Gottes eher antipathisch wirken lässt, trotz der Predigt, dass Gott Liebe ist, Liebe uns gegenüber.  Dank der Grundkenntnisse in Psychologie wissen wir, dass eine, wenn auch liebevolle, aufdringliche Elternfigur nicht gut für die Entwicklung des Kindes ist, das bald für sich mehr Freiheit fordern wird. Die Predigten hingegen halten gerade die Figur des “Vaters”, die Gott, vor allem im Zusammenhang mit Jesus, für sich selbst benutzt, nicht ganz für ernsthaft. Gott als Vater und wir als seine Kinder bedeutet, dass sein Reich eines Tages auch unseres sein wird (siehe Gleichnis vom barmherzigen Vater). Wie Kinder, werden wir aufwachsen, um eines Tages wie Er, mit Ihm und in Ihm zu sein, so wie die Offenbarung abschließt. 

Was man hingegen zu hören bekommt sind Äußerungen von Verteidiger der Souveränität Gottes, Abwertungen der Kinder Gottes, Sünder und Unzufriedene, weil sie nicht ihrem Schöpfer “unterworfen” sind. Dieses Beharren, das vielleicht  in den letzten Jahrhunderten nachvollziehbar war, halte ich  heutzutage für unangebracht, um das wahre Gesicht Gottes zu zeigen und ist meines Erachtens eine der Ursachen für die Entfremdung des modernen Menschen von Gott.

 Andrea


Antwort des Priesters

Lieber Andrea,

1. Vorausgesetzt, dass ich diese Insistenz in der Annahme  der eigenen Kreatürlichkeit nicht so sehe, kommt mir deine E-Mail wie eine Apologie des verlorenen Sohnes vor: “Gott hat uns die Freiheit gegeben, machen wir damit was wir wollen”.

Oder vielmehr, eine Apologie der Sünde.

2. Du schreibst: “ Wenn Gott Vater ist und wir seine Kinder, dann wird sein Reich eines Tages auch unseres sein (siehe Gleichnis vom barmherzigen Vater). Als Kinder werden wir aufwachsen, um eines Tages wie Er, mit Ihm und in Ihm zu sein, sowie die Offenbarung abschließt. ”

Ja, “Gott sei alles in allem.” (1 Korinther15,28).

Aber was heißt in allem?

3. Warum berücksichtigst du nicht was die Offenbarung genau vor dem, von dir angeführten Vers, besagt? Nämlich: “ Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.  Denn »alles hat er unter seine Füße getan” (1 Korinther 15,25-27).

“Bis Gott nicht alle Feinde unter seine Füße gelegt hat”. Die Sprache ist zwar bildlich, weil Gott keine Füße hat, doch ist es die, an Gott selbst, angewendete Sprache.

4. Die eigene Kreatürlichkeit nicht zu erkennen heißt, dass wir Gottes Platz einnehmen wollen. Das ist die Realität der Erbsünde und aller anderen Sünden.

Siehe was der Katechismus der Katholischen Kirche dazu schreibt:  Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen und in seine Freundschaft aufgenommen. Als geistbeseeltes Wesen kann der Mensch diese Freundschaft nur in freier Unterordnung unter Gott leben. Das kommt darin zum Ausdruck, dass den Menschen verboten wird, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen,  ,,denn sobald du davon isst, wirst du sterben“ (Gen 2,17).

Dieser ,,Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ erinnert sinnbildlich an die unüberschreitbare Grenze, die der Mensch als Geschöpf freiwillig anerkennen und vertrauensvoll  achten soll. Der Mensch hängt vom Schöpfer ab, er untersteht den Gesetzen der Schöpfung und den sittlichen Normen, die den Gebrauch der Freiheit regeln. (KKK 396).

5. Gott ruft den Menschen zur Gemeinschaft mit sich auf.

Er hat ihm den Weg zu dieser Gemeinschaft gezeigt: nämlich seine Gebote, die Gebote der Liebe, wie die eines Vaters zu seinem Sohn, mit den Worten: wenn du dieses Ziel erreichen willst, folge diesem Weg. Andernfalls gehst du vom Weg ab und wirst dir Leid zufügen.

6. Siehe was Johannes XXIII in der Enzyklika Mater et Magistra sagt, die sich nicht nur an Christen richtet, sondern auch an alle Menschen guten Willens: Technik und Wirtschaft sind zwar fortgeschritten. Aber es wird weder Friede noch Gerechtigkeit auf Erden geben, solange die Menschen ihre Würde als Geschöpfe und als Kinder Gottes nicht erkennen. Denn Gott ist der erste und letzte Grund aller geschaffenen Dinge. Losgelöst von Gott, wird der Mensch sich selbst und den Mitmenschen zum Ungeheuer: die gegenseitigen menschlichen Verbindlichkeiten setzen die rechte Bindung des menschlichen Gewissens an Gott voraus, die Quelle aller Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe (MM 215).

Und: “Es gibt in unserer Zeit wohl keine größere Torheit als den Versuch, in dieser Welt eine feste und brauchbare Ordnung aufzubauen ohne das notwendige Fundament, nämlich ohne Gott; die Größe des Menschen zu verherrlichen und dabei die Quelle versiegen zu lassen, aus der diese Größe fließt und genährt wird, indem man versucht, das Verlangen nach Gott zu schwächen oder womöglich zu unterdrücken. Aber was in dieser unserer Zeit geschehen ist, hat die falschen Hoffnungen vieler zerstört und tiefes Leid über viele Menschen gebracht. Da bewahrheitet sich das Wort der Schrift: „Wenn der Herr das Haus nicht baut, bauen die Bauleute vergebens“ (MM 217).

7. Gehen wir zurück zum KKK:  “Vom Teufel versucht, ließ der Mensch in seinem Herzen das Vertrauen zu seinem Schöpfer sterben [Vgl. Gen 3,1.], missbrauchte seine Freiheit und gehorchte dem Gebot Gottes nicht. Darin bestand die erste Sünde des Menschen [Vgl. Röm 5,19.]. Danach wird jede Sünde Ungehorsam gegen Gott und Mangel an Vertrauen auf seine Güte sein.”

Und: “ In dieser Sünde zog der Mensch sich selbst Gott vor und missachtete damit Gott: er entschied sich für sich selbst gegen Gott, gegen die Erfordernisse seiner eigenen Kreatürlichkeit  und damit gegen sein eigenes Wohl. In einem Zustand der Heiligkeit erschaffen, war der Mensch dazu bestimmt, von Gott in der Herrlichkeit völlig ,,vergöttlicht“ zu werden. Vom Teufel versucht, wollte er ,,wie Gott sein“ [Vgl. Gen 3,5.], aber ,,ohne Gott und vor Gott und nicht Gott gemäß“ (Maximus der Bekenner, ambig)” (KKK 398).

Der KKK sagt dann, welche die verheerenden Wirkungen der Sünde sind. Lese mal die Nummern 399, 400 und 401.

8. Du sprichst von einer Predigt, die das Bild eines aufdringlichen Vaters vorstellt, indem du psychologische Vorkenntnisse empfiehlst.

Aber kann man eine Predigt, die die Barmherzigkeit als einziges Merkmal Gottes präsentiert, für aufdringlich halten?

9. Ebenso am Ende deiner E-Mail: Dieses Beharren, das vielleicht  in den letzten Jahrhunderten nachvollziehbar war, halte ich  heute für unangebracht, um das wahre Gesicht Gottes zu zeigen und ist meines Erachtens eine der Ursachen für die Entfremdung des modernen Menschen von Gott.

Abgesehen vom Ausdruck: “… das  in den letzten Jahrhunderten nachvollziehbar war“. Was meinst du damit? Dass früher die armen Leute, unter denen Heilige wie, der  Heilige Tommaso d’Aquino, der Heilige Alberto Magno und die Heilige Caterina von Siena, nichts oder nur wenig kapierten?

10. Noch schlimmer sind die anderen Behauptungen:

Die erste: du sprichst von Unangemessenheit, das wahre Gesicht Gottes zu zeigen.

Aber kennst du denn das wahre Gesicht Gottes? Hast du es lange betrachtet?

Bist du dir sicher, es besser als die Jünger, die heiligen Väter und heiligen Doktoren zu kennen? Und auch besser als die demütigen und einfachen aber dafür gottesfürchtigen Leute?

11. Bezüglich der Ursachen, die den modernen Menschen von Gott entfernen, siehe was die göttliche Offenbarung dazu sagt: “… und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlichgetan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich.

 (Eph 5,11-12).

12. Des weiteren: “Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse” (Johannes 3,19).

Das ist die Begründung der Entfernung der Menschen von Gott, die uns Unser Herr gegeben hat.

13. Er hat auch hinzugefügt: “ Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.” (Johannes 3,20).

Die Priester, die bei Konversionen die Beichten hören, würden, mit wenigen Ausnahmen, sagen: Genau so ist es. Genau so ist es.

Mit dem Wunsch, dass du stolz sein kannst, wie ein Meisterwerk der Schöpfung Gottes zu sein, und immer den Weg gehen wirst, den Jesus Christus dir vorgezeichnet hat, versichere ich dir mein Gebet und segne dich. 

Padre Angelo